Der US-Privatmarkt blickt auf ein zweigeteiltes Jahr 2025 zurück. Laut dem aktuellen Lincoln Private Market Index stiegen die Unternehmenswerte privater US-Firmen im vierten Quartal lediglich um 1,9%. Damit blieb das Wachstum hinter dem breiten S&P 500 (2,3%) zurück. Über das gesamte Jahr gesehen legte der Index um 9,9% zu, was deutlich unter der Performance des öffentlichen Marktes lag.
Erträge als Wachstumsmotor, Multiples stabil
Im Gegensatz zum volatilen öffentlichen Aktienmarkt basierte der Wertzuwachs im Privatmarkt fast ausschließlich auf operativen Leistungssteigerungen. Steve Kaplan, Professor an der University of Chicago Booth School of Business, kommentierte: „Das Wachstum der Unternehmenswerte im Privatmarkt in Q4 entsprach dem Rest des Jahres 2025, da es primär durch steigende Erträge getrieben wurde.“ Während beim S&P 500 die Bewertungsmultiples stark schwankten, blieben diese im privaten Sektor weitgehend flach.
Trotz des Wachstums trübt sich das Bild der operativen Stärke ein: Die EBITDA-Wachstumsraten verlangsamten sich im Jahresverlauf stetig – von 6,5% im zweiten Quartal auf 4,7% im vierten Quartal.
Intensiver Wettbewerb um Qualitäts-Assets
Trotz der Wachstumsverlangsamung bleibt der Wettbewerb um erstklassige Unternehmen intensiv. Private-Equity-Investoren und Kreditgeber sind weiterhin bereit, für hochwertige „A-Tier“-Assets hohe Prämien zu zahlen. Ein prominentes Beispiel war die Übernahme der Filtration Group durch Parker-Hannifin für 9,25 Milliarden US-Dollar, was dem 19,6-fachen des EBITDA entsprach.
Dieser Wettbewerbsdruck trieb das durchschnittliche Buyout-Multiple auf 13,1x EBITDA – ein Wert, der sogar die Spitzenwerte der Jahre 2021 und 2022 übertrifft. Auch die Verschuldungsgrade stiegen trotz des höheren Zinsumfelds auf durchschnittlich 5,2x an.
Warnsignale im Kreditmarkt: Der „Schatten-Default“
Während die Kapitalmärkte aktiv blieben, mehren sich die Anzeichen für finanziellen Stress bei den Portfolio-Unternehmen. Besonders die Zunahme von sogenannten „Bad PIK“-Fällen (Payment-in-Kind) bereitet Experten Sorgen. Hierbei zahlen Unternehmen ihre Zinsen nicht in bar, sondern durch zusätzliche Verschuldung, oft aufgrund von Liquiditätsengpässen.
Die Quote dieser „Schatten-Ausfälle“ stieg bis Ende 2025 auf 6,4%. Ron Kahn, Managing Director bei Lincoln International, wies zudem auf ein wachsendes Problem bei älteren Krediten hin: „Wir beobachten eine stetige Verlangsamung des EBITDA-Wachstums und Unternehmen, die nicht in der Lage sind, sich organisch zu entschulden.“ Besonders bei Krediten aus den Jahren 2019 und 2020 steige der Verschuldungsgrad eher an, als zu sinken. Schätzungen zufolge müssen 30% bis 40% der in den nächsten zwei Jahren fälligen Kredite restrukturiert oder erneut verlängert werden.
Ausblick auf 2026
Für das laufende Jahr 2026 wird entscheidend sein, wie private Unternehmen die Auswirkungen von Zöllen und die anhaltend hohen Zinsen verkraften. Während die Renditen im Direct Lending mit rund 9,5% attraktiv bleiben, sind sie von ihrem Peak (11,8% in 2023) deutlich gesunken. Für Fondsmanager wird die aktive Portfolioverwaltung laut Kahn nun erfolgskritisch, um Ausfälle in einem Umfeld engerer Spreads und langsameren Wachstums zu begrenzen.
Weitere beliebte Meldungen: