Die Debatte um die Liquidität von Evergreen-Vehikeln in den Private Markets wird oft durch US-amerikanische Modelle dominiert. Eine neue Untersuchung von ELTIF.info differenziert nun spezifisch für den europäischen Markt, wie Marcus Müller, Gründer der Plattform, im Rahmen eines aktuellen Newsletters ausführte. Die Studie analysiert auf Basis von Fondsprospekten die tatsächliche Gesamtrückgabedauer – definiert als der Zeitraum vom Entschluss der Rückgabe bis zur finalen Abrechnung – ohne dabei hypothetische Gatings einzukalkulieren.
Komponenten der Liquidität
Die Liquidität von ELTIFs setzt sich aus vier zentralen Faktoren zusammen: Mindesthaltefristen (Lockups), Ankündigungsfristen (Notice Periods), der Handelsfrequenz sowie dem Abrechnungszeitraum (Settlement). Wie ELTIF.info im Newsletter darlegt, stellen Lockups mit durchschnittlich 0,75 bis 1,75 Jahren den gewichtigsten Faktor dar. Besonders bei jungen Fonds sind diese Fristen derzeit noch aktiv. Ein „Soft-Lockup“ ermöglicht zwar den vorzeitigen Ausstieg, ist jedoch meist mit einem Rücknahmeabschlag verbunden.
Private Debt als Liquiditätsführer
Im Strategievergleich schneiden Private-Debt-ELTIFs am liquidesten ab. Mit einer durchschnittlichen Mindesthaltefrist von 253 Tagen und einer kombinierten Ankündigungs- und Handelsfrequenz von rund fünf Monaten liegt der Median der Gesamtrückgabedauer bei 293 Tagen. Müller führt dies auf die strukturellen Vorteile der Assetklasse zurück: „Private Debt gilt als der ‚liquideste‘ Bereich der Private Markets, da Darlehen laufende Zinsen zahlen, wodurch sich die Duration verkürzt.“ Zudem reduziere die feste Laufzeit von Krediten das Exitrisiko gegenüber Eigenkapitalbeteiligungen.
Infrastruktur und Private Equity mit längeren Fristen
Am anderen Ende des Spektrums finden sich Infrastruktur-ELTIFs. Diese weisen eine mittlere Rückgabedauer von 774 Tagen (Median) auf. Viele dieser Vehikel lehnen sich an die Fristen offener Immobilienpublikumsfonds an, was in der Regel zwei Jahre Mindesthalt- und ein Jahr Kündigungsfrist bedeutet. Private-Equity-Strategien zeigen indes die höchste Volatilität bei den Fristen: Während der Median bei 361 Tagen liegt, reichen einzelne Extremwerte bis über sieben Jahre, was die Struktur in die Nähe geschlossener Fonds rückt.
Einfluss der Portfoliostruktur
Ein wesentliches Ergebnis der Analyse betrifft die Umsetzung der Strategien. Laut ELTIF.info weisen Fonds mit einem hohen Anteil an Direkt- und Co-Investments tendenziell kürzere Rückgabedauern auf als Dachfonds-Konstruktionen. In der Praxis wird sich die Belastbarkeit dieser Bedingungen erst nach Ablauf der initialen Lockup-Phasen und bei fortgeschrittenem Portfolioaufbau zeigen. Es gilt dann, die Balance zwischen der strukturellen Illiquidität der Assets und den vertraglich zugesicherten Rückgabemöglichkeiten zu halten.
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