Nachdem wir bereits über die Kernaspekte der neuen ELTIF-Studie von Scope berichtet haben, rückt nun ein spezifisches Unterkapitel der Analyse - die detaillierte Verschiebung der Kundengruppen - in den Fokus. Die Dynamik im Sektor wird massiv durch das Retail-Geschäft getrieben: Von den 265 derzeit aktiv vertriebenen ELTIFs adressieren 196 sowohl institutionelle als auch private Anleger. Das in diesen hybriden Strukturen verwaltete Volumen beläuft sich auf rund 23,6 Mrd. Euro. Wie die Expert*innen von Scope darlegen, machen privatkundentaugliche Produkte damit bereits 69,4% des gesamten Fondsvolumens aus. Allein in den Jahren 2024 und 2025 wurden 130 neue ELTIFs mit Retail-Zulassung aufgelegt.
Verschiebung der Zielgruppen-Prioritäten
Innerhalb der Investorengruppen zeigt sich eine klare Konzentration auf wohlhabende Privatanleger mit einem liquiden Vermögen zwischen 100.000 und einer Million Euro. Aber auch das Segment der HNWI (eins bis fünf Mio. Euro) sowie Kleinanleger unter 100.000 Euro werden von den Anbietern offensiv als Zielgruppe benannt.
Im institutionellen Bereich verfestigt sich laut der Scope-Analyse ein heterogenes Bild. Während Versicherungen, Banken und Family Offices von rund zwei Dritteln der Anbieter als Fokusgruppen genannt werden, sinkt das Interesse an Altersvorsorgeeinrichtungen, Staatsfonds und Stiftungen kontinuierlich. Insbesondere Stiftungen haben im Vergleich zum Vorjahr signifikant an Relevanz für ELTIF-Emittenten verloren.
Umfrage: Welche Anlegergruppen sind derzeit oder in Zukunft die Zielgruppe für Ihre ELTIF-Angebote?
Quelle: Scope Fund Analysis; 2026: 40 Beantwortungen
Assetklassen: Private Equity bleibt Retail-Favorit
Bei der Wahl der zugrunde liegenden Strategien setzen private Anleger vor allem auf Renditestärke. Mit einem Anteil von 30,8% des Volumens ist Private Equity die gefragteste Assetklasse im Retail-Bereich, dicht gefolgt von Private Debt mit 27,0%. Infrastruktur (16,5%) und Real Estate (10,7%) folgen mit deutlichem Abstand.
Volumen in ELTIFs nach Assetklassen1
Quelle: Scope: Asset Manager und eigene Recherchen; Stand: 31.12.2025
Interessant ist die strategische Differenzierung je nach Assetklasse:
- Private Equity & Multi Asset: Hier adressieren fast alle Anbieter wohlhabende Privatkunden.
- Private Debt: In diesem Segment rücken Versicherungen als Abnehmer verstärkt in das Visier der Asset Manager.
- Infrastruktur: Entgegen dem allgemeinen Trend zielen Infrastruktur-ELTIFs im Vergleich zum Vorjahr deutlich seltener auf Privatanleger ab und fokussieren sich stattdessen stärker auf Banken und Stiftungen.
Regionale Schwerpunkte im Vertrieb
Geografisch bleibt Deutschland der Kernmarkt für ELTIF-Aktivitäten; 28 Anbieter planen hier den aktiven Vertrieb. Dahinter folgen die Benelux-Staaten (22), Frankreich (20) und Italien (19). Jan Sicking, Principal and Head of Wealth for Germany & Austria bei Apollo Investment Management, betont in der Studie die Bedeutung der passgenauen Strukturierung: „Entscheidend ist es, die Kunden dort abzuholen, wo sie stehen – auch im jeweiligen Vertriebskanal – und die Struktur entsprechend aufzulegen.“
Während in Deutschland die Ansprache sehr breit über alle Vermögensklassen hinweg erfolgt, zeigt sich in Frankreich eine besonders hohe Dichte bei der Einbindung von Versicherungen, was Scope auf die dort verbreitete Nutzung von ELTIFs innerhalb von Versicherungsmänteln zurückführt. Außerhalb Kontinentaleuropas bleibt die Bedeutung des ELTIF-Mantels gering; nur etwa jeder sechste Anbieter plant Aktivitäten in Großbritannien oder Übersee.
Hier finden Sie unsere bisherigen Berichte zur aktuellen ELTIF-Studie:
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1 Berücksichtigt sind alle ELTIFs, die auch für Privatanleger zugelassen sind.