iCapital-Bericht: Private-Wealth-Investoren schichten von Private Credit in Private Equity um

Der neue Halbjahresbericht von iCapital signalisiert eine spürbare Umschichtung im Bereich der Alternativen Investments: Private-Wealth-Kunden ziehen Vermögen aus Private Credit ab und investieren verstärkt in Private Equity, Infrastruktur sowie Hedgefonds. Während der Exit-Stau bei klassischen Buyouts anhält, erleben Hedgefonds eine Renaissance und die KI-Infrastruktur verzeichnet eine massive Investitionswelle.

Statistiken & Regulatorik

23.06.2026 09:12 Uhr
Brooks Entwistle, Head of International bei iCapital / © PrivateMarkets360 / iCapital
Brooks Entwistle, Head of International bei iCapital / © PrivateMarkets360 / iCapital

Mittelrotation im Wealth Management und Aufstieg von Evergreen-Strukturen

Wie iCapital in der aktuellen Ausgabe der Studienreihe „Alternatives Decoded“ darlegt, haben Private-Wealth-Kunden Ende 2025 und Anfang 2026 eine signifikante Portfolio-Umschichtung vorgenommen. Kapital wurde systematisch aus dem Segment Private Credit abgezogen und verstärkt in Private Equity, Infrastruktur sowie Hedgefonds reinvestiert. Auf der iCapital-Plattform verzeichnen insbesondere wachstums- und inflationsgeschützte Strategien im Infrastrukturbereich die deutlichsten Zuflüsse. Die quartalsweisen Verschiebungen der Allokation verdeutlichen diese Rotation:

QuartalPrivate EquityPrivate CreditReal AssetsHedgefonds
Q1 202535%41%13%10%
Q2 202538%38%15%9%
Q3 202543%33%15%8%
Q4 202546%25%19%11%
Q1 202651%18%17%14%

Verlangsamung bei Private Credit und Rekordwerte für Hedgefonds

Dem von der Plattform veröffentlichten Datenmaterial zufolge hat sich das Wachstum der verwalteten Vermögen im Bereich Private Credit verlangsamt. Parallel dazu nahm die Rücknahmeaktivität bei Business Development Companies im späten Verlauf des Jahres 2025 zu, was im ersten Quartal 2026 zu Nettomittelabflüssen führte. Die Kreditqualität in den Portfolios wird jedoch weiterhin als stabil eingestuft; institutionelle Anleger bewerten die jüngsten Marktverwerfungen primär als attraktiven Einstiegszeitpunkt. Emphatisch positiv stellt sich die Situation für Hedgefonds dar: Die Branche verzeichnete 2025 Nettomittelzuflüsse in Höhe von 116 Milliarden US-Dollar – der höchste Wert seit 2007. Damit erreichte das weltweite Hedgefonds-Vermögen einen Rekordwert von 5,4 Billionen US-Dollar. Mehr als die Hälfte der befragten Investoren plant, die Allokation in diesem Segment im Laufe des Jahres 2026 weiter auszubauen.

Hedgefonds verzeichnen die größten Mittelzuflüsse seit JahrzehntenQuelle: iCapital: Hedge Fund Research (HFR), iCapital Alternatives Decoded, basierend auf den zum Stand April 2026 verfügbaren Daten. Die Daten können sich aufgrund von Aktualisierungen der Quelldatenbank ändern.

Exit-Stau bei Private Equity und der KI-Infrastrukturzyklus

Der iCapital-Report verweist zudem auf erhebliche operative Herausforderungen im klassischen Private-Equity-Segment. Der Bestand an nicht realisierten Beteiligungen hat mit über 13.300 Portfoliounternehmen einen historischen Höchststand erreicht. Rund 60% dieser Assets werden bereits seit mehr als vier Jahren in den Büchern gehalten. Da sich die Bewertungsaufschläge bei Unternehmensverkäufen (Trade Sales) eingeengt haben, verläuft die Portfoliobereinigung nur schleppend. Das inhärente Bewertungsrisiko von Vintages stellt somit die zentrale Belastung für die künftige Performance dar. Neue Wachstumsimpulse kommen hingegen aus dem Technologiesektor: Die prognostizierten Investitionsausgaben (Capex) der sogenannten Hyperscaler für den Ausbau der KI-Infrastruktur belaufen sich auf 3,3 Billionen US-Dollar für die kommenden fünf Jahre. Der damit einhergehende, rasant steigende Strombedarf von Rechenzentren wird die globale Investitionsagenda im Infrastrukturbereich nachhaltig prägen.

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