PGIM zur KI-Gegenbewegung: Ein unterschätztes Risiko

Der durch Künstliche Intelligenz getriebene Investitionsboom stützt das US-Wachstum maßgeblich, birgt jedoch erhebliche mikro- und makroökonomische Risiken. Wie Daleep Singh, Chief Global Economist bei PGIM, in einem aktuellen Kommentar ausführt, drohen neben Inflationseffekten vor allem lokale Widerstände und politische Regulierung den Ausbau der kritischen Infrastruktur im zweiten Halbjahr 2026 spürbar zu bremsen.

Investoren

03.07.2026 10:48 Uhr
Daleep Singh, Chief Global Economist bei PGIM / © PrivateMarkets360 / PGIM
Daleep Singh, Chief Global Economist bei PGIM / © PrivateMarkets360 / PGIM

Die Marktentwicklung im ersten Halbjahr 2026 bestätigt erneut die makroökonomisch positiven Rahmenbedingungen, auf die wir in unserem Halbjahresausblick hingewiesen haben. Der Teil der Wahrscheinlichkeitsverteilung, der in erster Linie durch den KI-Investitionsboom getrieben wird, gibt weiterhin den Ton an. Diese günstigen Bedingungen sind jedoch auch mit Risiken verbunden, von denen zwei der bedeutendsten das Konzentrationsrisiko und das Risiko einer Gegenreaktion sind. KI-bezogene Investitionen machen zwischen 50 und 75 % des Wachstumsimpulses für das US-BIP aus, der durch Investitionsausgaben und die nachgelagerten Auswirkungen auf den Konsum entsteht.

Ein weiterer zu beobachtender Faktor sind KI-getriebene Inflationseffekte. Die Komponente „Software und Zubehör“ im PCE-Inflationsbericht ist zwar klein, hat jedoch einen deutlichen Preisanstieg verzeichnet und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Kerninflation des Preisindex für private Konsumausgaben (PCE).

Dennoch betrachten wir die Gegenreaktion gegen KI als das vielleicht am meisten unterschätzte Risiko. Tatsächlich lehnen mehr als 70% der Amerikaner, die kürzlich im Rahmen einer Gallup-Umfrage befragt wurden, den Bau eines Rechenzentrums in ihrer Gemeinde ab. Allein im ersten Quartal 2026 Rechenzentrumsprojekte im Wert von 130 Mrd. US-Dollar blockiert oder auf Eis gelegt. 

KI wird bei den bevorstehenden Zwischenwahlen ein zentrales Thema sein, da in 40 von 69 umkämpften Wahlkreisen des Repräsentantenhauses Rechenzentren geplant sind oder bereits gebaut werden. Eine weitere wichtige Entscheidung steht in New York bevor: Ein Gesetzentwurf sieht ein einjähriges Moratorium für den Bau von Rechenzentren vor – das erste seiner Art in den USA –, und Gouverneurin Hochul wird voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2026 eine Entscheidung treffen. 

Neben möglichen Entwicklungen im Zusammenhang mit den Zwischenwahlen und in New York besteht zudem die Möglichkeit, dass kartellrechtliche oder aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen große Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz ergriffen werden. In deren Berichten zu Q3 werden wir zudem darauf achten, ob die Hyperscaler bei ihren Investitionsausgaben Zurückhaltung üben.

Von Daleep Singh, Chief Global Economist PGIM

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