Private Credit wird selektiver: Warum Direct Lending allein nicht mehr reicht

Private Credit tritt nach Einschätzung von HarbourVest in eine neue Marktphase ein. Höhere Volatilität, zunehmende Unterschiede zwischen Kreditnehmern und steigender Wettbewerbsdruck verändern das Rendite-Risiko-Profil der Anlageklasse, wie HarbourVest im Rahmen einer Pressemitteilung an PrivateMarkets360 mitteilte. Investoren bleiben zwar engagiert, dürften Manager und Strategien künftig jedoch deutlich selektiver auswählen.

Akademie

11.08.2026 11:03 Uhr
Martina Schliemann, Managing Director, Investor Relations und Head of DACH bei HarbourVest Partners / © Harbourvest/PrivateMarkets360
Martina Schliemann, Managing Director, Investor Relations und Head of DACH bei HarbourVest Partners / © Harbourvest/PrivateMarkets360

Das bisherige Erfolgsmodell gerät unter Druck

Private Credit hat sich in den vergangenen zehn Jahren von einer Nischenallokation zu einem festen Bestandteil institutioneller Portfolios entwickelt. Das bisherige Marktumfeld begünstigte insbesondere breit diversifiziertes Direct Lending: Unternehmensfundamentaldaten waren vergleichsweise stabil, Ausfallraten lagen laut HarbourVest in vielen Zeiträumen unter zwei Prozent und traditionelle Banken spielten nach der globalen Finanzkrise als Kreditgeber eine geringere Rolle.

Kontinuierliche Spreads, niedrige Verlustquoten und teilweise eingesetzter Leverage unterstützten die Renditen. Mit dem starken Kapitalzufluss in die Anlageklasse haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen jedoch verändert.

Nach Einschätzung von Martina Schliemann, Managing Director, Investor Relations und Head of DACH bei HarbourVest Partners nimmt die makroökonomische Volatilität zu, während sich Branchen und einzelne Kreditnehmer stärker auseinanderentwickeln. Gleichzeitig greifen zunehmend zyklische und höher verschuldete Unternehmen auf Private Credit zurück. Covenant-lite-Strukturen und Anpassungen bestehender Verbindlichkeiten gewinnen ebenfalls an Bedeutung.

Der wachsende Wettbewerb um neue Direct-Lending-Transaktionen hat zudem die Spreads unter Druck gesetzt und die Schutzmechanismen in Teilen des Marktes geschwächt. Leverage, der in stabileren Marktphasen die Rendite erhöhte, kann bei schwächeren Fundamentaldaten zugleich die Abwärtsrisiken verstärken.

Renditequellen verschieben sich entlang der Kapitalstruktur

HarbourVest-Expertin Schliemann sieht deshalb eine zunehmende Bedeutung flexibler Strategien. Potenzielle Chancen beschränken sich demnach nicht mehr auf klassische Senior Loans, sondern können in unterschiedlichen Bereichen der Kapitalstruktur entstehen. Dazu zählen nachrangiges Kapital, hybride Finanzierungen und individuell strukturierte Kapitallösungen.

Auch Marktverwerfungen und komplexere Finanzierungssituationen können für Private-Credit-Investoren neue Einstiegsmöglichkeiten schaffen, insbesondere wenn sich traditionelle Kapitalgeber zurückziehen oder Fondsmanager und Investoren Liquiditätslösungen benötigen.

Damit gewinnen die fundamentale Kreditanalyse und die Fähigkeit, Kapital über verschiedene Segmente hinweg einzusetzen, gegenüber einem rein volumenorientierten Origination-Ansatz an Bedeutung.

Credit Secondaries gewinnen an Relevanz

Als weiteres Wachstumsfeld nennt HarbourVest Credit Secondaries. Mit der zunehmenden Größe des Private-Credit-Marktes steigt auch der Bedarf an Liquidität, Portfolioumschichtungen und Kapitallösungen auf Ebene von Fondsinvestoren und Fondsmanagern.

Über Secondary-Transaktionen können Investoren Zugang zu bestehenden Kreditportfolios erhalten. Je nach Transaktion sind dabei Abschläge möglich. Zudem können bereits laufende Portfolios schnellere Rückflüsse ermöglichen und die J-Curve-Exponierung reduzieren. Anders als bei neu vergebenen Krediten lässt sich zudem auf eine bestehende Performance-Historie zurückgreifen.

Die zunehmende Verbreitung von Evergreen-Strukturen und zusätzliches Kapital von Privatanlegern rücken Liquiditätsfragen im Private-Credit-Markt ebenfalls stärker in den Fokus.

Investoren bleiben investiert, wechseln aber selektiver die Manager

Eine grundsätzliche Abkehr von Private Credit zeichnet sich laut den in der Mitteilung genannten Daten nicht ab. Unter Verweis auf Campbell Lutyens berichtet Martina Schliemann, dass 97 Prozent der befragten Investoren ihre Private-Credit-Allokation 2026 beibehalten oder erhöhen wollen.

Bei der Managerauswahl steigt die Selektivität jedoch deutlich. Mehr als zwei Drittel der Investoren planen demnach, bei weniger als der Hälfte ihrer bestehenden Private-Credit-Manager erneut zu investieren.

Für institutionelle Investoren dürfte damit neben der Höhe der Private-Credit-Allokation zunehmend entscheidend werden, über welche Strategien, Teile der Kapitalstruktur und Renditetreiber das Exposure aufgebaut wird. Direct Lending bleibt dabei ein zentraler Bestandteil der Anlageklasse, verliert nach Einschätzung von HarbourVest jedoch seine Rolle als alleinige Quelle attraktiver risikoadjustierter Renditen.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.