Erholung mit regionalen Unterschieden
Nach einer Phase rückläufiger Bewertungen befinden sich Europas Wohnimmobilienmärkte wieder im Aufwärtstrend. Im zweiten Quartal 2025 verzeichneten alle 25 im Bericht analysierten Städte positive Wertentwicklungen. Die Bandbreite bleibt jedoch hoch: Das obere Quartil wuchs um 13%, das untere lediglich um 3%. Damit hat sich die Spreizung im Vergleich zur Vorkrisenzeit nochmals vergrößert.
„Die Wertentwicklung von Wohnimmobilien ist nicht mehr primär von allgemeinen Kapitalmarktbewegungen bestimmt“, so Marcus Cieleback, Chief Urban Economist bei PATRIZIA. „Stattdessen bestimmen die Fundamentaldaten der Städte, lokale Besonderheiten und die individuelle Qualität von Immobilien selbst die Attraktivität der Renditen.“
Stadtgröße kein verlässlicher Indikator
Laut dem Bericht besteht kaum ein Zusammenhang zwischen der Größe einer Stadt und ihrer Investmentliquidität. Das PATRIZIA-Städteranking basiert auf 28 Einzelindikatoren, die demografische, wirtschaftliche und strukturelle Faktoren kombinieren. Die Top-10-Städte - darunter London, Paris, Zürich und Berlin - vereinen nur 24% der europäischen Stadtbevölkerung, jedoch fast 45% des Transaktionsvolumens. „Die Fundamentaldaten einer Stadt sind heute die aussagekräftigsten Indikatoren für die Attraktivität von Investitionen in Wohnimmobilien“, erklärt Cieleback.
Asset-Ebene: Energieeffizienz und Bezahlbarkeit als Treiber
Auf Objektebene wirkt sich laut PATRIZIA die Energieeffizienz bereits spürbar auf Preise aus. In deutschen Großstädten erzielen A/A+-Immobilien Preisaufschläge von rund 5-6% gegenüber Klassen mit schlechterer Effizienz. Gleichzeitig rücken Mietbelastungen stärker in den Fokus. Der neu entwickelte Net Rental Stress Ratio misst die Mietbelastung auf Stadtteilebene. Beispielhaft nennt PATRIZIA den Brüsseler Stadtteil Evere mit hoher Belastung und Watermael-Boitsfort mit vergleichsweise stabiler Situation. „Der Indikator zeigt auf, wo die Mietbelastung am größten ist und wo Haushalte weniger belastet sind“, erläutert Georg Kläger, Senior Strategist bei PATRIZIA.
Investorenfokus bleibt selektiv
Trotz verbesserter Fundamentaldaten bleibt das grenzüberschreitende Investoreninteresse konzentriert. US-Investoren stellen mit 51% weiterhin den größten Anteil. Hauptempfänger ist das Vereinigte Königreich (43%), gefolgt von Deutschland mit deutlichem Abstand.
Neue Strategien im Wandel
Im neuen Marktumfeld setzen institutionelle Investoren laut PATRIZIA zunehmend auf stabile Einkommensströme, Diversifikation sowie neue Segmente wie die Vermietung von Einfamilienhäusern oder Studentenwohnungen. Während Berlin, Madrid und Kopenhagen starke Kernmärkte bleiben, erfordern kleinere Universitätsstädte gezieltere Investmentansätze.
„Erfolgreiche Investoren konzentrieren sich auf stabile Einkommensströme, diversifizieren sowohl innerhalb als auch zwischen Städten und erschließen neue Wohnsegmente“, kommentiert Dr. Marcelo Cajias, Head Investment Strategy & Data Intelligence bei PATRIZIA.
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