Strukturelle Veränderungen stärken Direktkreditmärkte
Private Credit etabliert sich zunehmend als Alternative zur klassischen Bankenfinanzierung. Laut Matthew Harvey, Global Head of Middle Market Direct Lending bei PGIM, ist eine „strukturelle Verschiebung“ zu beobachten, die den Markt langfristig stärkt: „Banken ziehen sich zunehmend aus ihrer Rolle als Kreditvermittler zurück“, während spezialisierte Kreditfonds und institutionelle Investoren als direkte Kreditgeber an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung spiegelt eine tiefgreifende Disintermediation wider – also die Umgehung traditioneller Finanzintermediäre.
Gleichzeitig verlieren öffentliche Kapitalmärkte an Relevanz, da „Kreditnehmer zunehmend auf bilaterale, privat verhandelte Finanzierungen setzen“. Dies schafft Raum für individuelle, auf die Bedürfnisse der Kreditnehmer zugeschnittene Strukturen – insbesondere im Mid-Market-Segment.
Konjunkturdruck trifft auf strukturelle Nachfrage
Kurzfristig belasten makroökonomische Faktoren das Marktumfeld: „Hohe Zinsen und eine schwächere Konjunktur“ führen zu rückläufigen Emissionen, da Übernahmeaktivitäten – ein zentraler Treiber – abnehmen. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Finanzierungslösungen strukturell intakt. Harvey betont: „Solange Private-Equity-Gesellschaften über erhebliche Mittel verfügen, suchen sie nach Partnern, die ihnen verlässliche Finanzierungen sichern können.“ Zudem steigt die Zahl an PE-Portfoliounternehmen, die den Exit-Horizont erreichen – ein zusätzlicher Impuls für neue Finanzierungsbedarfe.
Ausfallrisiken als Prüfstein für Kreditqualität
Mit der abkühlenden Konjunktur wächst das Risiko von Zahlungsausfällen. Laut Harvey ist dies ein Umfeld, in dem sich „die Spreu vom Weizen“ trennt. Kreditgeber mit übermäßig hoher Leverage und „lockeren Kreditbedingungen“ laufen Gefahr, überdurchschnittlich hohe Verluste zu erleiden. Dagegen können Anbieter mit Fokus auf „stabile Cashflows und vorrangig besicherte Strukturen“ ihre Risiken besser steuern. Entscheidend sei, „wie selektiv ein Manager vorgeht“. Wer über ein starkes Origination-Netzwerk verfügt, kann auch in schwierigen Marktphasen durch enge Kreditnehmerbeziehungen flexibel reagieren und „maßgeschneiderte Lösungen finden, anstatt in kollektive Notverkäufe gedrängt zu werden“.
Non-Sponsored Deals gewinnen an Bedeutung
Eine zunehmende Rolle spielen laut PGIM nicht gesponserte Finanzierungen. Während Sponsor-backed-Deals den Markt dominieren, bieten „Finanzierungen für inhabergeführte oder familiengeprägte Unternehmen zusätzliche Diversifikationschancen und oft strengere Schutzmechanismen“. Harvey hebt hervor, dass „über 95 % der Unternehmen im europäischen Mittelstand in Gründerhand“ seien. Der Bereich „non-sponsored“ umfasst häufig wachstumsorientierte oder strategische Transaktionen, jedoch ohne Kontrollwechsel – was das exogene Risiko reduziert. Zudem verfolgen diese Unternehmen laut Harvey „einen weniger aggressiven Ansatz im Bereich Leverage“, da es sich meist um ihr zentrales Vermögensobjekt handelt.
Fazit: Langfristiges Potenzial bei gezielter Auswahl
Trotz zyklischer Herausforderungen bleibt Private Credit eine strategisch relevante Anlageklasse. Seine „Illiquidität macht es weniger anfällig für die Schwankungen der Märkte“, während individuell verhandelte Strukturen es ermöglichen, Risiken differenziert zu steuern. Wer bereit ist, sich dem „komplexen Selektionsprozess“ zu stellen, kann laut PGIM ein Portfolio aufbauen, das „Stabilität, Diversifikation und attraktive relative Renditen“ bietet – vorausgesetzt, die Manager verfügen über die nötige Erfahrung und Disziplin.
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