Susette Mantzel: Wir führen mit unseren Kunden regelmäßige Gespräche über die jeweils sinnvolle strategische Asset-Allokation. So erfahren wir, ob und in welchem Umfang die privaten Märkte als Anlageklasse für den jeweiligen Anleger in Frage kommen. Es hat sich bewährt, regelmäßig über längere Zeiträume zu investieren und sich durch kurzfristige Unsicherheiten nicht beirren zu lassen.
Sofern sich der Kunde für ein Engagement in den Private Markets entscheidet, entsteht über regelmäßige Kapitalzusagen im Zeitverlauf ein entsprechendes Portfolio. Bei einer Kapitalzusage für ein Investment in einem klassischen Buyout-Fonds werden die Mittel in der Regel erst über eine gewisse Investitionsperiode (rund drei bis sechs Jahre) abgerufen und eingesetzt, um Unternehmen zu erwerben. Hier eröffnen sich in unsicheren Zeiten oft interessante Investitionschancen, die durch die Private-Equity-Gesellschaft realisiert werden. Wir achten bei der Selektion der einzelnen Fonds sehr darauf, dass die Investmentteams bereits Erfahrungen über verschiedene Wirtschafts- und Zinszyklen haben.
Auch nach der Abgabe der Kapitalzusage bleiben wir mit den Investoren im Dialog. So haben wir beispielsweise mit den Portfoliomanagern die Einflüsse der Trumpschen Zollpolitik auf die Unternehmen besprochen und können Ergebnisse daraus auch mit investierten Kunden teilen. Dialog und Kontinuität sind also die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht.
Die stärkste Prägung erhält der Markt meines Erachtens aktuell durch die Öffnung für Anlegergruppen außerhalb der institutionellen Investoren und den sehr vermögenden Kunden. Hier bietet insbesondere die aktualisierte ELTIF-Verordnung große Chancen für Asset Manager und Investoren. Man hat den Zugang erleichtert und sich bei der Abwicklung den klassischen Publikumsfonds angenähert.
Daneben hält die Digitalisierung von Zugängen und Prozessen auch in den privaten Märkten Einzug. Fairerweise wird die Digitalisierung noch Zeit benötigen, da wir anders als in den öffentlichen Märkten, aus einer hochgradig individuellen Prozesswelt kommen.
Susette Mantzel: Die ELTIFs, die wir uns angesehen haben, wurden von sehr etablierten Vermögensverwaltern aufgelegt. Wir haben zwei Wege beobachtet: Sie sammeln Mittel von Investoren ein, um dann als Co-Investor mit anderen gemeinsam zu investieren oder sie nehmen die Mittel des Vehikels und investieren diese parallel in alle geschlossenen Fonds, die ihre Plattform in einer bestimmten Substrategie, zum Beispiel Private Equity, anbieten.
Im ersten Fall investiert der ELTIF als Co-Investor beispielsweise in ein Unternehmen, an dem ein anderer General Partner sich beteiligt. Dieser kauft das Unternehmen für seine klassische Private-Equity-Strategie, an der neben dem ELTIF auch andere institutionelle Investoren beteiligt sind. Der Initiator des ELTIF würde dieses Investment nicht nur im ELTIF allokieren, sondern auch in allen für ihn relevanten, parallelen Strategien. Die Vermögensverwalter haben jeweils interne Allokationsrichtlinien, die wir uns im Rahmen der Fondsprüfung ansehen.
Im zweiten Fall investiert der ELTIF über verschiedene bestehende Fonds des Private Equity Hauses hinweg, als weiterer Investor. Die zugrundeliegenden Fonds sind die Fonds, die ansonsten direkt durch institutionelle Investoren gezeichnet werden. Hier gibt es also keinen Qualitätsunterschied.
Sicherlich könnte man noch argumentieren, dass ELTIFs sich auch am Zweitmarkt bedienen. Das ist allerdings nur in engen Grenzen möglich. Zudem ist der Zweitmarkt unserer Ansicht nach längst so gut entwickelt, dass hier im Zweifel sehr gute Vermögenswerte zu kaufen sind.
Susette Mantzel: Wir sehen Private Equity Secondaries als Basisinvestment und wichtigen Anteil eines Private-Equity-Portfolios. Sie erreichen auf diese Weise einen hohen Diversifikationsgrad, der nicht nur in die Zukunft gerichtet ist, sondern aufgrund des Portfolioaufbaus auch vergangene Investments miteinschließt.
Der Erwerb von Anteilen verschiedener General Partner trägt ebenso zur Diversifikation bei wie die Streuung über verschiedene Substrategien, Branchen und Regionen. Da erworbene Fondsanteile in unterschiedlichen Lebensphasen sind, können sie bereits frühzeitig Ausschüttungen erzielen und so den klassischen J-Kurven-Effekt abmildern oder sogar ganz vermeiden.
Der Fondsmanager des Zweitmarktfonds hat eine bessere Transparenz im Hinblick auf die zugrundeliegenden Unternehmensanteile und kann gegebenenfalls Anteile an hochklassigen Fonds erwerben, die im Fundraising im Zugang begrenzt sind.
Eine zusätzliche Renditequelle entsteht bei Zweitmarktfonds durch die Tatsache, dass Vermögenswerte häufig mit einem Abschlag erworben werden. So können am Ende ähnliche Renditen erzielt werden, wie bei den sogenannten Primaries.
Der Zweitmarkt hat sich in der letzten Dekade stark entwickelt und professionalisiert. Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Volumenrekord erreichen, wobei der Markt immer noch nur einen einstelligen Prozentanteil der gesamten verwalteten Private-Equity-Vermögen ausmacht. Wir sehen zwei wesentliche Arten von Transaktionen, die sich den Markt ungefähr jeweils zur Hälfte teilen. Das eine sind sogenannte Limited Partner-leds, also Fondsanteile, die von bestehenden Investoren aus verschiedensten Gründen verkauft werden. Das andere sind General Partner-leds. Hier initiieren die General Partner einen Verkauf von Vermögenswerten, meistens in Nachfolgevehikel, sogenannten Continuation Vehicles (CV). Hierin können sich einzelne oder mehrere Unternehmen wiederfinden. Diese Transaktionen sind für Zweitmarktinvestoren sehr interessant, da heutzutage häufig interessante Unternehmen in diesen Strukturen zu finden sind. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass das angeführte Diversifikationsargument für einen Zweitmarktanleger nur dann wirkt, wenn nicht ausschließlich in Single-Asset-CVs investiert wird.
Zusammenfassend bieten der schnelle Aufbau von Exposure, bei breiter Diversifikation mit guten Renditeaussichten nicht zu unterschätzende Vorteile, um mit dem Aufbau eines Private-Equity-Portfolios zu beginnen oder solche Fonds als Kernbestandteil des Portfolios zu nutzen.
Susette Mantzel: Die größte Entwicklung sehen wir aktuell bei den sogenannten Evergreen Funds im Segment Private Debt. In der ersten Jahreshälfte 2025 wurden 14 neue sogenannte Non-ELTIF-Fonds registriert. Das entspricht einem Plus von 60 Prozent. Daneben wurden insgesamt 23 neue ELTIFs (+55 Prozent) im gleichen Zeitraum in diesem Subsegment angemeldet. Die Anlageklasse zeichnet sich im Gegensatz zu Private Equity unter anderem durch regelmäßige Ausschüttungen aus.
Für die Zukunft erwarte ich auch eine positive Entwicklung für Infrastrukturinvestments im Mantel von Evergreen Funds. Sofern diese Investments in klassischen geschlossenen Strukturen angeboten werden, sind die Laufzeiten dort oftmals noch deutlich länger als bei Private Equity. Sie gehen über die klassischen zehn Jahre plus 3x1 Jahr Verlängerungsoption hinaus. In dieser Struktur sind diese Investitionen im Wealth-Management-Segment weniger attraktiv. In einem Evergreen-Mantel dürfte dies aber ganz anders aussehen und mögliches Interesse wecken. Die Infrastrukturinvestments eignen sich aus meiner Sicht gut für Evergreen-Strukturen und können regelmäßige, operative Erträge erzielen.
Susette Mantzel verfügt über rund 30 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche und leitet heute das Private Market Solutions Team im Wealth und Asset Management bei Berenberg. Das Team ist verantwortlich für die Finanzinstrumente und Produkte, die im Rahmen des Beratungsgeschäfts des Wealth Managements eingesetzt werden und illiquide Anlageklassen abdecken. Zuvor war Susette Mantzel mehr als 20 Jahre im Aktienvertrieb für institutionelle Kunden in den Benelux-Ländern tätig und betreute danach UHNWI und HNWI im Bereich Wealth Management von Berenberg. Ihre Erfahrung wird durch verschiedene Projekte, etwa im Bereich der Produkt-Governance, ergänzt.
Susette Mantzel hat einen Abschluss als Bankfachwirtin und ist CFA Charterholder.
Zum Abschluss:
Private Markets (Fun)Facts von und mit Susette Mantzel
Welche Regel würden Sie in den Private Markets einführen, um den Markt transparenter, effizienter oder zugänglicher zu machen?
Ich würde gerne dafür Sorge tragen, dass an den Schulen deutlich mehr Finanzbildung vermittelt wird. Es herrscht nach wie vor sehr viel Unwissen und Halbwissen über die Kapitalmärkte vor. Das führt dazu, dass in Deutschland viel zu wenig Vermögensanlage und Vorsorge über die Kapitalmärkte betrieben wird. Hier haben wir bedeutenden Nachholbedarf. Wer sich im Grundsatz mit den öffentlichen Kapitalmärkten auskennt, braucht auch keine Scheu vor den Privaten Märkten haben. Das zeigt sich am Beispiel Private Equity: Eigenkapital bleibt Eigenkapital. Es macht keinen Unterschied, ob ich eine Aktie kaufe oder einen nicht gelisteten Unternehmensanteil. Das unternehmerische Risiko ist grundsätzlich identisch. Zusätzlich muss bei den privaten Märkten aber auch die eingeschränkte Liquidität berücksichtigt werden. Ein breiteres Verständnis für die Geld- und Vermögensanlage würde hier sehr helfen.
Welches Zitat oder Motto begleitet Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn?
In den neunziger Jahren gab es bei meinem damaligen Arbeitgeber einen Werbeslogan, bei dem das Mitdenken im Zentrum stand. Dieser Spruch hat mich über Jahre geprägt und begleitet mich nach wie vor bei fast jedem Projekt oder bei jeder Tätigkeit. Aufgrund der Heterogenität der Strukturen im Segment Private Markets und den kontinuierlichen Innovationen erfordern auch unsere Prozesse ein ständiges Mitdenken, um exzellente Arbeitsergebnisse zu erzielen.
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