Howell & Noble zu Private Equity und Infrastruktur 2026: Von geopolitischen Risiken zu Investmentschancen

Emma Howell und Perry Noble von Federated Hermes erwarten, dass geopolitische Umbrüche auch 2026 zentrale Treiber für Infrastrukturinvestments bleiben. Im aktuellen Marktkommentar betonen sie die wachsende Bedeutung von Souveränität und Reshoring - mit konkreten Implikationen für Energiesicherheit, Inflation und Zinsperspektiven, insbesondere im Vereinigten Königreich.

Real Assets

09.12.2025 12:16 Uhr
Emma Howell, Co-Head of Infrastructure & Perry Noble, Senior Managing Director and Co-Head of Infrastructure bei Federated Hermes / © PrivateMarkets360 / Federated Hermes
Emma Howell, Co-Head of Infrastructure & Perry Noble, Senior Managing Director and Co-Head of Infrastructure bei Federated Hermes / © PrivateMarkets360 / Federated Hermes

Es bedarf keiner Kristallkugel, um vorherzusagen, dass die Geopolitik auch 2026 die Weltwirtschaft und damit die Aussichten für alle Märkte, einschließlich der Private Markets und somit auch Infrastruktur, prägen wird. Die Globalisierung ist auf dem Rückzug und es wird einige Zeit dauern, bis sich die Konsequenzen und nächsten Entwicklungen abzeichnen. Freihandel, der auf einer regelbasierten Wirtschaftsordnung beruht, hing schon immer vom gegenseitigen Geschäftsinteresse ab – nicht von gemeinsamen Werten, politischen Systemen oder religiösen Überzeugungen. Traditionell galt: Halten Sie Ihre Freunde nah und Ihre Gegner noch näher, indem Sie gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten schaffen. Heute jedoch rückt in der sich wandelnden geopolitischen Dynamik zunehmend der Wunsch nach Unabhängigkeit in den Vordergrund.

Infolgedessen werden die meisten Industrienationen zunehmend auf die Rückverlagerung zentraler Sektoren setzen, etwa in den Bereichen Energie, Daten und Verteidigung. Souveränität, also die Verringerung von Abhängigkeiten und die Stärkung der eigenen Widerstandsfähigkeit, hat Vorrang vor Freihandel, Klimanotstand und wirtschaftlicher Effizienz. Technologische Souveränität bleibt für die meisten Länder dabei jedoch unerreichbar. Volkswirtschaften werden sich künftig entweder auf US-amerikanische oder chinesische Technologien stützen. Mit der Zeit könnten sich internationaler Handel und Kapitalströme zunehmend an militärischen Allianzen orientieren.

Private Investments werden maßgeblich von diesen Trends geprägt werden. Als Infrastrukturinvestor richten wir unseren Fokus weiterhin ganz besonders auf die Elektrifizierung der Wirtschaft. Diese Transformation, vorangetrieben vor allem durch erneuerbare Energien, verknüpft sich mit den zentralen Entwicklungen in den Bereichen Energiesicherheit, Datenhoheit und Dekarbonisierung. Gerade in diesen Segmenten sehen wir auch für 2026 und darüber hinaus attraktive Investitionsmöglichkeiten.

Das Beispiel Großbritannien

Trotz aller Schlagzeilen sind die aktuellen makroökonomischen Bedingungen in Großbritannien historisch gesehen nicht außergewöhnlich. Inflation, Leitzinsen und die Renditen britischer Staatsanleihen bewegen sich alle innerhalb der Bandbreiten, die sich in den vergangenen 200 Jahren als normal erwiesen haben.

Der heutige Leitzins mag im Vergleich zu den extrem niedrigen Niveaus der zwölf Jahre nach der Finanzkrise 2008 hoch erscheinen. Diese Phase war jedoch einzigartig. Auffällig ist hingegen die Höhe der Staatsverschuldung Großbritanniens, die sich auf nahezu 95 Prozent des BIP beläuft. Ein derartiges Niveau wurde bislang außerhalb von Zeiten großer Konflikte nicht erreicht.

All dies bedeutet, dass die Aussichten für Inflation und Leitzins differenziert betrachtet werden müssen. Ohne souveräne Faktoren und angesichts der hohen Staatsverschuldung, die die öffentlichen Finanzen belastet, wirken die beiden Megatrends – technologischer Fortschritt sowie demografischer Wandel mit sinkenden Geburtenraten und alternder Bevölkerung – stark deflationär. Im Vereinigten Königreich wird die Rückverlagerung wichtiger Sektoren mit hohen Kosten verbunden sein. Zusammen mit der Belastung durch die Staatsverschuldung dürfte dies dazu führen, dass Inflation und Zinssätze auf dem Niveau von 2025 bleiben. Damit würde das Vereinigte Königreich im Vergleich zur EU und möglicherweise auch zu den USA eine Ausnahme darstellen.

All diese Faktoren sind entscheidend für die Attraktivität von Infrastruktur als Anlageklasse. Es ist kein Zufall, dass das möglicherweise goldene Zeitalter der Infrastrukturinvestitionen mit einer Phase extrem niedriger Zinsen und Staatsanleihenrenditen zusammenfiel. Die Nachfrage nach renditestarken Anlagen bei gleichzeitiger Absicherung gegen Kursverluste führte zu Kapitalzuflüssen in historischer Höhe. Die Herausforderung für 2026 und darüber hinaus besteht darin, weiterhin Kapital auf Basis solider Fundamentaldaten zu investieren und gleichzeitig Strategieabweichungen sowie übermäßige Risiken zu vermeiden, um die höheren Renditen zu rechtfertigen, die Anleger derzeit erwarten.

Abbildung: Inflation und Leitzinsen im Vereinigten Königreich bewegen sich im Rahmen historischer Bandbreiten.

Quelle: Economic Statistics Centre of Excellence, Bank of England, Amt für nationale Statistik
Hinweis: Durchschnittlicher Leitzins der BoE 1900–2025: 5,1%; durchschnittlicher zusammengesetzter Preisindex 1900–2025: 4,3%

von Emma Howell, Co-Head of Infrastructure & Perry Noble, Senior Managing Director and Co-Head of Infrastructure bei Federated Hermes

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.