Unigestion Marktausblick Teil 2: Strategien und Trends in Primär- und Sekundärmarkt im Q&A-Fokus

Der Sekundärmarkt im Private Equity erlebt dynamisches Wachstum, getragen von neuen Transaktionstypen und einer starken Käuferbasis. Gleichzeitig eröffnet die Markt-Konsolidierung frische Perspektiven für spezialisierte Emerging Managers. Im Q&A analysieren Ralph Büchel und Kim Pochon von Unigestion, welche Strategien 2026 im Primär- und Sekundärmarkt im Fokus stehen.

Statistiken & Regulatorik

29.12.2025 10:26 Uhr
Ralph Büchel, Head of Secondaries, Private Equity & Kim Pochon, Head of Primaries, Private Equity bei Unigestion / © PrivateMarkets360 / Unigestion
Ralph Büchel, Head of Secondaries, Private Equity & Kim Pochon, Head of Primaries, Private Equity bei Unigestion / © PrivateMarkets360 / Unigestion

Ausblick für den Sekundärmarkt mit Ralph Büchel, Head of Secondaries, Private Equity

Der Sekundärmarkt hat in den vergangenen Jahren ein außergewöhnliches Wachstum verzeichnet. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Die Voraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum sind sehr gut. Wir beobachten, dass zunehmend mehr Verkäufer – und auch neue Verkäufergruppen – sich konstruktiv mit dem Sekundärmarkt auseinandersetzen. Bestehende Investoren in diesem Segment verfügen weiterhin über solide Kapitalausstattung, und gleichzeitig treten neue Akteure auf den Plan – darunter spezialisierte Käufer, die sich auf bestimmte Transaktionstypen fokussieren.

Selbst wenn sich die historischen Umschlagsraten im Sekundärmarkt – typischerweise etwa 2-3% des Nettovermögenswerts (NAV) – nicht ändern sollten, liegt das derzeit nicht realisierte NAV auf Rekordniveau. Das allein dürfte schon zu höheren Transaktionsvolumina im Sekundärmarkt führen.

Diese Faktoren befeuern das traditionelle Transaktionsvolumen – etwa im Bereich LP-Anteile – doch gleichzeitig entwickelt sich auch das Verständnis dessen, was heute als Sekundärtransaktion gilt, weiter: Neue Transaktionsformen entstehen in nahezu allen Sub-Strategien des Private-Equity-Markts, von denen Käufer, Verkäufer und General Partners gleichermaßen profitieren. Ob es sich dabei um ein breit aufgestelltes Portfolio oder einen Anteil an einem einzelnen Portfoliounternehmen handelt – der Sekundärmarkt steht heute an vorderster Front, wenn es darum geht, innovative Strukturen für solche Transaktionen zu schaffen.

Alle Indikatoren deuten darauf hin, dass 2025 ein weiteres Rekordjahr für Sekundärtransaktionen werden könnte – mit einem potenziellen Volumen, das sich gegenüber 2023 verdoppelt. Bei den LP-Anteilen dominieren nach wie vor große Transaktionen im oberen Marktsegment das Bild. Auf der GP-geführten Seite hingegen entfaltet sich der eigentliche Werttreiber eher im unteren Segment. In der ersten Jahreshälfte entfiel etwa ein Drittel aller Transaktionen auf Continuation Vehicles (CVs) mit einem Volumen von unter 250 Millionen US-Dollar.

Vor dem Hintergrund des aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Umfelds: Was sind aus Ihrer Sicht die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Secondaries-Strategie, die über Konjunkturzyklen hinweg verlässlich performt?

Wir sehen mehrere Erfolgsfaktoren. Erstens: In einem solchen Umfeld ist es entscheidend, möglichst viele Transaktionen zu sehen – dabei aber extrem selektiv vorzugehen und gezielt nur die stärksten Opportunitäten herauszugreifen. Die Stärke unserer Plattform, kombiniert mit unserem systematischen Ansatz bei der Transaktionsanbahnung, sorgt dafür, dass wir nahezu jede relevante Opportunität in unserem Zielsegment sehen. Trotzdem liegt unsere Auswahlquote bei unter 3%. Unser Kapitalvolumen ist angemessen auf unser Opportunity-Set abgestimmt, was bedeutet, dass wir keinen Druck haben, Kapital schnell zu investieren. Wir können uns ganz auf Investments mit hohem Überzeugungsgrad konzentrieren.

Zweitens: Auf Asset-Ebene gibt es bestimmte Merkmale, die wir für entscheidend halten. Der Erwerb qualitativ hochwertiger, widerstandsfähiger Unternehmen zu vernünftigen Einstiegspreisen ist das eine – entscheidend ist jedoch, dass diese Unternehmen stets über Exit-Optionen verfügen, unabhängig von der jeweiligen Marktlage. Wenn man sich derzeit am Markt umsieht, welche Arten von Portfoliounternehmen tatsächlich verkauft werden, dann sind es fast ausschließlich die besten Unternehmen in den richtigen Sektoren. Hier setzen wir gezielt an: mit sorgfältiger, fundamentaler Bottom-up-Selektion bei der Auswahl und mit einem klaren Fokus auf die Minimierung des Haltedauer-Risikos.

Letztlich läuft alles auf die Fähigkeit hinaus, über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg verlässliche Cashflows und Ausschüttungen zu generieren. Die Kombination dieser Ansätze mit einer durchdachten geografischen und sektoralen Portfolio-Konstruktion ist aus unserer Sicht der effektivste Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Ausblick für den Primärmarkt mit Kim Pochon, Head of Primaries, Private Equity

Was sollten potenzielle Investoren im kommenden Jahr unbedingt über Emerging Managers wissen?

Emerging Managers sind nicht risikoreicher als traditionelle Private-Equity-Investments. Häufig gehen Investoren davon aus, dass sie bei einem Investment in einen Emerging Manager mit einem neuen Team ohne Leistungsnachweis zu tun haben – was in der Tat ein hohes Risiko darstellen würde. Die Realität sieht jedoch anders aus: Wenn wir in Emerging Managers investieren, handelt es sich in der Regel um hochspezialisierte Private-Equity-Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung bei etablierten Häusern.

Zudem besteht bei Emerging Managers oft eine besonders starke Interessengleichheit mit den Investoren – ein Aspekt, der bei etablierten Managern nicht immer gegeben ist. Wir beobachten häufig, dass Emerging Managers selbst der größte Limited Partner (LP) ihres eigenen Fonds sein wollen. Ihr sogenannter GP-Commitment liegt dabei häufig deutlich über dem in der Branche üblichen Niveau von 1 bis 2 Prozent. Diese enge Interessenkongruenz ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor.

Wie schafft der Konsolidierungstrend im Markt neue Chancen für Emerging Managers?

Wir beobachten seit mehreren Jahren eine zunehmende Konsolidierung im Private-Equity-Markt – und aktuell gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend kurzfristig umkehren wird. Kurzfristig stellt dies für Emerging Managers eine Herausforderung bei der Kapitalaufnahme dar, da Investoren zunehmend auf größere Private-Equity-Häuser setzen.

Ein möglicher Effekt dieser Marktkonsolidierung ist jedoch die steigende Zahl von Spin-outs innerhalb der Branche – insbesondere, da große Häuser sich auf immer größere Transaktionen konzentrieren und mit komplexeren Governance-Strukturen und Teamdynamiken konfrontiert sind.

Gerade diese Spin-outs eröffnen Chancen für Emerging Managers – insbesondere im Bereich der Sektorspezialisierung. Im Zuge der Konsolidierung kann es passieren, dass talentierte Investment-Professionals in den großen Strukturen „zwischen den Stühlen“ sitzen und nach neuen Wegen suchen. Spin-outs mit klarer Sektorfokussierung nehmen deshalb stetig zu – und wir sehen hierin eine spannende Entwicklung mit großem Potenzial.

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