Die Zahlen der diesjährigen Umfrage sprechen eine eindeutige Sprache. Nahezu alle befragten Investoren (99%) gaben an, dass sie den Erwerb von Private-Market-Assets in einer ETF-Struktur in Erwägung ziehen würden. Damit entwickeln sich Privatmarktanlagen und ETFs zu den zwei wachstumsstärksten Bereichen der Investmentbranche, die seit über einem Jahrzehnt stetig steigende Zuflüsse verzeichnen.
Private Equity und Credit als Zugpferde
Innerhalb des Spektrums der Privatmärkte kristallisieren sich klare Favoriten heraus. Mehr als die Hälfte der Investoren (53%) zeigt Interesse an Private-Equity-ETFs, dicht gefolgt von Private-Credit-Produkten mit 50%. Besonders im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere wird dies als bedeutende Innovation gewertet.
Joanna Gallegos, Mitbegründerin von BondBloxx, betont die Tragweite dieser Entwicklung: „Diese Innovation macht Private Credit für alle Investoren zugänglich, mit den ETF-Vorteilen von Transparenz, Liquidität und Kosteneffizienz“. Bisher waren solche Anlageklassen primär Institutionen und sehr vermögenden Privatpersonen vorbehalten.
Die Herausforderung der Liquidität
Das Potenzial ist gewaltig: Das in Privatmärkten gebundene Kapital beläuft sich aktuell auf über 14,8 Billionen US-Dollar und könnte bis 2030 auf bis zu 25 Billionen US-Dollar ansteigen. Die Branche steht jedoch vor einer strukturellen Herkulesaufgabe. Es gilt, „ein traditionell illiquides Asset in ein historisch liquides Vehikel zu verpacken“.
Obwohl bereits „Evergreen“-Produkte und andere Varianten existieren, bringt die Kombination von Privatmarktanlagen und ETFs spezifische operative Herausforderungen mit sich. Dennoch ist der Appetit der Anleger so groß, dass Private Funds erstmals zu den Top-Produktkategorien gehören, bei denen Investoren ihre Allokationen künftig erhöhen wollen (16%) – ein deutlicher Sprung im Vergleich zum Vorjahr.
Technologie als Beschleuniger?
Ein mögliches Puzzleteil für den Erfolg könnte die Tokenisierung von realen Vermögenswerten sein. Deborah Fuhr, Gründerin von ETFGI, sieht hierin eine Chance: „Ich glaube, dass die Tokenisierung einen großen Unterschied machen wird... [sie wird] einen breiteren Zugang zu Privatmarktanlagen ermöglichen, die über einige bestehende Fondshüllen nur schwer abzubilden sind“.
Während Experten die technologische Basis für schnellere Abwicklungen und 24/7-Handel loben, bleiben die Investoren in ihrer Einschätzung noch verhalten. Nur 22% glauben, dass die Tokenisierung das Investieren revolutionieren wird; die Mehrheit (58%) erwartet zwar Verbesserungen, sieht darin aber keine fundamentale Änderung der Marktfunktionsweise. Unabhängig von der technologischen Umsetzung zeigt der Bericht jedoch klar: Der Weg für Private Markets im ETF-Format ist geebnet.
Fragestellung: Wie würden Sie die langfristigen Auswirkungen der Tokenisierung auf Investitionen und Finanzmärkte beschreiben?
Quelle: Brown Brothers Harriman
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