Am Rande des Natixis IM Thought Leadership Summit 2026 in Paris sprach die PrivateMarkets360-Redaktion mit Philippe Faget über die ersten operativen Erfahrungen mit dem im März 2025 aufgelegten Natixis Multi Private Assets Navigator. Der ELTIF 2.0-konforme Evergreen-Dachfonds investiert über die Private Markets Segmente Private Equity, Private Debt und Infrastruktur hinweg und wird derzeit aktiv in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien, Frankreich und den Nordics vertrieben. VEGA Investment Solutions, die für das Management zuständige Natixis IM-Tochter, verwaltet insgesamt über 85 Milliarden Euro.
PrivateMarkets360: Herr Faget, der Natixis Multi Private Assets Navigator ELTIF ist seit einem Jahr live. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten operativen Jahr?
Philippe Faget: Die wichtigste Bestätigung betrifft die Diversifikation. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass bei einer risikobehafteten Assetklasse wie Private Markets die Streuung über Private Equity, Private Debt und Infrastruktur entscheidend ist – und das hat sich im ersten Jahr voll bestätigt. Real Estate haben wir bisher noch nicht beigemischt, sehen aber zunehmend Wert in bestimmten Segmenten wie Datenzentren und souveränitätsnahen Immobilien. Der zweite zentrale Punkt ist die Bewertungsdisziplin: Die Fähigkeit, die Bewertungen der unterliegenden GPs kritisch zu hinterfragen, ist absolut essenziell. Und erfreulicherweise beobachten wir, dass immer mehr GPs im ELTIF-Kontext die regulatorischen Anforderungen besser verstehen und umsetzen.
PrivateMarkets360: Die Demokratisierung von Private Markets ist derzeit eines der dominierenden Branchenthemen – begleitet von einer intensiven Diskussion über Mis-Selling-Risiken. Wie sehen Sie diese Debatte?
Philippe Faget: Wir verfolgen diese Diskussion sehr genau und haben selbst erhebliche Ressourcen in die Edukation unserer Vertriebspartner investiert. Die zentrale Botschaft ist: Wenn man Private Assets in ein Fondsformat verpackt, entsteht zwangsläufig ein Liquiditätsrisiko – und man muss gegenüber den Endkunden absolut transparent sein, was die Implikationen betrifft. In Europa haben wir mit der ELTIF-Regulierung den Vorteil sehr hoher Standards in Bezug auf Liquiditätsmanagement und die verfügbaren Steuerungsmechanismen. Was wir in den USA gesehen haben – die Probleme kamen dort primär aus dem BDC-Segment –, bestätigt unsere Überzeugung: BDCs sind deutlich weniger reguliert als ELTIFs, und manche waren stark in einzelnen Sektoren konzentriert. Diversifikation und rigorose Manager-Selection sind hier der Schlüssel.
PrivateMarkets360: Das geopolitische und makroökonomische Umfeld war im vergangenen Jahr ungewöhnlich volatil – und bleibt es auch 2026. Was bedeutet das für Private Markets?
Philippe Faget: Die größte Sorge betrifft den Inflationseffekt auf die Zinsdynamik. Private Markets haben in den letzten Monaten und Quartalen davon profitiert, dass die Zentralbanken die Zinsen gesenkt haben. Wir erwarten, dass die Notenbanken kurzfristig in einen Wait-and-see-Modus übergehen, um die Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Lage abzuschätzen. Das könnte Investoren vorübergehend vorsichtiger machen.
Auf Portfolioebene sehen wir die Notwendigkeit einer sehr granularen Case-by-case-Analyse – insbesondere bei Logistik, Energie und souveränitätsnahen Sektoren. Bei Fonds mit Exposure zu Verteidigung und Souveränität beobachten wir derzeit eine starke Nachfrage. Der entscheidende Punkt ist: Eine adaptive Multi Private Assets-Allokation erlaubt es uns, die Portfolioausrichtung an solche Ereignisse und unsere makroökonomischen Einschätzungen anzupassen.
PrivateMarkets360: Das zentrale Versprechen eines Multi Private Assets-Ansatzes ist die Diversifikation über Assetklassen, Strategien und Vintages. Hat das vergangene Jahr diesen Ansatz validiert?
Philippe Faget: Mehr denn je. Und zwar nicht nur über die Assetklassen hinweg, sondern auch über Sub-Strategien, Regionen, Sektoren und die Auswahl der unterliegenden GPs. Die Breite der Streuung ist das, was den Unterschied macht.
PrivateMarkets360: Blick nach vorne: Was sind die nächsten Meilensteine für den Navigator ELTIF und Ihre breitere Produktstrategie?
Philippe Faget: Wir haben die initialen Investments bereits gut deployed und werden diese jetzt finalisieren. Mit den neuen Mittelzuflüssen – der Fonds wird in Europa sehr aktiv vertrieben, insbesondere in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien,Frankreich und den Nordics – können wir unsere aktuellen Einschätzungen zu den verschiedenen Private Asset-Klassen umsetzen. Nach dem Aufbau der großen Bausteine werden wir das Portfolio weiter diversifizieren, auch über zusätzliche Strategien und GPs – sowohl aus der Natixis IM-Gruppe als auch extern.
PrivateMarkets360: Zum Abschluss: Was müsste in den nächsten zwölf Monaten passieren, damit Sie sagen würden, das Produkt hat die Launch-Phase hinter sich gelassen und den Proof of Concept erbracht?
Philippe Faget: Erstens die Mittelzuflüsse – die zeigen, dass der Markt das Konzept annimmt. Zweitens die Resilienz gegenüber den aktuellen Marktverwerfungen. Hier sind wir bereits sehr zufrieden, denn wir haben uns vor mehr als zwei Jahren bewusst entschieden, US Private Debt zu meiden, weil wir dort Red Flags gesehen haben. Wir sind primär in europäischem Private Debt investiert geblieben. Langfristig werden wir die Vorteile der Diversifikation über einen Zehnjahreszeitraum sehen – das ist der Investmenthorizont des Fonds. Das angestrebte Netto-Multiple liegt zwischen 2,0x und 2,5x. Aber wie gesagt: das sind langfristige Ziele und wir kommunizieren das auch sehr transparent gegenüber unseren Investoren.
PrivateMarkets360: Herr Faget, vielen Dank für das Gespräch.
Über Philippe Faget
Philippe Faget (CAIA) ist Head of Private Assets bei VEGA Investment Solutions, einer auf Wealth Management spezialisierten Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers mit über 85 Milliarden Euro Assets under Management. Faget leitet das Multi Private Assets-Team, ist Mitglied des Executive Committee von VEGA IS und verantwortet unter anderem den Natixis Multi Private Assets Navigator ELTIF. Zuvor war er bei Natixis CIB im Bereich Specialized Lending und Real Assets sowie bei Moody’s und Standard & Poor’s als Spezialist für alternative und private Investments tätig. Er lehrt zudem Asset Management an der Universität Bordeaux und der Kedge Business School.
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