Nachbericht vom Private Markets After-Work Frankfurt (inkl. Fotogalerie)

Drei Vorträge, ein vollbesetzter Saal, eine bemerkenswert ehrliche Diagnose: Beim After-Work-Event von portagon und Natixis Investment Managers verschob sich der Diskussionsschwerpunkt von der Produktfrage zur Beratungsrealität. PrivateMarkets360 war als Medienpartner vor Ort und produzierte parallel exklusive Masterclasses für den Private Markets Navigator.

Investoren

06.05.2026 08:35 Uhr
© PrivateMarkets360 / Crawford Media Productions
© PrivateMarkets360 / Crawford Media Productions

Eine bemerkenswerte Verschiebung

Wer in den vergangenen Monaten Branchenveranstaltungen zum Thema Private Markets besucht hat, kennt das übliche Skript: Marktgröße, Wachstumsraten, ELTIF-2.0-Reform, Evergreen-Strukturen, Vorteile illiquider Strategien. Das After-Work-Event von portagon und Natixis Investment Managers am 30. April in Frankfurt begann ähnlich – und nahm dann eine Wendung, die in dieser Klarheit selten zu hören ist.

Begrüßt durch Suraj Kakar, Vice President Revenue bei portagon, und Patrick Sobotta, Executive Managing Director und Head of CEE bei Natixis Investment Managers, entwickelte sich der Abend von einer fachlichen Standortbestimmung über eine quantitative Tiefeneinordnung zu einer ungewöhnlich offenen Reflexion über die kommunikativen Defizite der Branche selbst. Genau diese Dreischritt-Logik – Markt, Methodik, Mensch – machte den Abend bemerkenswert.

Erster Befund: Die Spreizung der Manager als zentrale Risiko-Dimension

Den Auftakt machte Michael Jäger, Michael Jäger, Head of Private Assets CEE bei Natixis Investment Managers, mit einer in dieser Form selten so kompakt vorgetragenen Argumentation, warum die ELTIF-2.0-Reform nicht einfach „mehr vom Gleichen" für Privatkunden bedeutet, sondern Manager-Selektion zur eigentlichen Disziplin macht.

Jäger zeichnete die Allokationsrealität deutscher Institutioneller nach – Private-Markets-Quoten zwischen 20 und 25 Prozent bei Pensionskassen und Versicherungen, bis zu 50 Prozent bei Family Offices – und kontrastierte dies mit dem strukturellen Argument, das er der eigentlichen Renditeperspektive vorzog: dem Zugang zu einem deutlich erweiterten Anlageuniversum. „Etwa 90 Prozent der Unternehmen weltweit mit mehr als 100 Millionen Jahresumsatz sind nicht an der Börse notiert. Wenn Sie bisher nur auf der liquiden Seite allokiert haben, haben Sie sich auf diese 10 Prozent fokussiert und die anderen 90 Prozent komplett ausgeblendet."

© Crawford Media Productions

Mindestens ebenso pointiert war Jägers zweiter Schwerpunkt: die Manager-Dispersion als unterschätzte Risikoquelle. Während die Renditedifferenz zwischen Top- und Bottom-Quartil-Managern bei globalen Aktienfonds historisch bei rund zwei Prozent pro Jahr liege, klaffe im Private-Equity-Bereich ein deutlich größerer Abstand: „Bei globalen Buyout-Fonds haben die Top-Manager 25 Prozent pro Jahr Rendite gemacht, die schlechten Manager fünf Prozent. Im privaten Bereich ist es wirklich extrem wichtig, die richtigen Manager zu picken."

Daraus leitete Jäger die Logik des affiliate-neutralen Multi-Asset-Ansatzes des kürzlich gelaunchten Natixis Multi Private Assets Navigator (ELTIF 2.0) ab: Im Multi-Asset-Bereich sei kein Haus weltweit in allen Anlageklassen und Regionen erstklassig – entsprechend werde gezielt über Häusergrenzen hinweg selektiert und auch externe Manager eingebunden.

Zweiter Befund: Die methodische Hürde liegt im „volatility laundering"

Julien Dauchez, Head of Client Solutions bei Natixis Investment Managers, lieferte den methodischen zweiten Akt – mit einer Perspektive, die auf rund tausend Portfolioanalysen pro Jahr fußt, die sein Team Client Solutions weltweit für institutionelle und Wholesale-Investoren erstellt.

Dauchez setzte zunächst beim großen Bild an: Globale Private Assets von rund 15 Billionen US-Dollar Ende 2025, mit Verdopplungserwartung über die kommenden zehn Jahre. Auffallend war seine Bereitschaft, auch die unbequemen Themen zu adressieren – etwa jüngste Diskussionen rund um Evergreen-Strukturen im US-Software-Sektor – um sie sogleich einzuordnen: „Wenn Sie mit den Experten im Bereich Private Assets sprechen, werden sie Ihnen sagen, dass es gerade in Europa eine Fülle an Opportunitäten gibt – im Verteidigungssektor, in der Energiewende, im Infrastrukturbereich – die ein enormes Potenzial schaffen."

© Crawford Media Productions

Sein wohl stärkstes Argument für die Beimischung von Private Assets in Privatkundenportfolios kam aus der jüngsten Marktphase – und entlarvte die klassische 60/40-Logik: „Schauen Sie sich an, was während der Krise im Nahen Osten passiert ist: Anleihen und Aktien sind gleichzeitig eingebrochen – und haben sich gleichzeitig wieder erholt. Welche Diversifikation können Sie da noch erwarten? Genau hier bringen Private Assets Stabilität in eine Allokation."

Methodisch öffnete Dauchez dann eine Tür, die in der Mainstream-Diskussion meist verschlossen bleibt: das sogenannte Stale Pricing bei Private Equity. Hedgefonds-Manager auf der liquiden Seite hätten dafür bereits einen prägnanten Begriff geprägt – „volatility laundering". Durch Desmoothing-Techniken und den Abgleich mit liquiden Proxies (etwa Microcap-Indizes) lasse sich die tatsächliche Risiko-Rendite-Charakteristik von Private Equity sichtbar machen und in Multi-Asset-Portfolios konsistent integrieren – mit teils ernüchternden Konsequenzen für die ausgewiesene Sharpe Ratio, aber methodisch deutlich belastbarer.

Bemerkenswert war Dauchez' abschließende Beobachtung zur strukturellen Verschiebung der Wertschöpfungskette: Während Amazon 1997 mit einer Marktkapitalisierung von rund 400 Millionen US-Dollar an die Börse gegangen sei, bewegten sich Unternehmen wie SpaceX oder Anthropic heute jenseits der 100-Milliarden-Marke – und blieben deutlich länger privat. Wer dieses Wertschöpfungsfenster nicht erschließe, verzichte auf einen erheblichen Teil des realen Wirtschaftswachstums.

Dritter Befund: Die eigentliche Frontlinie ist kommunikativ

Die ungewöhnlichste Perspektive – und zugleich der heimliche Höhepunkt des Abends – kam von Frank Seidel, Vorstand der Amandea Vermögensverwaltung. Seidel verzichtete bewusst auf akademische Einordnung und wählte den Vertriebsdialog auf Augenhöhe. Das Resultat war ein Vortrag, der die eigene Branche nicht aussparte – und gerade deshalb von vielen Anwesenden im Nachgang als der prägendste Beitrag des Abends genannt wurde.

Seidels Ausgangspunkt war eine bewusste Provokation der gängigen Branchenerzählung: „Die Anzahl der verfügbaren Produkte ist nicht mehr das Problem. Die Qualität auch nicht. Die volldigitale Abwicklung funktioniert mittlerweile gut. Und auch die mediale Begleitung – Hand aufs Herz – ist eigentlich ordentlich." Worauf seine pointierte Diagnose folgte: „Private Markets haben kein Zugangsproblem mehr. Sie haben ein Kommunikationsproblem."

Seidel illustrierte diese These mit drei konkreten Beobachtungen aus der eigenen Beratungspraxis. Erstens: Die „Flexibilitätsillusion" – das reflexhafte Argument vermögender Mandanten, „flexibel bleiben zu wollen", auch wenn die betreffenden Liquiditätsbestände faktisch seit Jahren ungenutzt auf Konten lägen. Eine Mischung aus Überforderung und gefühlter Bequemlichkeit auf hohem Vermögensniveau, die intellektuell schwer haltbar sei – und genau dort die kommunikative Aufgabe der Berater verorte.

Zweitens: Die positionelle Zange, in der Vermögensverwalter, 34f-Vermittler und Financial Planner derzeit operierten – zwischen einem hochpreisigen „Big Boys"-Narrativ (Demokratisierung, Lernen von den großen Stiftungen, institutionelle Strategien für Privatkunden) auf der einen Seite und einer „Quengelware-Logik" auf der anderen, in der ELTIF-Anteile an digitalen Kassen für einen Euro Mitnahme-Beimischung würden. Die eigene Positionierung dazwischen sei für viele Berater noch nicht gefunden.

 © Crawford Media Productions

Drittens – und besonders konkret für Plattformbetreiber relevant: das Phänomen, das Seidel „Son of Panic" nannte. Das kommunikative Loch zwischen Zeichnung und ersten Reportings. Anders als bei klassischen Wertpapieren bewege sich auf den ersten Depotauszügen sichtbar wenig, was zu Verunsicherung beim Mandanten führe und die Beratungsbeziehung in einer kritischen Phase belaste. Hier liege eine konkrete Hausaufgabe für Plattformen, Asset Manager und Berater gleichermaßen – die ersten Wochen nach Zeichnung kommunikativ aktiv zu gestalten, statt Funkstille herrschen zu lassen.

Sein Schlussplädoyer war zugleich eine programmatische Aufforderung an die Branche: „Ich glaube nicht, dass wir mit fünf weiteren Produkten den großen Durchbruch bekommen. Es liegt an uns zu überlegen, wie wir dem Kunden begegnen und wie wir über dieses Produkt sprechen. Wir müssen es über Analogien – etwa zu Immobilien – hinbekommen, dass der Kunde es selbstverständlich versteht."

Masterclasses für den Private Markets Navigator

Parallel zum Event nutzte das Team von PrivateMarkets360 die Präsenz vor Ort, um exklusive Masterclass-Interviews mit Chefredakteur Simon Weiler zu produzieren. Die Aufzeichnungen fließen in das strategische Leuchtturmprojekt Private Markets Navigator ein – die unabhängige Wissensplattform, die gemeinsam mit Natixis Investment Managers als Hauptpartner aufgebaut wird und sich mit Online-Academy, wöchentlichen Experten-Interviews und einem umfassenden E-Book gezielt an B2B-Professionals richtet.

Die in Frankfurt entstandenen Inhalte werden in den kommenden Wochen sukzessive unter navigator.privatemarkets360.com veröffentlicht.

Hier finden Sie alle bisherigen Lektionen des Private Markets Navigator.

Was vom Abend bleibt

Der Abend in Frankfurt hat eine Verschiebung sichtbar gemacht, die in der Branchendiskussion bisher unterbelichtet ist: Die strukturellen Voraussetzungen für die Demokratisierung der Private Markets sind geschaffen – ELTIF 2.0, Evergreen-Strukturen, digitale Distributionsplattformen wie portagon next, anspruchsvolle Multi-Asset-Lösungen mit affiliate-neutraler Selektion. Was in den kommenden Monaten den Unterschied machen wird, ist nicht das nächste Produkt, sondern die Fähigkeit, Private Assets sprachlich aus der Spezialistenecke zu führen.

Aus Sicht von PrivateMarkets360 war das After-Work damit weniger ein klassisches Branchenevent als vielmehr ein Stimmungsbild im Übergang – einer Community, die den Schritt von der Produktverfügbarkeit zur Beratungsrealität gerade aktiv vollzieht.

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.