Federico Vettore: Aus unserer Sicht als globaler Asset Manager sind beide Aspekte relevant. Aktuelle regulatorische Entwicklungen in Europa – insbesondere ELTIF 2.0 – erleichtern Privatanlegern den Zugang zu Anlageklassen, die bislang nahezu ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten waren. Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Portfoliodiversifikation gehen wir davon aus, dass eine Beimischung von Private-Markets-Engagements in traditionelle Portfolios für Privatanleger ähnlichen Mehrwert schaffen kann wie im institutionellen Bereich.
Wie bei jeder Innovation werden Information und Aufklärung dabei entscheidend sein, damit Anleger diese neue Möglichkeit nutzen können, ohne dass Missverständnisse entstehen. Asset Managern und Vertriebspartnern kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu – als Begleiter derjenigen Marktteilnehmer, die mit dieser Anlageklasse ggf. erstmals in Kontakt kommen.
Federico Vettore: Auch hier spielen Information und Aufklärung eine zentrale Rolle. Klar muss sein: Produkte mit Private-Markets-Exposure eignen sich nicht für kurzfristiges Investieren. Auch wenn Evergreen-Strukturen Rücknahmeoptionen bieten, gehört das Private-Markets-Engagement weiterhin zu den weniger liquiden Bestandteilen eines Portfolios.
Erfolgreiches Investieren in Privatmärkten braucht aus unserer Sicht zweierlei: einen Asset Manager mit der Fähigkeit, attraktive Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren und zu managen – und geduldige Anleger, die anerkennen, dass die Wertschöpfung eines Unternehmens Zeit benötigt.
Rücknahmebeschränkungen („Gates") sind ein Standardmerkmal von Evergreen-Strukturen. Sie sind dafür da, langfristige Investoren vor Wertverlusten zu schützen, die durch kurzfristige Massenrückgaben entstehen können – und damit ein Schutzelement, kein Defizit. Wesentlich ist, dass die Liquiditätsversprechen auf der Anteilsklassenseite mit dem Liquiditätsprofil der zugrunde liegenden Anlagen konsistent sind.
Federico Vettore: Sowohl öffentliche als auch private Märkte werden von exogenen Faktoren beeinflusst. Die zeitliche Verzögerung, mit der diese Einflüsse in den Privatmärkten sichtbar werden, ist für sich genommen kein stabilisierender Faktor. Was wir am Markt aber beobachten: Private Markets reagieren weniger sensitiv auf kurzfristige Volatilität, was sich in glatteren Renditeverläufen im Vergleich zu volatileren Anlageklassen niederschlägt.
Federico Vettore: Aus meiner Sicht entwickeln sich Privatmärkte bereits jetzt zu einer dauerhaften Portfoliokomponente für Privatkunden – genauso wie sie es im institutionellen Bereich längst sind. Der Grund ist derselbe: eine weitere Diversifizierung der Rendite- und Risikoquellen innerhalb des Portfolios.
Während Institutionen mit der Langfristigkeit derartiger Anlagen naturgemäß vertraut sind, wird es wichtig sein, dass auch Privatanleger diese Perspektive teilen. Das gelingt aus unserer Sicht über professionelle Beratung – oder indem Privatkunden ihr Private-Markets-Engagement über Vorsorgekonzepte oder ähnliche Vehikel beziehen, die strukturell auf langfristige Wertschöpfung ausgelegt sind.
Mit Blick auf einen reiferen Finanzplatz wie die USA beobachten wir, dass Private-Banking-Portfolios dort je nach Kundensegment durchschnittlich zwischen 5 und 25 Prozent in Private Markets allokieren. Dass Europa dieses Niveau 1:1 erreicht, halte ich für unwahrscheinlich – schließlich ist auch die durchschnittliche Aktienquote hierzulande deutlich niedriger als in den USA. Eine durchschnittliche Allokation von 5 bis 10 Prozent in den kommenden Jahren wäre aus meiner Sicht jedoch eine positive Entwicklung – getragen durch Beratung, Begleitung und Aufklärung.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Wenn Privatmärkte eine solche Portfoliodurchdringung erreichen, werden sie ihren Status als „alternative Anlage" wahrscheinlich verlieren. Ihre Vorteile gegenüber öffentlichen Märkten dürften sie weitgehend behalten – diese ergeben sich in erster Linie aus der Fähigkeit (einzelner) Asset Manager, Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren, zu strukturieren und aktiv zu managen, die nicht jedem zugänglich sind. Heute genauso wie in Zukunft.
Zum Abschluss:
Private Markets Facts mit Federico Vettore
Welche Regel würden Sie in den Private Markets einführen, um den Markt transparenter, effizienter oder zugänglicher zu machen?
ELTIF 2.0 ist aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, um Private Markets effizienter und zugänglicher zu machen. Da sich die Branche klar in Richtung höherer Transparenz bewegt, dürfte vor allem entscheidend sein, dass Privatanleger – durch konsequente Aufklärung – in die Lage versetzt werden, die verfügbaren Informationen vollständig zu verstehen und für ihre Anlageentscheidungen nutzen zu können.
Welcher weitverbreitete Irrglaube über Private Markets sollte ausgeräumt werden?
Ein häufig anzutreffender Irrglaube: Private Markets seien per se intransparent und ausschließlich für Großinvestoren geeignet. Wir beobachten am Markt eine zunehmende Zahl klar strukturierter, regulierter Vehikel mit kontrollierter Liquidität und niedrigeren Mindestanlagen. Was bleibt, ist die langfristige Natur dieser Anlagen – und genau diese ist Teil des Renditepotenzials, nicht ein Mangel.
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