Schroders Capital: Private Equity Outlook Q2 2026 – Von der Neuausrichtung zur Chance

Private Equity hat eine historische Verlangsamung bei Fundraising, Deal- und Exit-Aktivitäten durchlaufen und eine erneute globale Volatilität droht die Erholung zu verzögern. Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital, sieht weiterhin Chancen und attraktive Einstiegspunkte für disziplinierte, langfristig orientierte Investoren.

Statistiken & Regulatorik

20.05.2026 10:30 Uhr
Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital / © PrivateMarkets360 / Schroders Capital
Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital / © PrivateMarkets360 / Schroders Capital

Während die anhaltende Verlangsamung im Private-Equity-Markt die kurzfristige Stimmung belastet, hat sie gleichzeitig ein günstigeres Investitionsumfeld für disziplinierte und langfristig orientierte Anleger geschaffen. Historisch betrachtet sind auf schwächere Fundraising-Zyklen attraktive Investitionsjahrgänge gefolgt.

Ungleichmäßige Anpassungen

Das globale Fundraising ist seit seinem Höchststand im Jahr 2021 stark zurückgegangen, während die Investitionsaktivität disziplinierter und die Bewertungen fundierter geworden sind. Entscheidend ist, dass diese Anpassungen ungleichmäßig verlaufen sind. Das Kapital ist nach wie vor stark in den größten Fonds und Transaktionen konzentriert, wobei andere Bereiche des Marktes weniger umkämpft und oft ineffizienter bleiben.

Für Investoren, die Kapital selektiv einsetzen können, eröffnen diese Dynamiken Chancen in verschiedenen Bereichen des Private-Equity-Marktes. Unserer Einschätzung nach liegen die überzeugendsten Möglichkeiten weiterhin bei Buyouts im kleinen und mittleren Marktsegment. Diese Transaktionen beziehen sich auf Unternehmen mit einem Enterprise Value unter einer Milliarde US-Dollar. Sie stellen einen der ineffizientesten Bereiche des Private-Equity-Marktes dar, in dem ein vergleichsweise kleiner Kapitalpool auf ein weitaus größeres Universum an Investitionschancen trifft.

Dieses Kapitalungleichgewicht hat dazu beigetragen, dass die Bewertungen in diesem Segment erheblich unter denen von Large-Cap-Buyouts geblieben sind. Unsere Daten zeigen, dass die durchschnittlichen Einstiegsmultiplikatoren bei Transaktionen im kleinen und mittleren Marktsegment etwa 40% unter denen großer Übernahmen liegen und rund 55% unter denen vergleichbarer börsennotierter Small-Cap-Benchmarks.

Abbildung 1: Einstiegsmultiples stiegen 2025 leicht – Small/Mid-Buyouts bleiben attraktiv bewertet
© Schroders Capital

Dieses günstigere Bewertungsumfeld gilt auch für den Softwaresektor, der zuletzt von negativen Schlagzeilen geprägt war. Unserer Ansicht nach ist ein starker Rückgang bei börsennotierten Software-Vergleichsunternehmen ebenso sehr auf die Umkehrung zuvor überhöhter Bewertungen zurückzuführen – die auch nach der Korrektur über den durchschnittlichen Private-Equity-Softwarebewertungen liegen – wie auf wahrgenommene Bedrohungen durch künstliche Intelligenz. KI-bezogene Chancen und Risiken variieren dabei erheblich zwischen einzelnen Softwareunternehmen und werden sich voraussichtlich erst im Laufe der Zeit vollständig materialisieren. Private-Equity-Engagements konzentrieren sich häufig auf Nischenunternehmen, die weniger exponiert sind, beispielsweise weil sie in die Arbeitsabläufe ihrer Kunden eingebettet und nutzungsbasiert statt nach dem „Per-Seat“-Lizenzmodell bepreist sind.

Insgesamt weist diese Bewertungslücke erhebliches Wertschöpfungspotenzial auf – kleinere Unternehmen sind zudem in der Regel stärker auf das Inland ausgerichtet und daher weniger anfällig für globale Handelsstörungen oder geopolitische Schocks. In Kombination mit generell niedrigeren Verschuldungsgraden erhöht dies die Widerstandsfähigkeit in volatilen Phasen.

Die operative Wertschöpfung bleibt das zentrale Element der Investitionsthese in diesem Marktsegment. Das bedeutet, dass erfolgreiche Manager, anstatt stark auf finanzielle Optimierungsmaßnahmen zu setzen, den Fokus auf die Verbesserung der operativen Effizienz, die Stärkung von Managementteams sowie die Beschleunigung von organischem und anorganischem Wachstum legen. Sektoren wie Gesundheitswesen, Unternehmensdienstleistungen und technologiegestützte Dienstleistungen offenbaren nach wie vor besonders attraktive Möglichkeiten.

Über längere Zeithorizonte hat das Small- und Mid-Cap-Modell tendenziell stärkere Ergebnisse erzielt und sowohl Large-Cap-Buyouts als auch öffentliche Marktbenchmarks übertroffen. Unsere Daten zeigen, dass Small/Mid-Buyouts in den vergangenen 25 Jahren bei vier der fünf größten Marktverwerfungen zu den widerstandsfähigsten und leistungsstärksten Private-Equity-Strategien zählten.

Abbildung 2: Small/Mid-Buyout-Fonds haben langfristig am stärksten abgeschnitten
© Schroders Capital

Continuation Investments

Innerhalb von Private Equity verschieben sich die Liquiditätsdynamiken. Ein gedämpfteres Exit-Umfeld hat die Expansion des Sekundärmarktes vorangetrieben, wobei sowohl LP-geführte Transaktionen als auch Continuation Investments eine zunehmend prominente Rolle spielen. Das Volumen der Sekundärmarkttransaktionen erreichte 2025 mit über 200 Milliarden US-Dollar Rekordniveau, während auch das Fundraising einen neuen Höchststand erreichte.

Zyklische Dynamiken beschreiben dabei nur einen kleinen Teil der Geschichte – das strukturelle Wachstum bei Continuation Investments spiegelt vielmehr deren wachsende Bedeutung als gängiger Mechanismus zur Fortführung der Wertschöpfung wider. Continuation Vehicles ermöglichen es Sponsoren, leistungsstarke Portfoliounternehmen über die traditionelle Fondslaufzeit hinaus zu halten und gleichzeitig bestehenden Investoren die Möglichkeit, Wert zu realisieren. Viele solcher Transaktionen entstehen im unteren Mittelstandssegment, wo die operative Wertschöpfung oft noch im Gange ist.

Für neue Investoren können Continuation Deals Zugang zu reifen Unternehmen mit etablierter Unternehmenshistorie und klareren Wertschöpfungspfaden bieten. Der Einstieg in dieser Phase kann ein Engagement in Unternehmen ermöglichen, die bereits eine erhebliche operative Entwicklung durchlaufen haben, aber noch bedeutendes Wachstumspotenzial aufweisen.

Unsere früheren Schätzungen sahen ein Wachstum des Continuation-Marktes auf über 300 Milliarden US-Dollar bis 2035 vor – aktuelle Wachstumsprojektionen deuten jedoch auf ein noch schnelleres Wachstum hin.

Abbildung 3: Wachstum des Continuation-Marktes dürfte noch stärker ausfallen als prognostiziert
© Schroders Capital

Venture Capital: Stark divergierende Dynamiken

Die Bewertungen von Late-Stage-Venture/Growth-Capital (Series D+) sind auf neue Rekordhöhen gestiegen und haben die Peaks des vorangegangenen Zyklus deutlich übertroffen. Diese Entwicklungen werden vor allem durch KI-bezogene Investitionen angetrieben. Wir sehen dies als Anlass zur Vorsicht, angesichts der Erfahrungen aus früheren Technologiezyklen in der Geschichte des Venture Capital.

Im Gegensatz dazu hat sich der Early-Stage-Markt 2025 moderater erholt. Hier erweitert sich das Chancenspektrum, gestützt auf die strukturelle Integration von generativer KI in verschiedenen Anwendungsbereichen.

Abbildung 4: 2025 markiert den Beginn eines neuen Aufwärtstrends bei VC-Bewertungen
© Schroders Capital

Das Silicon Valley bleibt zwar weiterhin das Zentrum des Venture-Capital-Marktes, doch Technologiezentren in ganz Europa und Asien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Vereinigte Königreich bildet hier einen bemerkenswerten Sonderfall: Start-ups haben im Jahr 2024 rund 24 Milliarden Pfund an Venture Capital eingeworben – mehr als Frankreich und Deutschland zusammen –, was das Land zum größten Venture-Capital-Markt Europas macht und es als das „europäische Silicon Valley“ positioniert.

Insgesamt verstärken diese unterschiedlichen Entwicklungen die Bedeutung einer selektiven Vorgehensweise im Bereich Venture Capital, wobei der Fokus auf globalen Frühphasen- und Scale-up-Chancen außerhalb von Bereichen liegt, die zu überhitzt zu werden drohen. Der Zugang zu führenden Venture-Capital-Managern für Primär-, Sekundär- und Direkt-/Co-Investment-Chancen ist wichtiger denn je, um in diesem Segment erfolgreich zu sein.

Von Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital

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