Fiskaldominanz verändert makroökonomische Rahmenbedingungen
Die globale Wirtschaft bewegt sich zunehmend weg von der monetären Dominanz vergangener Dekaden hin zu einer Phase der Fiskaldominanz, wie Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, im jüngsten Investmentausblick erläutert. Massive Staatsausgaben für Infrastruktur, grüne Transformation und Verteidigung stützen das Wachstum, erhöhen jedoch gleichzeitig die Inflation und die Volatilität an den Anleihemärkten. Für die USA werden in den kommenden zehn Jahren durchschnittliche Haushaltsdefizite von 7% prognostiziert. Vor diesem Hintergrund gewinnen reale Vermögenswerte wie Infrastruktur oder der Transportsektor an strategischer Bedeutung, da sie über einen inhärenten Inflationsschutz verfügen.
Private Credit: Keine systemischen Risiken trotz zyklischer Ausfälle
Das globale Volumen im Private-Credit-Markt ist mittlerweile auf fast 2,5 Billionen USD angewachsen. Trotz punktuell steigender Ausfälle stuft das US-Finanzhaus die Anlageklasse nicht als systemisches Risiko ein. Das zyklische Kreditbuch weist aktuell eine Ausfallquote von 2,8% auf. Demgegenüber stehen attraktive Renditen von rund 9%, wodurch die Risiken im historischen Vergleich angemessen kompensiert bleiben. Zudem unterscheidet sich die Struktur fundamental von der Bankenkrise 2008: Das Kreditrisiko liegt primär bei langfristig orientierten institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen, während das direkte Engagement von Geschäftsbanken bei lediglich rund 12,5% liegt. Niedrige Hebelungsquoten von meist dem Einfachen des Kapitals sowie erhebliche Bestände an nicht abgerufenem Kapital (Dry Powder) stabilisieren den Markt zusätzlich.
KI-Infrastruktur treibt den Hardware-Superzyklus
Ein weiterer zentraler Markttreiber sind die massiven Technologie-Investitionen. Bis Ende 2030 wird ein kumuliertes Investitionsvolumen von fast 5 Billionen USD im Bereich der künstlichen Intelligenz erwartet. Wie aus der aktuellen Analyse von J.P. Morgan Asset Management hervorgeht, verschiebt sich die Wertschöpfung zunehmend auf physische Komponenten der KI-Infrastruktur. „Wie beim Goldrausch profitieren aktuell vor allem die ‚Materialhersteller‘ – also diejenigen, die die Schaufeln, die Hacken und die Infrastruktur für die Rechenzentren bereitstellen“, so Galler. Diese Entwicklung weitet sich zunehmend global aus und bietet insbesondere in asiatischen Schwellenländern wie Taiwan und Südkorea, wo die Hardware-Basis der KI-Revolution verortet ist, selektive Opportunitäten für institutionelle Portfolios.
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