Brasilien ist einer der weltweit wichtigsten Lebensmittelproduzenten und -exporteure. Es rückt weiter in den Mittelpunkt, wenn es um Ernährungssicherheit, die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten und langfristige Kapitalallokation geht. 2024 wurden fast 99 Millionen Tonnen Soja exportiert und damit mehr als doppelt so viel wie 2013. Allein im ersten Halbjahr 2025 verschiffte Brasilien 64,9 Millionen Tonnen, was die wachsende Bedeutung des Landes für die Versorgung internationaler Märkte unterstreicht. Damit liegt ein Fokus für institutionelle Investoren auf der Landwirtschaft.
Darüber hinaus suchen Pensions- und Staatsfonds, Banken, Versicherer und Family Offices nach Anlagemöglichkeiten, die Skalierung, robuste Nachfrage und Diversifizierung verbinden. Geopolitische Unsicherheiten legen häufig Risiken innerhalb globaler Lieferketten offen. Sektoren mit Bezug zu essenziellen Dienstleistungen, planbarer Nachfrage und diversifizierten Handelsbeziehungen werden daher für den langfristigen Portfolioaufbau immer wichtiger. Die globale Ernährungssicherheit steht im Zentrum dieser drei Faktoren.
Für langfristig ausgerichtete Portfolios reichen die Implikationen über die Landwirtschaft hinaus. Die Entwicklung globaler Ernährungssysteme ist mit wirtschaftlicher Sicherheit, der Widerstandsfähigkeit von Lieferketten, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz verknüpft. Das ist für die Bewertung langfristiger Chancen und Risiken zentral. In der Praxis geht es weniger um Rohstoffpreise als um Vermögenswerte, die Lebensmittel bewegen, lagern, verarbeiten und finanzieren: Transport- und Lagerinfrastruktur, Verarbeitungskapazitäten, Agrartechnologie, Landrestaurierung sowie Kredite an Erzeuger, die in Produktivität investieren. Wo diese Vermögenswerte mit Exporterlösen verknüpft oder durch Absicherungsstrukturen unterstützt werden, können sie zudem helfen, Währungsvolatilität zu steuern. Zudem bieten sie das Potenzial für wettbewerbsfähige Risiko-Rendite-Profile und stabilere Cashflows.
Ihren Wert gewinnen diese Assets aufgrund einer fundamentalen Ausgangslage: Anders als viele große Volkswirtschaften vereint Brasilien reichhaltige natürliche Ressourcen mit einem demografischen Profil, das es dem Land ermöglicht, weit in die kommenden Jahrzehnte hinein sowohl die nationale als auch die internationale Nachfrage zu bedienen. Während China und Indien einen Großteil ihrer Erzeugnisse für den Eigenbedarf benötigen, ist Brasiliens Landwirtschaft zwar stark exportorientiert, versorgt aber gleichzeitig die eigene Bevölkerung von über 200 Millionen Menschen.
Zudem verändert der Klimawandel die Anbaumöglichkeiten. Lebensmittel werden daher immer häufiger als strategische Ressource betrachtet. Brasilien ist hier gut aufgestellt, dank seiner enormen Flexibilität bei der Produktion. Das Land erstreckt sich über mehrere Klimazonen, jahrzehntelange Investitionen in die Agrarforschung haben zudem die Fähigkeit gestärkt, Kulturen und Anbausysteme an sich verändernde Umweltbedingungen anzupassen. Die Infrastruktur, die Brasiliens weitläufige Produktionsregionen mit internationalen Märkten verbindet, hat sich verbessert, doch weitere Investitionen in Schiene, Wasserwege und Hafenkapazitäten sind nötig. Für langfristig orientierte Kapitalgeber stellt dies eine dauerhafte Chance dar.
Künftiges Wachstum hängt auch davon ab, ob landwirtschaftliche Flächen ausgebaut werden können. Untersuchungen zeigen, dass rund 28 Millionen Hektar schwacher Weideflächen in Brasilien produktiv genutzt werden könnten. Das sind etwa 280.000 km², vergleichbar mit der Größe Italiens. Brasiliens Getreideanbaufläche würde sich dadurch im Vergleich zu 2022/23 um circa 35 Prozent erhöhen. Einer Studie zufolge würde die vollständige Umwandlung dieser 28 Millionen Hektar geschätzte Investitionen von umgerechnet rund 35 bis 90 Milliarden US-Dollar erfordern, je nach Grad der Degradation und vorhandener Infrastruktur. Das Ausmaß unterstreicht die Kapitalchance für institutionelle Investoren und schafft zugleich Raum für Produktivitätssteigerungen und Cashflow-generierende Anlagen im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Nachfrage – ohne dass ursprüngliche Wälder gerodet werden müssten.
Die langfristige Chance besteht darin, die Produktivität und Widerstandsfähigkeit einer bestehenden Produktionsbasis zu verbessern. Und das zu einer Zeit, in der sowohl die Nachfrage nach Lebensmitteln als auch der Klimadruck zunehmen. Da Importmärkte wie die Europäische Union die Anforderungen an entwaldungsfreie Beschaffung und Rückverfolgbarkeit verschärfen, dürfte Produktionswachstum, das durch die Wiederherstellung degradierter Flächen statt durch Rodung neuer Gebiete erzielt wird, einen Vorteil beim Marktzugang bieten.
Ernährungssicherheit wird weltweit auf der politischen und wirtschaftlichen Agenda immer wichtiger. Daher gewinnen Länder, die internationale Märkte konsistent und im großen Maßstab beliefern können, an Gewicht. Doch Brasiliens Bedeutung liegt nicht allein darin, Lebensmittel zu produzieren. Die Kombination aus Produktionskapazität, Exportorientierung, wissenschaftlicher Expertise und Spielraum für produktivitätsgetriebenes Wachstum positioniert das Land in einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Staaten, die dieser Herausforderung begegnen können. Brasilien kann zur steigenden globalen Nachfrage beitragen und bietet dabei die Größe und Flexibilität, die erforderlich sind.
Über Finance in Motion
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Von Melanie Aimer, Chief Commercial Officer von Finance in Motion
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