Das Investitionsumfeld für Infrastruktur hat sich seit dem Zinsanstieg deutlich verändert. Höhere Finanzierungskosten und eine schwächere Fundraising- und Transaktionsaktivität haben zu einer Neubewertung in weiten Teilen der Private Markets geführt. Gleichzeitig sieht Hale bei Energiewende-Infrastruktur weiterhin strukturelle Wachstumstreiber, darunter Elektrifizierung, Energiesicherheit, Digitalisierung sowie der steigende Strombedarf durch Rechenzentren und künstliche Intelligenz.
Nach Angaben von Schroders Greencoat erreichten die weltweiten Investitionen in die Energiewende 2024 rund 2 Bio. Euro. Für die kommenden Jahrzehnte wird zusätzlicher Kapitalbedarf unter anderem bei Stromerzeugung, Speicherung, Netzen und der Dekarbonisierung energieintensiver Sektoren erwartet. Dabei hat sich das Investmentuniversum über klassische Wind- und Solarprojekte hinaus erweitert. Batteriespeicher, Stromnetze, Wärmenetze sowie alternative Energieträger wie Biomethan und grüner Wasserstoff zählen zunehmend zum Spektrum investierbarer Infrastruktur.
Andere Renditetreiber als klassische Infrastruktur
Aus Portfoliosicht liegt die Abgrenzung zu diversifizierter Infrastruktur vor allem in den zugrunde liegenden Cashflow- und Risikotreibern. Bei operativen Erneuerbare-Energien-Anlagen können langfristige Abnahmeverträge, staatlich gestützte Vergütungsmechanismen oder andere vertraglich fixierte Erlöse einen Teil der Einnahmen absichern. Hinzu kommen mögliche Inflationsbindungen sowie eine Sensitivität gegenüber Strompreisen.
Dem stehen spezifische Risiken gegenüber. Dazu zählen Wetter- und Ressourcenverfügbarkeit, technologische Veränderungen sowie regulatorische und politische Eingriffe. Bei weniger etablierten Technologien oder Plattforminvestments treten darüber hinaus Entwicklungs-, Skalierungs- und Umsetzungsrisiken stärker in den Vordergrund. Entsprechend reicht das Risiko-Rendite-Spektrum von operativen Core- und Core+-Assets bis zu Value-Add-orientierten Investments.
Schroders verweist auf niedrige Korrelationen
Eine von Schroders Capital veröffentlichte Analyse weist für Energiewende-Infrastruktur vergleichsweise niedrige Korrelationen mit anderen Assetklassen aus. Gegenüber diversifizierter Infrastruktur liegt die ausgewiesene Korrelation bei 0,18, gegenüber Private Debt bei 0,01 und gegenüber Private Equity ebenfalls bei 0,18. Für börsennotierte Aktien und Fixed Income zeigt die Analyse negative Werte von -0,26 beziehungsweise -0,22.
Quelle: Schroders Greencoat
Die Ergebnisse sollten allerdings im Kontext der Methodik betrachtet werden. Die Renditen für Energiewende-Infrastruktur wurden anhand der kombinierten Nettoinventarwertentwicklung börsennotierter Schroders-Greencoat-Vehikel simuliert. Für andere Private-Market-Segmente wurden PitchBook-Benchmarks verwendet. Die Darstellung ist damit keine unabhängige Marktbenchmark.
Auch in einer modellierten Portfolioanalyse kommt Schroders zu dem Ergebnis, dass Energiewende-Infrastruktur das Risiko eines klassischen Aktien-Anleihe-Portfolios reduzieren könne. In den zehn schwächsten Quartalen globaler Aktien zwischen März 2014 und März 2024 erzielte Energiewende-Infrastruktur der Analyse zufolge im Durchschnitt 3,48% pro Quartal. Für diversifizierte Infrastruktur wurden 1,43%, für globale Aktien -7,66% und für Anleihen -2,93% ausgewiesen. Auch diese Werte beruhen auf simulierten historischen Daten und erlauben keine Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse.
Risiko-Rendite-Vergleich der Portfolioallokationen
Quelle: Schroders Greencoat
Eigenständige Sub-Assetklasse statt Nachhaltigkeits-Overlay
Für institutionelle Investoren ist damit weniger die Einordnung als „grüne“ Infrastruktur entscheidend als die Frage, welche ökonomischen Risikotreiber eine Allokation in das Gesamtportfolio einbringt. Nach Einschätzung von Duncan Hale unterscheidet sich Energiewende-Infrastruktur durch die Kombination aus vertraglichen Cashflows, Sachwertcharakter, Strommarktexposure und strukturellem Investitionsbedarf von breiter gefasster Infrastruktur.
Ob daraus tatsächlich ein eigenständiger strategischer Portfolio-Baustein entsteht, hängt jedoch wesentlich von Asset-Auswahl, Vertragsstruktur, Regulierung und Technologierisiko ab. Die breite Bezeichnung „Energiewende-Infrastruktur“ umfasst inzwischen sehr unterschiedliche Rendite- und Risikoprofile.
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