Westeuropa, UK, USA: Wo Infrastrukturinvestoren jetzt fündig werden

Energie, Daten, Verkehr: Die globale Nachfrage nach moderner Infrastruktur wächst – politisch gestützt und wirtschaftlich getrieben. Im Gespräch mit PrivateMarkets360 erklärt Prabal Sidana, Head of Liquid Private Markets und Portfoliomanager, Partners Group, warum das geplante deutsche Sondervermögen Impulse weit über Deutschland hinaus senden könnte, welche Regionen derzeit die attraktivsten Rahmenbedingungen bieten und warum gelistete Infrastruktur ein robuster Inflationsschutz mit Wachstumspotenzial bleibt.

Real Assets

07.07.2025 15:00 Uhr
Prabal Sidana, Head of Liquid Private Markets und Portfoliomanager, Partners Group / © Partners Group
Prabal Sidana, Head of Liquid Private Markets und Portfoliomanager, Partners Group / © Partners Group
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PrivateMarkets360: Infrastrukturinvestitionen stehen weltweit hoch im Kurs – politisch wie wirtschaftlich. Welche Bedeutung messen Sie aktuellen Förderprogrammen wie dem geplanten deutschen Sondervermögen bei?

Prabal Sidana: Staatliche Förderprogramme in Infrastrukturprojekte sind von besonderer Relevanz, denn sie unterstützen nicht nur die Modernisierung und den Aufbau zentraler Infrastrukturbereiche, sondern fördern zugleich gezielt Investitionen in diesen Sektor. Für Investoren eröffnet dies interessante Möglichkeiten. Das von der deutschen Bundesregierung aufgelegte Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro bildet die Grundlage für umfassende Investitionen. Zwar steht die konkrete Mittelverteilung noch aus, die strategischen Schwerpunkte zeichnen sich jedoch bereits deutlich ab. Insgesamt sollen etwa 100 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Energiesicherheit fließen – das entspricht 20 Prozent des gesamten Sondervermögens. Dabei werden sowohl etablierten Großunternehmen profitieren als auch spezialisierten Unternehmen, die sich gezielt auf innovative Bereiche wie den Bau und Betrieb von Energieinfrastrukturen, beispielsweise Batteriespeichern, konzentrieren. Neben dem Energiesektor könnte auch die Verkehrs- und digitale Infrastruktur zu den wesentlichen Nutznießern des Sondervermögens zählen – hierzu gehören unter anderem europäische Mautstraßen, Flughäfen, Rechenzentren und Kommunikationstürme. Diese Subsektoren sind besonders gut aufgestellt. 

Insgesamt dürfte das geplante Sondervermögen der deutschen Bundesregierung sich positiv auf den deutschen, aber auch den europäischen Infrastrukturmarkt auswirken.

PrivateMarkets360: In welchen Regionen sehen Sie derzeit die vielversprechendsten Rahmenbedingungen für Infrastrukturinvestitionen, und welche Sektoren innerhalb des Infrastrukturbereichs erscheinen Ihnen aktuell besonders attraktiv?

Prabal Sidana: Die regionalen Investitionsmöglichkeiten variieren ähnlich wie bei Aktien und Anleihen stark. Aktuell besonders attraktiv sind die Bewertungen in Westeuropa und Vereinigten Königreich. Die USA bleiben zwar wegen ihres deutlich größeren Anlageuniversums der bedeutendste Markt, doch andere Regionen werden zunehmend attraktiver. So entfallen beispielsweise in unserer Listed Infrastructure-Strategie rund 80 Prozent der Investments traditionell auf Nordamerika, Westeuropa und das Vereinigte Königreich, während die restlichen 20 Prozent in unterschiedlichen Schwellenländern sowie Australien allokiert sind. Mit Blick auf die Schwellenländer sind vor allem Mexiko, Brasilien und China zu nennen. Jedoch müssen Investoren hier geopolitischen Risiken sowie die Gefahr neuer US-Zölle beachten. Daher sind selektive Anlagestrategien in diesen Märkten unabdingbar. 

Ein weiterer Vorteil von Investitionen in Infrastruktur liegt in der Vielfalt der unterschiedlichen Sektoren. Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine rückte das Thema Energiesicherheit in Europa wieder stärker in den Mittelpunkt – und zwar nicht nur als geopolitischer Faktor, sondern auch mit Blick auf das vorhandene Investitionspotenzial. Davon profitieren sowohl die klassische Energieinfrastruktur als auch erneuerbare Energien. Auch die Kommunikationsinfrastruktur eröffnet attraktive Chancen. Obwohl sich die Performance in diesem Bereich in den letzten rund 18 Monaten trotz stabil wachsender Erträge eher zurückhaltend entwickelt hat, wird in den nächsten 10 Jahren der Ausbau von 5G-Netzen sowie die wachsende Anzahl von Rechenzentren dem Sektor neuen Schwung und Wachstumsmöglichkeiten verleihen. In den USA bleiben insbesondere die großen Bahnbetreiber von Interesse – vor allem jene, die zugleich Eigentümer des regionalen Schienennetzes sind. Gerade im Westen des Landes, wo die Bevölkerungsdichte gering ist, sind Transporte über die Schiene unverzichtbar, um die Versorgung der Region zu gewährleisten.

PrivateMarkets360: Was unterscheidet Listed Infrastructure vom Gesamtmarkt – insbesondere mit Blick auf Risikoprofil, Ertragserwartung und Verhalten in unterschiedlichen Marktphasen?

Prabal Sidana: Zunächst einmal ist Listed Infrastructure eine sehr defensive Anlageklasse, die enorm widerstandsfähig ist. Dabei spielt das Zinsumfeld eine besondere Rolle, denn Projekte in Infrastruktur sind in der Regel zu Beginn stark fremdfinanziert und zudem kapitalintensiv. Veränderungen im Zinsumfeld können somit einen direkten Effekt auf die Bewertung haben. Besonders eine lockere Geldpolitik mit niedrigen Zinssätzen wirkt sich dabei positiv auf den Sektor und die Finanzierungskosten aus. Zudem entfalten sinkende Zinsen auf langfristige Vermögenswerte wie Listed Infrastructure eine überproportional starke Wirkung. Der meist höhere Verschuldungsgrad dieser Unternehmen wird durch die robusten Geschäftsmodelle und den gut prognostizierbaren Cashflows abgesichert.

Auch im Hinblick auf die Inflation zeigen sich börsennotierte Infrastrukturunternehmen widerstandsfähig: Während Aktien allgemein schon als geeigneter Schutz gegen steigende Inflation gelten, ist dieser Effekt bei börsennotierter Infrastruktur noch ausgeprägter. Ihr Inflationsschutz ist in der Regel integraler Bestandteil des Geschäftsmodells – sei es durch staatliche Regulierung, wie bei Versorgungsunternehmen, oder durch langfristige Verträge und Konzessionen, wie im Bereich Energie-Midstream oder bei Mautstraßen. Selbst in jenen wenigen Fällen, in denen kein expliziter Inflationsschutz besteht, verfügen diese Unternehmen häufig über eine starke Preissetzungsmacht – wie es beispielsweise bei Eisenbahngesellschaften oder Abfallentsorgern der Fall ist.  Insgesamt erweist sich die Listed Infrastructure als besonders wirksames Instrument zur Absicherung gegen inflationäre Entwicklungen – auch wenn sich der Inflationsschutz typischerweise erst mit einer kurzen zeitlichen Verzögerung von drei bis zwölf Monaten in den Erträgen widerspiegelt.

Auch innerhalb der Marktstrukturen unterscheidet sich der Sektor teils deutlich von anderen Branchen. Da Infrastruktur ein sehr kapitalintensives Geschäft ist, sind die Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber hoch. Gleichzeitig zeichnen sich viele Teilsektoren dadurch aus, dass sich nur eine Handvoll Anbieter den Markt teilen. Gewinne und Margen stehen so weniger unter Wettbewerbsdruck als es noch in anderen Branchen der Fall ist. 

Während der Gesamtmarkt zudem stark von aktuellen Trends und einer sich kontinuierlich wandelnden Technologie geprägt ist, bleibt der Bedarf an grundlegenden Infrastrukturen wie Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Stromnetzen und Bahnverbindungen dauerhaft bestehen. Diese Beständigkeit macht Investments in Listed Infrastructure deutlich widerstandsfähiger gegen plötzlichen Marktschwankungen. Auch gegenüber geopolitischen Schocks zeigt sich das Segment resilienter als der Gesamtmarkt, was sich zuletzt an den von US-Präsident am „Liberation Day“ verhängten Zöllen gezeigt hat.

PrivateMarkets360: Welche Entwicklungen erwarten Sie langfristig für den Bereich Listed Infrastructure – sowohl in Bezug auf Marktwachstum als auch auf Anlegerinteresse?

Prabal Sidana: Die langfristigen Wachstumsaussichten für Listed Infrastructure sind sektorübergreifend positiv. Dies begründet sich einerseits durch inflationsindexierte Ertragsströme, die für stabile und verlässliche Einnahmen sorgen. Andererseits wird der Sektor maßgeblich von globalen Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung, Clean Energy und Energiesicherheit gestützt. Infrastruktur hat einen Multiplikatoreffekt auf die Weltwirtschaft und ist für die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen unverzichtbar. Es ist wenig wahrscheinlich, dass diese grundlegende Funktion an Bedeutung verliert – ein Aspekt, der die fortlaufenden Investitionen in diesen Bereich sowie sein weiteres Wachstum stützt.

So schätzen die Experten von Oxford Economics, dass bis zum Jahr 2040 weltweit Investitionen in Höhe von etwa 94 Billionen US-Dollar erforderlich sind, um die zunehmende Infrastrukturlücke zu schließen. Davon entfallen nahezu 50 Billionen US-Dollar auf die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, während rund 20 Billionen US-Dollar in die Energieinfrastruktur und die Sicherstellung der Energiesicherheit fließen müssen. Zusätzlich wird die starke Nachfrage nach schnellen Datennetzen sowie das exponentielle Wachstum des Datenvolumens die Investitionen in die IT-Infrastruktur erheblich vorantreiben. Künstliche Intelligenz wird diesen Trend beschleunigen. Vor diesem Hintergrund sind Betreiber von Infrastrukturanlagen gut positioniert, um in den kommenden zwei Jahrzehnten ein attraktives Gewinnwachstum zu erzielen zu können.

PrivateMarkets360: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Sidana!

Über Prabal Sidana 

Prabal Sidana ist Global Head of Liquid Private Markets bei Partners Group und verantwortet die Auswahl und Steuerung börsennotierter Infrastruktur-, Private-Equity- und Immobilieninvestitionen. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich der privaten Märkte, davon rund sieben Jahre bei Partners Group, und leitet ein spezialisiertes Team sowie das dazugehörige Investmentkomitee, das wöchentlich über Anlageentscheidungen auf Basis detaillierter Analysen und ESG-Kriterien entscheidet.

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