Nach einem verhaltenen Jahresauftakt hat sich der deutsche Markt für Wagniskapital im zweiten Quartal 2025 spürbar belebt. Wie KfW Research im aktuellen Venture Capital Dashboard mitteilt, flossen in diesem Zeitraum 2,4 Milliarden Euro in deutsche Start-ups – ein Anstieg von 45% gegenüber dem Vorquartal. Im ersten Halbjahr summierte sich das Transaktionsvolumen auf knapp 4 Milliarden Euro.
Zahl deutscher Einhörner auf Rekordhoch
Die Zahl der Unternehmen mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar – sogenannte Einhörner – erreichte Ende Juni mit 32 einen neuen Höchststand. Maßgeblich für die Entwicklung war das Scale-up-Segment, also junge Unternehmen mit erprobtem Geschäftsmodell und Expansionsbedarf. Auf sie entfielen 57% der Investitionssumme, darunter mehrere Großfinanzierungen über 100 Millionen Euro. Insgesamt wurden im zweiten Quartal 208 Finanzierungsrunden verzeichnet, davon 98 mit einem Volumen ab 1 Million Euro.
Hoher Anteil internationaler Kapitalgeber
Laut KfW Research waren erneut vor allem Investoren aus dem Ausland aktiv: Im Scale-up-Bereich stammte über ein Drittel der Mittel aus den USA – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorquartal. „Wir können bisher keine Auswirkungen der Wirtschafts- und Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump auf die Auslandsinvestitionen von US-Wagniskapitalgebern in Deutschland feststellen“, sagte Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.
Deutscher VC-Markt profitiert von Netto-Kapitalzuflüssen
Eine ergänzende Studie von KfW Research zeigt: Zwischen 2020 und 2024 investierten ausländische Investoren rund 37 Milliarden Euro in deutsche Start-ups. Im selben Zeitraum flossen etwa 21 Milliarden Euro von deutschen Kapitalgebern in ausländische Jungunternehmen – ein Nettozufluss von rund 16 Milliarden Euro. Damit gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den wenigen Ländern mit positiver Kapitalbilanz im Venture-Capital-Sektor.
Starke Abhängigkeit vom Ausland birgt Risiken
Gleichzeitig macht KfW Research auf strukturelle Abhängigkeiten aufmerksam: Nur rund ein Viertel der Finanzierung deutscher Start-ups stammte zwischen 2020 und 2024 aus dem Inland, 31% hingegen aus den USA und 10% aus Asien. „Die hohen Zuflüsse auf den deutschen Wagniskapitalmarkt sind in erster Linie Ausdruck der Qualität und des Innovations- und Wachstumspotenzials, das ausländische Investoren den deutschen Start-ups beimessen“, so Dr. Steffen Viete, Experte für Wagniskapital bei KfW Research.
KfW fordert Verbesserung der Rahmenbedingungen
Angesichts dieser Dynamik betont KfW Research die Notwendigkeit wirtschaftspolitischer Unterstützung. „Die Förderung des deutschen Markts für Wagniskapital bleibt eine wichtige wirtschaftspolitische Aufgabe“, sagte Viete. Dazu gehörten insbesondere stärkere Exit-Kanäle wie Börsengänge und Unternehmensübernahmen, um die Renditeperspektiven zu verbessern und Start-ups langfristig in Deutschland zu halten.
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