PrivateMarkets360: Herr Lorenz, welche Auswirkungen haben das aktuelle Zinsumfeld, die verfügbare Marktliquidität und geopolitische Risiken auf die Entwicklung von Listed Private Equity?
Benjamin Lorenz: Veränderungen im Zinsumfeld beeinflussen – wie bei den meisten anderen Anlageklassen – auch das Segment Listed Private Equity (LPE). Während steigende Zinsen einen eher negativen Einfluss ausüben, schaffen fallende Zinsen verbesserte Voraussetzungen für die Finanzierung von Private-Equity-Deals und wirken sich dadurch positiv auf die Renditen aus. Für eine vorteilhafte Entwicklung von LPE sind jedoch weniger das absolute Niveau als vielmehr die Veränderung bzw. die Volatilität der Zinsen entscheidend. Niedrigere Zinsen sind nicht zwingend erforderlich für eine positive Entwicklung des Segments; das aktuelle Zinsniveau reicht hierfür aus. Steigende oder gar schnell steigende Zinsen hingegen haben einen negativen Einfluss, was sich gegen Ende 2022 in einem Einbruch der Transaktionsaktivitäten zeigte. Mittlerweile nimmt die Aktivität wieder zu, was sich in optimistischeren Ausblicken der jeweiligen Private Equity Manager widerspiegelt. In Bezug auf die Marktliquidität hat sich wenig geändert: Das Segment Listed Private Equity wächst seit Jahren kontinuierlich und wird zunehmend liquider – diese Entwicklung setzt sich fort.
Geopolitische Entwicklungen beeinflussen ebenfalls die Entwicklung von Listed Private Equity, wie jüngst die von US-Präsident Trump ausgelöste Unsicherheit aufgrund seiner Zollankündigungen. Besonders nach dem „Liberation Day“ ist die Volatilität deutlich gestiegen. Noch gegen Ende des vergangenen Jahres zeigte sich ein anderes Bild: Die Kurse von Private-Equity-Managern legten deutlich zu, da erwartet wurde, dass Trump die Transaktionsaktivität anregt, seine Politik zu niedrigeren Zinsen führen könnte und der Zugang zu US-Pensionsplänen für Private Equity Produkte verbessert wird – insbesondere zu 401(k)-Plänen. Denn deren langfristiger Anlagehorizont eignet sich ideal für langfristige Investitionen wie Private Equity.
PrivateMarkets360: Was macht Listed Private Equity aus Ihrer Sicht zu einer sinnvollen Ergänzung in institutionellen Portfolios?
Benjamin Lorenz: Private Equity hat über viele Marktphasen hinweg höhere Renditen erzielt als traditionelle Aktienmärkte – ein Exposure in diesem Bereich ist daher auch für institutionelle Investoren sinnvoll. Zudem verfügt das Segment über tägliche Liquidität, sodass Portfolios schnell und flexibel an sich ändernde Marktsituationen angepasst werden kann.
Im Vergleich mit traditionellen Private Equity Fonds profitieren Investoren bei Listed Private Equity von keinen oder nur sehr geringen Mindestinvestitionssummen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das gesamte Kapital unmittelbar investiert ist und Renditen erwirtschaftet. Ein Investor muss somit nicht über mehrere Jahre hinweg ein Private-Equity-Portfolio aufbauen. Listed Private Equity bietet zudem ein breit diversifiziertes Exposure über eine Vielzahl von Managern, Vintages sowie Portfolio-Unternehmen. Auch sind derzeit verschiedene Segmente des LPE-Universums attraktiv bewertet, insbesondere Private-Equity-Vehicle. Im Gegensatz dazu steht der breite Aktienmarkt: Während der MSCI World etwa eine Standardabweichung über seinem langfristigen Kurs-Gewinn Verhältnis notiert, handeln Private-Equity-Vehicle, die typischerweise anhand des Preis-zu-Buch Verhältnisses gemessen werden, mit einem Abschlag von rund 30% verglichen mit ihrem historischen Mittel von 16%.
PrivateMarkets360: Wie hat sich der Markt für Listed Private Equity in letzter Zeit im Vergleich zu breiten Aktienindizes entwickelt – und wie beurteilen Sie die weiteren Aussichten?
Benjamin Lorenz: In den vergangenen Jahren hat sich Listed Private Equity (LPE) sehr überzeugend entwickelt. Die Stärke dieser Entwicklung wird insbesondere im Vergleich mit den breiten Aktienindizes deutlich: In den Jahren 2024 und 2023 konnte LPE diese deutlich übertreffen – und das trotz eines Marktumfelds, das stark von der Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz geprägt war. Während KI-bezogene Erwartungen die Bewertungen an den Aktienmärkten zum Jahresende 2024 und zu Beginn 2025 deutlich steigen ließen – zeitweise auf ein Niveau von 1,8 Standardabweichungen über dem langfristigen Durchschnitt des erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisses –, blieb LPE von dieser Dynamik weitgehend unberührt. Dies resultiert in einer attraktiveren Bewertung für das Listed Private Equity Segment.
Entscheidender als kurzfristige Marktentwicklungen ist jedoch die langfristige Wertentwicklung. Auch hier zeigt LPE eine starke Performance und liegt klar vor den breiten Aktienmärkten. Ein Beispiel hierfür ist unsere Listed Private Equity-Strategie, die – auch unter Berücksichtigung der jüngsten Kursanpassungen – über Zeiträume von drei, fünf und zehn Jahren hinweg eine jährliche Netto-Outperformance von 2,7 bis 4,8 Prozent gegenüber dem MSCI World erzielen konnte.
Trotz dieser Outperformance bleibt der Ausblick für Listed Private Equity vielversprechend. Das Segment gliedert sich in zwei wesentliche Bereiche: Zum einen Beteiligungsgesellschaften, die mit eigenem Kapital in Private Equity Deals investieren, zum anderen Alternative Asset Manager, die Kundengelder verwalten und neben der Wertentwicklung des Portfolios, Managementgebühren und Gewinnbeteiligungen generieren. Alternative Asset Manager profitieren dabei von mehreren Faktoren. Ein bedeutender Wachstumsmotor in den kommenden Jahren wird das Private Wealth Segment sein. Zahlreiche Manager innerhalb unseres Portfolios entwickeln bereits spezialisierte Produkte, die gezielt auf diesen Markt zugeschnitten sind. Zudem könnte unter der Trump-Administration der Zugang von Private Equity zu US-Pensionsplänen, insbesondere den 401(k)-Plänen, verbessert werden. Aufgrund ihres langfristigen Anlagehorizonts eignen sich diese Pläne besonders gut für Investitionen in Private Equity. Auch die Aufnahme von Unternehmen wie beispielsweise Ares Management und Brookfield in wichtige Indizes, etwa den S&P 500, dürfte diesem Segment zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Daneben bieten Beteiligungsgesellschaften attraktive Chancen. Trotz einer starken jährlichen Portfolioentwicklung von 10 bis 13 Prozent über die letzten fünf bis zehn Jahre wird der Sektor derzeit mit einem Abschlag von etwa 26 Prozent auf den Portfoliowert (Nettoinventarwert) gehandelt. Dies eröffnet Investoren die Möglichkeit, von steigenden Portfoliowerten und zusätzlich von potenziellen Abschlagsreduktionen zu profitieren.
PrivateMarkets360: Welche Rolle spielt Liquidität bei börsennotierten Private-Equity-Investments – und welchen Mehrwert bietet die tägliche Handelbarkeit für Investoren?
Benjamin Lorenz: Liquidität und tägliche Handelbarkeit spielen eine elementare Rolle bei Investitionen in Listed Private Equity. Denn diese ermöglichen eine flexible und zeitnahe Anpassung des Portfolios an sich verändernde Marktbedingungen sowie an individuelle Liquiditätsanforderungen. Im Gegensatz zu klassischen Private-Equity-Fonds, mit keiner oder nur sehr erschwerter Liquidität, können die Aktien börsennotierter Private-Equity-Gesellschaften täglich an der Börse gehandelt werden. Dies schafft kontinuierliche Flexibilität, führt aber auch zu einer stärkeren Abhängigkeit von kurzfristigen Marktschwankungen.
PrivateMarkets360: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lorenz!
Über Benjamin Lorenz:
Benjamin Lorenz ist Senior Portfoliomanager bei der Partners Group. Seit 2011 verantwortet er die Verwaltung von börsennotierten Private-Equity-Portfolios sowie ausgewählten Multi-Asset-Strategien mit einem Gesamtvolumen von über 500 Millionen Euro. Als stimmberechtigtes Mitglied des Investmentkomitees ist er zudem an der Steuerung von Vermögenswerten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro beteiligt – über mehrere Anlageklassen hinweg, darunter Listed Private Equity, Infrastruktur, Immobilien und High-Yield-Anleihen. Sein Investmentansatz ist langfristig und wertorientiert, basierend auf fundamentaler Analyse. Darüber hinaus ist er für die externe Kommunikation mit Kunden verantwortlich.
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