BAI-Report: Reverse Home Bias bremst Infrastrukturinvestments in Deutschland

Trotz steigender Nachfrage institutioneller Anleger nach Infrastrukturinvestments bleibt der deutsche Markt - mit Ausnahme der Erneuerbaren - schwer zugänglich. Der neue Infrastruktur-Report des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) analysiert Hindernisse und präsentiert Lösungsansätze, um privates Kapital besser in kommunale und nationale Projekte zu lenken.

Statistiken & Regulatorik

15.08.2025 10:03 Uhr
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Privates Kapital findet kaum Zugang zur kommunalen Infrastruktur

Wie der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI) im aktuellen Infrastruktur-Report Deutschland 2025 mitteilt, wächst das Interesse institutioneller Investoren an Infrastrukturinvestments weiter - sowohl bei Equity als auch bei Debt. Dennoch bleibt der Großteil deutscher Infrastrukturprojekte für privates Kapital unzugänglich. Nur im Bereich der Erneuerbaren Energien sind nennenswerte Allokationen in deutsche Projekte erkennbar. Andere Sektoren, insbesondere kommunale Infrastruktur, sind nach wie vor weitgehend verschlossen.

Ein zentrales Ergebnis des Reports: Der sogenannte „reverse Home Bias“ ist weiterhin ausgeprägt. Trotz hoher Liquidität und langfristiger Anlageziele investieren deutsche Investoren überproportional im Ausland. Der Hauptgrund sind strukturelle Hemmnisse im Inland - darunter bürokratische Genehmigungsverfahren, fehlende Projektbündelung, geringe Skaleneffekte und unattraktive Risiko-Rendite-Profile. Diese machen kommunale Infrastruktur trotz grundsätzlich stabiler Cashflows und staatlicher Absicherung für viele institutionelle Investoren unattraktiv.

Laut dem Report reichen die Mittel aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundesregierung allein nicht aus, um den massiven Investitionsbedarf - insbesondere im kommunalen Bereich - zu decken. Eine Hebelung durch privates Kapital sei daher unabdingbar. Der Gesetzesentwurf zum Sondervermögen lasse allerdings offen, wie eine Einbindung privater Investoren konkret erfolgen soll.

Lösungsansätze: Standardisierung, Projektbündelung, Risikopartnerschaften

Der BAI fordert daher konkrete Maßnahmen, um privates Kapital zu mobilisieren. Neben regulatorischen Reformen und der Etablierung von First-Loss-Strukturen werden vor allem die Standardisierung von Finanzierungsprozessen und überregionale Projektbündelungen als zentrale Hebel identifiziert. Positive Beispiele aus Frankreich könnten als Orientierung dienen.

„Während die Nachfrage deutscher Investoren nach Infrastrukturinvestitionen hoch ist, bleibt ein 'reverse home bias' bestehen - mit Ausnahme der Erneuerbaren sind die meisten inländischen Infrastruktursektoren, insbesondere kommunale Infrastruktur, weitgehend für privates Kapital verschlossen", kommentiert Dr. Philipp Bunnenberg, Head of Alternative Markets bei BAI, dazu auf Linkedin.

Der Report basiert auf dem BAI Investor Survey 2024, ergänzt um Marktanalysen und Experteninterviews mit institutionellen Investoren und Asset Managern. Ziel ist es, die politische und regulatorische Debatte zu fördern und Investitionsbarrieren konkret abzubauen.

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