Mit der steigenden Lebenserwartung wächst weltweit der Bedarf an langfristiger Altersvorsorge. Institutionelle Investoren reagieren darauf mit Allokationen in Private Equity, Infrastruktur, Private Debt und Immobilien - Anlageklassen, die langfristige Renditepotenziale und Diversifikation über Konjunkturzyklen hinweg bieten. Auch Privatanleger zeigen zunehmend Interesse, sind aber bislang strukturell unterrepräsentiert. Laut Bain könnte sich ihre Nachfrage nach Private Assets in den kommenden zehn Jahren verdreifachen.
Quelle: Prequin, GlobalData, Bain analysis
Regulatorisch unterstützen Aufsichtsbehörden und Asset Manager diesen Trend. Die überarbeitete Verordnung für europäische langfristige Investmentfonds (ELTIF 2.0) bildet seit Anfang 2024 einen neuen Rahmen, um Privatinvestoren den Zugang zu ermöglichen. „Das ELTIF-2.0-Label ist eine fantastische Innovation“, erklärt Frédéric Drouin, Senior Product Developer bei Natixis Investment Managers. Private Debt und Infrastruktur seien nun erstmals für Retail-Investoren investierbar - zuvor ausschließlich institutionellen Kunden vorbehalten.
Diversifikation durch strukturierte Vehikel
Einzelanleger verfügen oft nicht über das Know-how oder Kapital, um selbst ein ausgewogenes Private-Asset-Portfolio aufzubauen. Dachfonds bieten hier eine Lösung, indem sie das Kapital über mehrere geschlossene Fonds streuen. „Durch eine Allokation in verschiedene Private-Asset-Klassen können Sie Diversifikation und Renditepotenziale steigern und gleichzeitig Risiken reduzieren“, so Philippe Faget, Head of Private Assets bei Vega Investment Solutions.
Die geringe Korrelation zwischen einzelnen Segmenten, etwa Private Equity, Infrastruktur und Immobilien, kann die Volatilität weiter senken. Ein diversifiziertes Private-Asset-Portfolio bietet so mitunter bessere Stabilität als Engagements in nur einem Segment.

Liquidität als kritischer Faktor
Evergreen-Fonds gelten als geeignete Struktur für semi-liquide Investments. Sie ermöglichen kontinuierliche Kapitalflüsse, sind aber auf präzises Liquiditätsmanagement angewiesen. „Liquidität ist entscheidend - diese kann der Manager über höhere Barreserven oder längere Kündigungsfristen steuern“, erläutert Laurence David von Natixis. Die ELTIF-2-Verordnung schafft hier Flexibilität, etwa durch die Absenkung der Mindestquote nicht-börsennotierter Assets von 70 % auf 55 %.
Trotz dieser Fortschritte bleibt der Zugang anspruchsvoll. Fondsmanager benötigen erfahrene Vertriebspartner, die regulatorische, steuerliche und operative Besonderheiten der jeweiligen Märkte verstehen. Auch das Domizil des Fonds, häufig Luxemburg, kann entscheidend sein, etwa für steuerliche Behandlung und Investorenakzeptanz.
Fazit
Private Assets werden zunehmend auch für Privatanleger zugänglich. ELTIF 2.0 und strukturierte Evergreen-Vehikel schaffen die regulatorische Grundlage, erfordern aber professionelles Management, fundierte Marktkenntnis und realistische Erwartungen. In einem Umfeld demografischer, technologischer und geopolitischer Umbrüche bieten sie langfristige Chancen - sofern Zugang, Timing und Diversifikation stimmen.
Stand März 2025
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