Private-Equity-Zugang im Wandel: Natixis-IM-Trio über die Rolle von Evergreen-Fonds

Private Equity galt lange als Domäne institutioneller Großanleger - zu komplex, zu illiquide, zu exklusiv. Mit regulatorischen Neuerungen und innovativen Fondsformaten rückt die Anlageklasse nun verstärkt auch in den Fokus privater Investoren. Evergreen-Fonds versprechen dabei eine strukturierte Balance zwischen langfristiger Kapitalbindung und teilweiser Liquidität. Im Gespräch mit PrivateMarkets360 erläutern Patrick Sobotta, Nicolas Audhoui-Darthenay und Michael Jäger von Natixis Investment Managers, wie diese Strukturen funktionieren, welche Zielgruppen angesprochen werden und warum ein klarer Fokus auf Allokation, Risikosteuerung und regulatorische Konformität entscheidend ist.

Akademie

05.09.2025 09:02 Uhr
Patrick Sobotta, Executive Managing Director und Regional Head für Deutschland, Österreich sowie Mittel- und Osteuropa, Nicolas Audhoui-Darthenay, Head of Private Assets Product & Michael Jäger, Managing Director und Head of Private Assets Central & Eastern Europe bei Natixis Investment Managers / © PrivateMarkets360 / Natixis Investment Managers
Patrick Sobotta, Executive Managing Director und Regional Head für Deutschland, Österreich sowie Mittel- und Osteuropa, Nicolas Audhoui-Darthenay, Head of Private Assets Product & Michael Jäger, Managing Director und Head of Private Assets Central & Eastern Europe bei Natixis Investment Managers / © PrivateMarkets360 / Natixis Investment Managers

PrivateMarkets360: Private Equity gilt für viele als Königsdisziplin der Kapitalanlage. Was reizt insbesondere Privatanleger an dieser Assetklasse und welche Hürden bestehen noch?

Patrick Sobotta: Private Equity richtet sich primär an Anleger, die bereits andere Assetklassen wie Aktien, Anleihen oder Derivate halten und gezielt nach zusätzlichen Diversifikations- und Renditequellen suchen. Im Gegenzug für eine höhere Zielrendite und Diversifikation müssen Investoren jedoch Illiquidität und Komplexität akzeptieren - insbesondere bei Direktinvestitionen. Hier kommen spezialisierte Managementgesellschaften ins Spiel, die Zugang und Strukturierung übernehmen.

Ein zentrales Anliegen vieler Privatanleger ist die Flexibilität - etwa im Hinblick auf Lebensereignisse oder sich verändernde finanzielle Bedürfnisse. Klassische geschlossene Private-Equity-Fonds mit Kapitalabrufen und langen Laufzeiten erfüllen diese Anforderungen nicht. Evergreen-Fonds mit offener Struktur können hier eine Brücke schlagen und einen flexibleren Zugang zur Anlageklasse ermöglichen.

PrivateMarkets360: Liquiditätsaspekte stehen bei Private-Markets-Investments naturgemäß im Fokus - insbesondere, wenn Anleger regelmäßige Kapitalverfügbarkeit gewohnt sind. Gerade Evergreen-Fonds versprechen hier mehr Flexibilität. Welche Modelle der Liquiditätssteuerung haben sich in der Praxis bewährt?

Nicolas Audhoui-Darthenay: Im Gegensatz zu traditionellen Aktien- oder Anleihefonds mit täglichem Nettoinventarwert und täglicher Handelbarkeit bieten Evergreen-Private-Equity-Fonds nur begrenzte Liquidität - typischerweise monatlich oder quartalsweise. Diese Liquidität muss zur Anlageklasse passen. Es gibt zwei Haupttypen: Fonds mit externer Liquidität durch Versicherer und Fonds mit internem Liquiditätsmanagement.

Versicherungsgebundene Fonds bieten meist regelmäßige Liquidität (z. B. wöchentlich oder monatlich) durch eine kleine Liquiditätsreserve. Sie werden jedoch fast ausschließlich im Rahmen von Lebensversicherungen und über kaptive Vertriebsnetze vertrieben, was das Angebot begrenzt und häufig zu schwächerer Performance führt.

Bei intern verwalteten Evergreen-Fonds wird Liquidität durch gezielte Allokation in liquide oder veräußerbare Assets sichergestellt. Historisch liegt die Liquiditätsquote bei rund 30% (z. B. in Frankreich), kann jedoch durch optimierte Strukturen wie Fonds gesenkt werden. Solche Fonds sind nicht auf Versicherungsprodukte angewiesen und können dennoch regulatorisch konform für diese genutzt werden, etwa im Rahmen von FCPR-Strukturen.

Zudem kann Liquidität auch durch sogenannte Gating-Mechanismen kontrolliert werden. Insbesondere bei französischen Fonds wie FCPR. Das neue europäische ELTIF-Format erlaubt ebenfalls eine solche Limitierung, was jedoch Risiken birgt: Anleger könnten in Phasen mit hohem Kapitalbedarf keinen Zugriff auf ihre Mittel haben. Daher ist bei ELTIFs besondere Vorsicht geboten - insbesondere bei Fonds, die primär auf Gating statt Cashflows oder Veräußerungen setzen.

Michael Jäger: Um daran anzuknüpfen. Diese Produkte und Mechanismen sind für viele Anleger aus dem klassischen Wholesale- und Retail-Segment noch Neuland. Daher legen wir großen Wert auf Aufklärung und Transparenz. Wir stellen umfangreiche Schulungsartikel und Lernmodule bereit - etwa über unsere frei zugängliche Private Assets Academy.

PrivateMarkets360: Viele Anleger fragen nach klaren Zielrenditen. Welche langfristige Performance ist bei Private Equity aus Ihrer Sicht realistisch - insbesondere im Retail-Kontext?

Patrick Sobotta: Private Equity bietet Zugang zu einer Illiquiditätsprämie. Ziel sind langfristig zweistellige annualisierte Renditen. Eine Zielrendite von über 10% jährlich erscheint angemessen angesichts der geringeren Liquidität und Komplexität der Assetklasse. Eine solche Performance kann über sieben Jahre zur Kapitalverdopplung führen und langfristige Ziele wie Altersvorsorge oder Bildungsfinanzierung unterstützen.

PrivateMarkets360: Evergreen-Fonds gelten oft als Kompromiss. Wie schlägt sich ihr Renditepotenzial im Vergleich zu klassischen geschlossenen Fonds?

Nicolas Audhoui-Darthenay: Geschlossene Fonds weisen nur minimale Liquiditätsreserven auf. Anleger müssen jedoch selbst Liquidität vorhalten, um Kapitalabrufe zu bedienen, oder erhalten Rückflüsse erst spät - was die effektive Rendite durch Cash-Dilution schmälert.

Evergreen-Fonds verfügen über eine feste Liquiditätsquote, die Rückgaben ermöglicht. Anleger können flexibler ein- und aussteigen, wodurch ungenutzte Liquidität auf dem eigenen Konto kaum entsteht. Zwar besteht eine permanente, aber geringere Cash-Dilution - im Gegensatz zur stark zyklischen bei geschlossenen Fonds.

Abgesehen von der Aufbauphase wird Kapital in Evergreen-Fonds sofort investiert, da neue Anleger von bestehenden Investments profitieren. Bei geschlossenen Fonds kann es hingegen Jahre dauern, bis das Kapital deployt ist - was auch längere Wartezeiten auf Rückflüsse bedeutet. Wird die Liquiditätsreserve effizient strukturiert, können Evergreen-Fonds Renditen erzielen, die geschlossenen Fonds nahekommen. Bei Natixis IM investieren solche Strukturen bis zu 80% in „reines“ Private Equity.

PrivateMarkets360: Bietet Natixis IM Zugang zu allen Private-Markets-Plattformen der Gruppe oder nur zu ausgewählten Bereichen?

Michael Jäger: Natixis IM verwaltet über 100 Mrd. Euro in Private Assets - darunter Real Estate, Infrastruktur und Private Equity. Investoren erhalten Zugang zu spezialisierten Asset Managern mit klarer Investmentphilosophie und überzeugender Erfolgsbilanz.

Unser Angebot deckt europäische, amerikanische und asiatische Märkte ab und umfasst Strategien in Private Equity, Private Debt, Immobilien, Infrastruktur sowie Multi-Asset-Lösungen. Nachhaltige Strategien - etwa Impact Private Equity, Energieinfrastruktur oder Natural Capital - sind ebenfalls Bestandteil unseres Portfolios.

Für Privatanleger stehen verschiedene Zugangswege offen - insbesondere über Evergreen-Fonds mit Fokus auf Private Equity oder diversifizierte Private Assets.

PrivateMarkets360: Vielen Dank für das Gespräch!

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Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.