Robin Binder: Ich habe hautnah miterlebt, wie Menschen mit „nur" 50.000 oder 100.000 Euro Vermögen von Privatbanken und Vermögensverwaltern schlichtweg ignoriert wurden – obwohl sie genauso berechtigt sind, von den Renditen zu profitieren, die Private Equity, Private Debt oder Infrastruktur-Investments bieten können. Diese künstliche Exklusivität hat mich gestört, weil sie letztendlich die Vermögensungleichheit verstärkt.
Was NAO von anderen Fintechs unterscheidet, ist nicht nur unser technischer Ansatz – der direkte Co-Investment-Mechanismus in Fonds von institutioneller Qualität, der Investitionen ab einem Euro ermöglicht – sondern die dahinterstehende Überzeugung: Warum sollte der Zugang zu attraktiven Investments vom Kontostand abhängen? Wir haben NAO als digitale Antwort auf eine strukturelle Ungerechtigkeit im Finanzsystem entwickelt.
Unsere App, der erste mobiler Broker für alternative Investments, ist bewusst so konzipiert, dass er die traditionellen Gatekeeper umgeht und jedem Menschen ermöglicht, sein Geld dort zu investieren, wo bisher nur Vermögende Zugang hatten.
Robin Binder: Diese Kritik kenne ich gut und sie ist nicht von der Hand zu weisen – in den traditionellen Strukturen war das tatsächlich oft der Fall. Genau deshalb haben wir NAO bewusst anders aufgebaut.
Der entscheidende Unterschied: Wir kaufen nicht die Reste auf, die institutionelle Investoren nicht wollen. Unsere Nutzer investieren parallel zu etablierten institutionellen Partnern in dieselben Strategien. Wenn ein Family Office in einen bestimmten Private Equity-Fonds investiert, können NAO-Nutzer über unsere Plattform in exakt denselben Fonds mit-investieren – nur eben schon ab einem Euro statt ab mehreren Millionen. Dadurch, dass wir viele kleine Beträge bündeln, können wir als Plattform gemeinsam Volumina wie “die Großen” investieren.
Dieser Zugang zu professionellen Strategien und damit die Unterbindung adverser Selektion ist Kern unseres Geschäftsmodells. Wir führen bei der Auswahl unserer Anlagen eine gründliche Analyse durch und achten beispielsweise auf Faktoren wie die Allokationspolitik der Fonds, Renditepotenzial, Volatilität, historische Performance und zukünftige Wachstumstrends. Wir bieten nur Produkte an, die verständlich sind und vom Risikogehalt und der Komplexität her zu unserer Community passen. Daher schafft es auch nicht jede Strategie auf unsere Plattform, sondern nur die Produkte, von denen wir komplett überzeugt sind. Das spiegelt sich auch darin wider, dass ich in jeden Fonds selbst investiere.
Natürlich bedeutet das nicht, dass jedes Investment erfolgreich wird – Private Markets bleiben risikoreich. Illiquidität, lange Laufzeiten und mögliche Verluste bleiben bestehen. Aber unsere Nutzer bekommen Zugang zu derselben Qualität und denselben Konditionen wie große institutionelle Investoren.
Die wahre Demokratisierung liegt nicht darin, Retail-Investoren separate, minderwertige Produkte anzubieten, sondern ihnen den Zugang zu denselben Opportunitäten zu ermöglichen, die bisher Vermögenden vorbehalten waren. Das ist unser Anspruch bei NAO.
Robin Binder: Die 1-Euro-Sparpläne sind definitiv keine Spielerei, sondern eine logische Weiterentwicklung unseres Ansatzes.
Wir hatten ursprünglich eine Mindestinvestition von 1.000 Euro – bereits das niederschwelligste Angebot am Markt. Viele Menschen möchten neue Anlageklassen aber gerne mit noch kleineren Beträgen testen. Wir haben festgestellt, dass unsere Nutzer lediglich zu Beginn kleinere Beträge investieren. Im Schnitt vervierfachen sich die Einlagen pro Kunde über einen Zeitraum von rund zehn Monaten.
Dazu kommt: Ein Sparplan mit Mindestinvestition erschien uns eher exklusiv als inklusiv und passte damit nicht zum Ansatz von NAO. Deshalb haben wir die Schwelle so niedrig wie möglich gewählt, um niemanden mehr auszuschließen, der Private Markets testen möchte.
Ökonomisch funktioniert das Modell, weil wir dieselben Konditionen wie beim klassischen Kauf anwenden, für Sparpläne fallen keine extra Gebühren an. NAO erhebt generell keine Gebühren für Konto- und Depotführung, lediglich 1-2% beim Kauf und 0,50-0,79% beim Verkauf. Unsere typische Sparplangröße bewegt sich im Bereich mehrerer hundert Euro.
Der Break-even ergibt sich durch die Masse und dem hohen Maß an Technologie, das wir einsetzen: Wir haben bereits eine hohe vierstellige Nutzeranzahl und verwalten ein achtstelliges Volumen an Kundeneinlagen. Durch unseren rein digitalen Ansatz reduzieren wir die Servicekosten pro Kunde drastisch, während der Co-Investment-Ansatz bessere Konditionen ermöglicht. Es macht für uns keinen Unterschied, ob eine Person oder tausende hinter einem Trade stehen. Händische Prozesse gibt es bei uns nicht.
Das Potenzial schätzen wir sehr hoch ein. Gerade bei langfristigen Anlageklassen wie Private Equity profitieren Anleger vom Cost-Average-Effekt, und Market Timing wird weniger relevant. Sparpläne sind bei Endkunden extrem beliebt im liquiden Bereich – wir gehen davon aus, dass dies im illiquiden Bereich nicht anders sein wird.
Robin Binder: Der größte Schwachpunkt ist meiner Ansicht nach die völlig intransparente und ineffiziente Infrastruktur mit vielen tradierten Stakeholdern. Über unsere Oberfläche geht der Kauf von Private Equity & Co. zwar leicht von der Hand, im Hintergrund sind die Prozesse jedoch unverändert sehr manuell, ineffizient und damit teuer. Außerdem sind aus meiner Sicht noch zu viele Parteien bei der Abwicklung und Lieferung von Private Market Trades involviert. Das erhöht nicht nur die Fehleranfälligkeit, sondern steigert auch die Kosten, da jede Partei Gebühren erhebt. Am Ende führt das zu einer systematischen Erosion der Nettoperformance.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Standardisierung bei Reporting und sehr unterschiedliche Sichtweisen zu Transparenz des Portfolios. Jeder Manager hat seine eigenen Reportingzyklen und -formate. Als Investor oder Vermögensverwalter verbringt man unverhältnismäßig viel Zeit damit, verschiedene Datenquellen zu harmonisieren, anstatt sich auf die Investmententscheidungen zu konzentrieren. Zusätzlich werden manchmal alle Portfoliobestandteile uneingeschränkt offengelegt und die Investmentthesen erklärt – wohingegen sich einige Manager gar nicht in die Karten schauen lassen und lediglich mit Projektnamen arbeiten.
Regulatorisch hat sich die Situation mit der ELTIF 2.0-Novelle aus Januar 2024 deutlich verbessert. Die EU hat ein einheitliches, verbraucher- sowie managerfreundliches Rahmenwerk geschaffen. Privatanleger in ganz Europa erhalten durch die neue Regulierung die Möglichkeit, in Vermögenswerte abseits der öffentlichen Märkte zu investieren.
Aber um es nochmal kurz zusammenzufassen: Das Ökosystem braucht mehr Technologie sowie Transparenz und weniger Papierkram.
Robin Binder: In fünf Jahren werden Private Markets definitiv ein fester Bestandteil jedes Portfolios sein – aber nicht für jeden Retail-Investor gleichermaßen.
Ich sehe drei Entwicklungen: Erstens werden sich spezialisierte Digital-Plattformen wie NAO etablieren, die echten und einfachen Zugang zu Top-Strategien bieten. Zweitens werden traditionelle Banken ihre Private-Markets-Angebote für kleinere Vermögen öffnen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Drittens entstehen neue hybride Produkte und Lösungen, die Liquidität und Private-Markets-Exposure kombinieren.
Wir erleben gerade einen fundamentalen Shift: Die demografische Entwicklung, erneut niedriger werdende Zinsen auf traditionelle Anlagen, hohe Bewertungen am Aktienmarkt und die Suche nach unkorrelierten Renditen treiben strukturell mehr Kapital in Private Markets. Gleichzeitig digitalisiert sich die gesamte Finanzbranche. Investitionen, die früher nur über manuelle Prozesse und hohe Mindestanlagen möglich waren, werden zunehmend standardisiert und skalierbar.
ELTIF 2.0 war hier der regulatorische Durchbruch, der die europäische Harmonisierung ermöglicht hat. Aber entscheidend wird sein, welche Player die richtige Balance zwischen Zugänglichkeit und qualitativ hochwertigen Investments finden. Anbieter, die nur auf den „Demokratisierungs-Hype“ setzen, ohne echte Mehrwerte zu liefern, werden verschwinden. Vor diesem Hintergrund ist es schön zu beobachten, dass eine Vielzahl an globalen Topmanagern in Europa auf den Plan treten.
Der Retail-Markt wird sich polarisieren: Für langfristig orientierte Sparer werden Private Markets zur Normalität. Für kurzfristig agierende oder risikoaverse Anleger bleiben sie Nische. Aber eines ist sicher: Private Markets im Retail sind gekommen, um zu bleiben.
Ich bin sicher, dass wir durch innovative Produkte und Anbieter in fünf Jahren nicht mehr zwischen Private und Public Markets unterscheiden werden, sondern nur noch, ob es sich um ein Equity oder Debt Investment handelt – losgelöst von einer Börsennotierung.
Aus seinen Erfahrungen in der Finanz- und Asset-Management-Welt entsprang die Idee, ein eigenes Fintech zu gründen: NAO ist eine Multi-Asset-Plattform, die Investments ab einem Euro in Anlageklassen wie Private Equity, Venture Capital, Infrastruktur und Hedgefonds ab 1 Euro möglich macht. Durch den Co-Investment-Ansatz eröffnet NAO neue Möglichkeiten für Menschen, die bisher von Vermögensverwaltern und Privatbanken aufgrund ihres geringen Vermögens ignoriert wurden – und das komplett digital per App.
Das Beste kommt zum Schluss:
Private Markets (Fun)Facts von und mit Robin Binder
Robin Binder: Ray Dalio -The Changing World Order
Robin Binder: Price is what you pay, Value is what you get.
Robin Binder: Die größte Veränderung wird sein, dass Private Markets endlich ähnlich liquide und handelbar werden wie Public Markets. Durch spezialisierte Brokerage-Plattformen und digitale Sekundärmärkte entstehen echte Liquiditätslösungen. Heute ist der Unterschied zwischen Private und Public Markets hauptsächlich die Liquidität – morgen wird das verschwimmen. Anleger können ihre Private-Equity- oder Venture-Capital-Anteile über digitale Marktplätze verkaufen, ohne ewig warten zu müssen. Das revolutioniert den gesamten Private Markets Sektor: Portfolio-Rebalancing wird möglich, Risikomanagement flexibler und die „Illiquiditätsprämie“ wird sich als Folge reduzieren. Private Markets werden zu einer normalen Portfolio-Komponente, die für jeden zugänglich ist.
Robin Binder: Breit, dynamisch, bedacht
Robin Binder: Oft sind langweilige Geschäftsmodelle am nachhaltigsten, in puncto Return, und am spannendsten.
Robin Binder: Stephen Schwarzman, Co-Founder und CEO von Blackstone. Schwarzman hat wie kein anderer die moderne Private-Markets-Industrie geprägt. Er hat gezeigt, wie man aus einer Boutique-Investment-Bank das größte Alternative Asset Management der Welt aufbaut. Was mich am meisten interessieren würde: Wie sieht er die Demokratisierung von Private Markets? Außerdem hat Schwarzman den Übergang von traditionellen Buyouts zu diversifizierten alternativen Investments orchestriert. Seine Sicht auf die Zukunft der Asset-Klasse wäre unschätzbar: Wird Private Markets mainstream? Welche Rolle spielen Technologie und neue Distributionswege?
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