Im Jahr 2024 wurde ein Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal übertraf das Fundraising im Infrastrukturbereich dasjenige für Immobilien (siehe Abbildung 1). Damit rückt eine Anlageklasse in den Vordergrund, die Stabilität, Inflationsschutz und Zugang zu zentralen Megatrends wie Dekarbonisierung und Digitalisierung bietet. Infrastruktur verspricht nicht nur robuste Erträge, sondern auch attraktive Gesamtrenditen. Für Anleger, die auf der Suche nach stabilen Erträgen sind, können Secondaries und Infrastruktur-Kreditstrategien zunehmend attraktive Investmentmöglichkeiten bieten. Für wachstumsorientierte Investoren können dagegen Mischmodelle aus Infrastruktur- und Private-Equity-Anlagen interessant sein.
Abbildung 1: Historisches Fundraising von Closed-End Real Assets

Doch das Marktumfeld ist anspruchsvoll: steigende Zinsen, regulatorische Unsicherheiten und Lieferkettenengpässe prägen die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Wer hier erfolgreich sein will, muss selektiv agieren und auf Manager setzen, die über echte operative Expertise verfügen. Vor diesem Hintergrund lohnt ein genauer Blick auf aktuelle FundraisingTrends, die historische Performance und die Frage, welche Rolle Infrastruktur künftig im Portfolio spielen kann.
Medianzielgröße von Infrastrukturfonds ist mehr als doppelt so hoch wie bei Immobilienfonds
2024 lag die Medianzielgröße von Infrastrukturfonds bei 1,15 Milliarden US-Dollar und war damit mehr als doppelt so hoch wie bei Immobilienfonds. Dahinter stehen großvolumige Projekte und die Dynamik spezialisierter Fonds für Rechenzentren und Energie-Infrastruktur. Während 2023 noch 43% aller Fonds ausschließlich in erneuerbare Energien oder digitale Projekte investierten, normalisierte sich dieser Anteil 2024 auf 32% und entsprach damit dem Fünfjahresschnitt.
Abbildung 2: Anteil diversifizierter vs. sektorspezialisierter Infrastrukturfonds (basierend auf der Anzahl der Fonds)

Traditionell konzentrierten sich Infrastrukturanlagen auf Schulen, Krankenhäuser, Mautstraßen oder regulierte Versorger. Heute bestimmen Digitalisierung und Energiewende das Bild: Investiert wird in Wind- und Solarparks, Batteriespeicher oder Netzausbau ebenso wie in Datenzentren, Glasfasernetze und Mobilfunkmasten. Greenfield-Projekte bergen höhere Bau- und Genehmigungsrisiken, eröffnen aber auch Renditechancen von 12–16% IRR. Core-Plus-Fonds bewegen sich stabiler im Bereich von 8–10%.
Stabile Erträge, wachsende Streuung
Eine Analyse von Cambridge Associates zu 120 Infrastrukturfonds der Jahre 2009–2020 zeigt: Der Median-IRR lag bei 9,8%. Nach einem Hoch von 10,6% (2012–2014) hat sich der Median-IRR mit dem Eintritt weiterer Kapitalgeber und Akteure in diesen Bereich wieder normalisiert. Auffällig ist die stärkere Streuung jüngerer Fonds – bedingt durch mehr Wettbewerb, die Folgen der Pandemie und verzögerte Exits.
Abbildung 3: Rendite-Streuung von Infrastrukturfonds: Jahrgänge 2009–2020

Größe entscheidet über Stabilität
Im Vergleich weisen kleinere Fonds (<1 Mrd. USD) den niedrigsten Median-IRR (9,2%) auf, erzielen jedoch die höchsten Renditen im obersten Quartil und weisen die größte Streuung auf. Am anderen Ende des Größenspektrums erzielen größere Fonds (>10 Mrd. USD) einen höheren Media-IRR (10%) mit geringerer Renditevariabilität. Ursache: Diversifikation, geringeres Entwicklungsrisiko, aber eingeschränkte Exit-Optionen. Die Auswahl der Manager ist besonders bei kleineren Fonds erfolgskritisch.
Abbildung 4: Performance von Infrastrukturfonds nach Fondsgröße: Jahrgänge 2009–2020

Emerging Trends: Sektorspezialisten vorne
Spezialisierte Fonds für Erneuerbare, Energie oder Digital erzielten im Schnitt einen IRR von 10,4% und damit etwas mehr als breit diversifizierte Vehikel (9,6%). Besonders herausragend: Digitalfonds mit einem IRR in Höhe von 14,0% ohne negative Ergebnisse. Energie-Fonds erreichten einen IRR von 14,1%, allerdings mit höherer Volatilität. Erneuerbare verbesserten sich deutlich, insbesondere dank technologischer Reife und wachsender Zahlungsbereitschaft für „grüne“ Assets. Parallel entstehen neue Middle-Market-Manager, die Private-Equity-Methoden mit Infrastrukturansätzen kombinieren und so Wachstumsplattformen aufbauen.
Abbildung 5: Infrastruktur-Renditen nach Strategietyp: Jahrgänge 2009–2020

Fazit
Infrastruktur bleibt ein wichtiger Baustein für Diversifikation und Inflationsschutz. Doch hohe Bewertungen, Regulierungsrisiken und Unsicherheiten im makroökonomischen Umfeld limitieren das Potenzial. Für Investoren eröffnen sich dennoch vielfältige Wege: von Core-Strategien für stabile Erträge bis hin zu opportunistischen Ansätzen mit höherem Risiko-Rendite-Profil. Infrastrukturkredite und Secondaries gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Entscheidend ist eine breite Diversifizierung nach Größe, Struktur und Strategie sowie die sorgfältige Auswahl von Managern, die operative Exzellenz und klare Prozesse vorweisen können
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