ELTIFs im Markttest: portagon-Co-Founder El Mallouki analysiert Kritik der Verbraucherzentrale

Jamal El Mallouki, Co-Founder von portagon, reagiert in einem aktuellen Gastbeitrag auf die Kritik der Verbraucherzentrale an ELTIFs. Er liefert eine Einordnung des Artikels im rechtlichen und marktbezogenen Kontext und ergänzt konkrete Prüfpfade für eine differenzierte Bewertung der Anlageform.

Asset Manager & Strategien

06.11.2025 12:23 Uhr
Jamal El Mallouki, Co-Founder von portagon / © PrivateMarkets360 / portagon
Jamal El Mallouki, Co-Founder von portagon / © PrivateMarkets360 / portagon

Reform und Marktkontext

Der Schutz von Kleinanlegern steht im Zentrum der ELTIF-Regulierung – nicht zufällig wird der Begriff in der EU-Verordnung 74-mal genannt. Der Regulierungsrahmen setzt damit ausdrücklich auf Leitplanken: Chancen sollen geöffnet werden, ohne Risiken zu übersehen.

Die Verbraucherzentrale hat am 31.10.2025 zentrale Risiken rund um ELTIFs adressiert. Das ist sinnvoll, weil der Retail-Zugang mit ELTIF 2.0 seit dem 10. Januar 2024 deutlich erleichtert wurde, das Angebot wächst und sich die Produktarchitektur weiter ausdifferenziert. Heute stehen neben klassischen, über die Laufzeit geschlossenen Strukturen auch offene beziehungsweise semi-liquide Konzepte mit definierten Kündigungs- und Rücknahmefenstern. Transparenz entsteht, wenn die zugrunde liegende Mechanik offengelegt wird: welche Fristen gelten, wie Rückgaben priorisiert werden, welche Instrumente (etwa Notice-Periods oder Gates) vorgesehen sind und ob Stresstests dokumentiert sind.

Im öffentlichen Diskurs geht leicht unter, dass hier Kapital in reale Wertschöpfung fließt: in Unternehmen und Infrastruktur, die Innovation und Beschäftigung fördern. Ziel ist ein kontrollierter Zugang zu alternativen Anlagen, keine Deregulierung. Entsprechend setzen die Vorgaben auf Transparenz, Eignungsprüfung und Liquiditätsmanagement. Das ist auch ein Schritt der Demokratisierung von Private Markets: erstmals ein strukturierter Zugang für Kleinanleger – innerhalb klarer Schutzmechanismen.

Verschiebung des Bewertungsmaßstabs

Seit der Reform hat sich damit nicht nur der Zugang verändert, sondern auch der Fokus: Entscheidend ist nicht der bloße Zugang, sondern die Qualität der Umsetzung. Private Markets sind kein exklusives Club-Thema mehr; der frühere Vorteil reinen Zugangs verliert an Bedeutung. Dazu gehört auch die Einordnung des von der Verbraucherzentrale angesprochenen Punktes der „Intransparenz“ beim Ausgabepreis: Börsenpreise gelten zwar als transparent, stehen aber ebenfalls unter Einfluss von Liquidität, Spreads und Marktlaunen und bilden nicht automatisch „faire Renditen“ ab. Bei ELTIFs erfolgt die Preisfindung prospektgemäß über Bewertungsmethoden, NAV-Frequenzen und Kontrollen durch AIFM und Verwahrstelle; die Fairness zeigt sich an Methodik, Governance und Offenlegung. Hohe Renditeversprechen sind zu hinterfragen, weil höhere Chancen höhere Risiken bedeuten – bis hin zum Totalverlust –, doch das gilt grundsätzlich für alle chancenorientierten Anlagen, nicht exklusiv für ELTIFs.

Assetklassen im Überblick

Die Einordnung beginnt bei der richtigen Sortierung der Assetklassen und der Fondslogik. Nach Auffassung der Verbraucherzentralen eignen sich ELTIFs nicht für Privatanleger:innen, weil die Informationen für eine fundierte Entscheidung fehlten; Unternehmensbeteiligungen erforderten umfangreiches Fachwissen und tiefe Marktkenntnisse. Das Anliegen ist berechtigt, doch Informationsasymmetrien bestehen auch bei börsengehandelten Aktien, für die die meisten Privatanleger keine eigene Unternehmensbewertung vornehmen. Entscheidender als das Label ist daher die nachvollziehbare Aufbereitung der Unterlagen, die Eignungsprüfung und klare Governance. Private-Equity-ELTIFs zielen auf Wertschöpfung über Unternehmensentwicklung und tragen ein höheres Chancen-/Risikoprofil mit längerer Kapitalbindung. Private-Credit-ELTIFs adressieren Kreditrisiken, arbeiten mit Covenants und können durch planbarere Ausschüttungen stabilisieren. Infrastruktur-ELTIFs weisen häufig defensivere, teils inflationssensitive Erlösprofile auf, sind jedoch projekt- und regulatorikabhängig. Multi-Asset-Konzepte bündeln diese Bausteine und verlangen dieselbe Sorgfalt bei Liquiditätslogik, Kostenstruktur und Governance.

Liquidität in der Praxis

Kern des Verbraucherschutzes bleibt die Liquidität. Geschlossene Fonds enden in der Regel mit Rückgabe am Laufzeitende. Offene und semi-liquide ELTIFs ermöglichen Rücknahmen ausschließlich regelgebunden, also in festgelegten Fenstern und Quoten, oft mit Kündigungsfristen und Priorisierungsregeln. Maßgeblich für die Beurteilung sind die konkret geregelten Mindesthaltezeiten, Kündigungsfristen, die im Prospekt festgelegte Redemption-Policy sowie – sofern vorhanden – veröffentlichte Stresstests. So wird erkennbar, welche Form von Liquidität tatsächlich vorgesehen ist und wo ihre Grenzen liegen.

Kosten und Anreize

Ein zweiter Schwerpunkt sind Kosten und Anreize. Sie steuern die Nettorendite. Entscheidend sind vier Punkte: Erstens ein vollständiger Ex-ante-Kostenausweis (laufende Kosten/TER-OCF, Performance-Fee, Ausgabe-/Ausstiegskosten sowie ggf. Plattform- und Orderkosten). Zweitens die Anreizlogik der Performance-Fee: Nur mit klarer Formel, Hurdle-Rate und High-Water-Mark ist sie einordbar. Drittens Unterschiede zwischen Anteilsklassen (Share-Classes) und deren Kosteneffekte. Viertens eine einfache Beispielrechnung über fünf bzw. zehn Jahre, die Brutto- und Nettowertentwicklung gegenüberstellt und Produkt- von Transaktionskosten trennt. Die Verbraucherzentrale weist zu Recht auf mögliche Belastungen hin; ohne diese Angaben ist ein fairer Vergleich faktisch nicht möglich.

Eignung und Interessenkonflikte

Schließlich sind Eignung und Interessenkonflikte differenziert zu behandeln. Pauschale Urteile greifen zu kurz, weil Geeignetheit von Zielen, Wissen und Erfahrung, Risikotragfähigkeit und Zeithorizont abhängt. Interessenkonflikte entstehen insbesondere durch Zuwendungen; sie gehören offengelegt, und redaktionelle Inhalte sind sauber von Werbung zu trennen. Berichte, die die Dokumentation dieser Punkte in den Vordergrund stellen, schaffen wirklichen Verbrauchernutzen und bleiben zugleich fair gegenüber unterschiedlichen Anbieteransätzen.

Fazit

Der VZ-Beitrag stößt eine notwendige Debatte an. Orientierung entsteht durch offengelegte Funktionsprinzipien: wie die Liquidität konkret organisiert ist, wie Gebühren wirken, nach welchen Regeln bewertet wird und wie mit Interessenkonflikten umgegangen wird. Auf dieser Basis lassen sich Chancen und Risiken langfristiger Anlagen realistisch einordnen, ohne sie zu verharmlosen und ohne Produkt-PR.

Hier lesen Sie den Artikel der Verbraucherschutzzentrale: ELTIFs: Neue Anlageform mit Tücken

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