Die Private-Equity-Branche wird sich 2026 in einer Phase tiefgreifender Veränderungen und historischer Umbrüche wiederfinden. Nach anderthalb Jahrzehnten mit Rekordgewinnen steht sie vor einem herausfordernden Umfeld für Exits und Fundraising. Die Ausschüttungen an Investoren, gemessen am Nettovermögen der Branche, sind auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen und liegen rund zwei Drittel unter den bis zur Covid-Pandemie üblichen Branchenstandards.
Die globale Buyout-Branche hat sich zwischen 2019 und 2024 verdoppelt, stagniert nun jedoch, da institutionelle Anleger ihr Kapital weitgehend investiert haben. Um neues Kapital einsetzen zu können, sind jetzt vermehrt Ausschüttungen erforderlich. Das IPO-Fenster bleibt im Vergleich zu den Jahren vor und während der Covid-Pandemie weiterhin eingeschränkt. Dieses herausfordernde Umfeld für Fundraising ist besonders im unteren Marktsegment spürbar, das aufgrund seiner geringen Größe über begrenzte Ressourcen verfügt.
Welche strukturellen Veränderungen könnten der Branche helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen?
In der Branche entstehen zunehmend kreative Lösungen, die General Partner (GPs) dabei unterstützen, Liquidität zu generieren. Der Sekundärmarkt, insbesondere das von GPs geführte Segment, bleibt ein positiver Faktor, der reale Herausforderungen für GPs und Limited Partners (LPs) löst. Mit der zunehmenden Reife der Branche entstehen zudem immer mehr innovative Finanzierungslösungen für GPs und LPs.
Auch die Kapitalbeschaffung hat sich gewandelt: Ein Großteil der neuen Netto-Gelder stammt inzwischen aus dem Private Wealth Sektor und könnte künftig auch aus dem 401(k)-Markt kommen. Private Equity etabliert sich weiterhin als bedeutende Anlageklasse, deren Öffnung für Investoren, die bisher keinen Zugang dazu hatten, allen Beteiligten zugutekommt. Ein Großteil der neu beschafften Mittel wird zunächst in große Unternehmen fließen, die über die notwendige Infrastruktur und Ressourcen verfügen, um diese Chancen zu nutzen. Aus diesem Grund bleibt das Kapital vorwiegend im mittleren und oberen Marktsegment konzentriert.
Welche weiteren Veränderungen finden statt?
Aus der Perspektive der Beschäftigten entwickelt sich die Branche weiterhin rasant. Der explosionsartige Anstieg des verwalteten Vermögens von Private-Equity-Fonds ging mit einem starken Zustrom von Fachkräften einher und hat ein riesiges Ökosystem hoch talentierter Deal-Maker und Investoren entstehen lassen. Mit diesen Veränderungen verbessern sich auch die Rahmenbedingungen für Fachkräfte, die das Unternehmen wechseln, ein eigenes Unternehmen gründen oder sich auf Deal-by-Deal-Strategien konzentrieren möchten, wie nie zuvor.
Selbst in diesem schwierigeren Exit-Umfeld bleiben die Chancen im Bereich Private Equity groß und attraktiv. Historische Renditen allein genügen nicht mehr als Orientierung. Die Produkte verändern sich, die Anreize wandeln sich, und im Jahr 2026 wird die sorgfältige Auswahl entscheidend sein.
Welche Strategien könnten sich 2026 bewähren?
Anleger werden von Strategien profitieren, die Zugang zu schwer erreichbaren Marktbereichen bieten, in die weniger Kapital fließt, etwa dem unteren Mittelstand. Erfolgreich könnten auch Ansätze sein, die Investitionen gemeinsam mit talentierten Deal-Makern ermöglichen, unabhängig davon, wo diese tätig sind – in etablierten oder neuen Unternehmen, finanziert oder nicht finanziert. Ein weiterer Bereich mit Potenzial sind Strategien, die klare Ausstiegsmöglichkeiten schaffen. Besonders vielversprechend sind solche, die sich auf kleinere Unternehmen, mehrere Hebel zur Wertschöpfung, operative Aufwärtspotenziale oder Engagements in Branchen mit langfristigen Wachstumschancen konzentrieren. Dies sind Unternehmen, die heute bereits interessant sind und in fünf Jahren für Käufer voraussichtlich noch deutlich an Wert gewinnen werden.
Quelle: Federated Hermes
Von Brooks Harrington, CIO Private Equity bei Federated Hermes
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