Morgan Stanley IM: Rückenwind für Private Equity durch Zinswende und KI-Schub

Die Talsohle bei M&A-Transaktionen ist durchschritten. Mit Blick auf 2026 profitiert Private Equity von sinkenden Zinsen und einer neuen Welle der Kosteneffizienz. Warum die Kluft zwischen erfolgreichen und stagnierenden Managern dennoch wächst und welche Rolle die US-Zollpolitik dabei spielt, analysiert David N. Miller, Global Head of Private Credit & Equity bei Morgan Stanley Investment Management im aktuellen Ausblick.

Private Equity

04.02.2026 10:29 Uhr
David N. Miller, Global Head of Private Credit & Equity bei Morgan Stanley Investment Management / © PrivateMarkets360 / Morgan Stanley Investment Management
David N. Miller, Global Head of Private Credit & Equity bei Morgan Stanley Investment Management / © PrivateMarkets360 / Morgan Stanley Investment Management

Was wir sehen

Private Equity befindet sich an einem Wendepunkt. Die Branche passt sich an die neuen Erkenntnisse und die rasanten Veränderungen der vergangenen zwölf Monate an. Zugleich hat sich erneut bestätigt hat, wie widerstandsfähig die Anlageklasse in turbulenten Zeiten sein kann. Eine neue Dynamik ist die K-förmige wirtschaftliche Erholung - einschließlich der Erholung der PE-Branche selbst.

Die Branche bewegte sich in den vergangenen Jahren in einem herausfordernden Geschäftsumfeld. Es war geprägt von Schocks in den Lieferketten, angespannten Kapitalmärkten, höheren Finanzierungskosten und zuletzt Handelskriegen. Auch wenn nicht alles vollständig ausgestanden ist: Viele dieser Entwicklungen haben sich abgeschwächt oder umgekehrt. Die Branche kann 2026 mit günstigeren Rahmenbedingungen rechnen.

Im Bereich Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) ist ein Aufwärtstrend nun fest etabliert, nachdem die Aktivität - im Verhältnis zum US-Bruttoinlandsprodukt - auf ein Drei- Jahrzehnte-Tief gefallen war. Private Equity macht mehr als die Hälfte der gesamten M&A- Transaktionen aus, entweder als Käufer oder Verkäufer, und die Entwicklung von Private Equity und dem M&A-Markt ist eng miteinander verflochten. Wir rechnen ausgehend von der Dauer früherer Erholungsphasen damit, dass der aktuelle Zyklus noch mehrere Jahre anhalten wird. Das dürfte zu günstigeren Exit-Bedingungen und Ausschüttungen an PE- Investoren führen. 2025 haben US-Unternehmen stärker auf Kosteneffizienz gesetzt und damit die Voraussetzungen für eine Margenausweitung und wertsteigernde M&A-Transaktionen geschaffen, um dieses Wachstum 2026 und darüber hinaus aufrechtzuerhalten.

Abbildung 1: Globales M&A-Transaktionsvolumen (in Mrd. US-Dollar)Quellen: Dealogic, Morgan Stanley Research. Stand: 1. Dezember 2025. Die Hochrechnung geht von einem Trendwachstum von 12 Prozent zwischen 2026 und 2028 aus.

Auch das Finanzierungsumfeld entspannt sich. Im Bereich Leveraged Finance sind die durchschnittlichen Finanzierungskosten für ein Middle-Market-Term-Loan im Private-Equity- Kontext gegenüber dem vorherigen Höchststand um drei Prozentpunkte gesunken. Es besteht Spielraum für weitere Rückgänge im Jahr 2026 angesichts der Möglichkeit zusätzlicher Leitzinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve. Unter sonst gleichen Bedingungen erhöhen niedrigere Zinsen den internen Zinssatz (Internal Rate of Return, IRR) bei Private Equity. Wir erwarten, dass es sich in diesem Zyklus nicht anders verhält.

Trotz dieser positiven Entwicklungen sind die Bewertungen insbesondere bei erfolgreichen Unternehmen hoch, was den Kapitaleinsatz gebremst hat. Zusätzlich generieren General Partner aus ihren Vintage-Jahrgängen 2020 bis 2022 nicht genügend Ausschüttungen (Distributions to Paid-In Capital, DPI) und Liquidität, um weiteres Kapital einzuwerben. Daher wird die Zahl der GPs, die aktiv neue Investments tätigen, in den kommenden Jahren wahrscheinlich sinken. 

Was wir tun

Die transformative Wirkung von künstlicher Intelligenz beschränkt sich nicht länger auf Large-Cap-Unternehmen an den öffentlichen Märkten. Die Vorteile von KI reichen inzwischen bis in mittelgroße private Unternehmen. Diese nutzen die Tools, um ihre Effizienz zu steigern, die Produktentwicklung zu beschleunigen und die Kundenbindung zu verbessern.

Im Jahr 2025 haben mehr als die Hälfte der Portfoliounternehmen in unseren PE-Middle-Market- Fonds aktive KI-Initiativen von KI-Agenten im Kundensupport und automatisiertem Coding bis hin zu vorausschauender Wartung und dynamischer Preisgestaltung. Eine Mehrheit ist überzeugt, dass KI bereits in diesem frühen Adoptionsstadium ein wesentlicher Faktor für ihre Wachstumsstrategie werden wird. Diese Technologien gestalten Arbeitsabläufe in rasantem Tempo neu, senken Kosten und erschließen neue Bereiche der Wertschöpfung.

Wenn KI-Modelle leistungsfähiger werden, wird sich der Wettbewerbsvorsprung technologiegestützter Mid-Market-Unternehmen vergrößern, wodurch sie zu attraktiven Zielen für Private-Equity-Investitionen und Exits werden. Allerdings werden nicht alle PE-finanzierten Unternehmen gleichermaßen profitieren, viele werden strukturell unter Druck geraten. PE- Plattformen ohne klares Profil, denen die Expertise oder Größe fehlen, um KI-Ressourcen effektiv einzusetzen, oder die sich in ihrem Due-Diligence-Prozess nicht gegen existenzielle Risiken abgesichert haben, werden auf der Verliererseite der K-förmigen Erholung landen. 

Was wir im Blick behalten

Wir beobachten, wie die wirtschaftliche Erholung voranschreitet. Wir gehen davon aus, dass unterschiedliche Branchen 2026 zu unterschiedlichen Zeitpunkten wieder anziehen werden - insbesondere vor dem Hintergrund der Zollpolitik, die sich zu einem Flickenteppich aus Executive Orders und Ausnahmen entwickeln könnte. Außerdem achten wir auf eine Ausweitung der Kapitalmarktaktivität. M&A wurde zuletzt durch Mega-Deals getragen und die IPO-Tätigkeit hat sich aufgrund des Government Shutdown in den USA jüngst verlangsamt. Idealerweise gewinnen beide 2026 wieder an Dynamik - mit breiterer Beteiligung sowohl großer als auch kleiner privater Unternehmen.

Von David N. Miller, Global Head of Private Credit & Equity bei Morgan Stanley Investment Management

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