Der Daten- und Analysedienst PitchBook hat mit der Einführung von „PitchBook Valuation Estimates“ ein neues Framework vorgestellt, das die Bewertung von Risikokapital-finanzierten Unternehmen (VC-backed) standardisieren soll. Das Modell nutzt maschinelles Lernen, um tägliche Bewertungssignale für private Unternehmen zu generieren. Damit reagiert das Unternehmen auf ein zentrales Problem der Branche: die mangelnde Transparenz und die oft veralteten Preismarken privater Firmen, die meist nur bei offiziellen Finanzierungsrunden aktualisiert werden.
Marktdynamik und das Problem „veralteter“ Daten
Die Notwendigkeit für ein solches Tool ergibt sich aus der aktuellen Marktsituation. Während KI-native Startups im Jahr 2025 Rekordbewertungen erzielen, steht der breite Venture-Markt unter Druck. Viele Unternehmen haben seit 2022 oder 2023 kein neues Kapital aufgenommen, was ihre offiziellen Bewertungen „stagnieren“ lässt, während sich das Marktumfeld längst gewandelt hat. Laut PitchBook werden zudem mehr als die Hälfte aller Börsengänge derzeit unter ihrer letzten privaten Bewertung bepreist.
„PitchBook Valuation Estimates ist ein großer Schritt nach vorn für die Branche und hilft Investoren, den Wert privater Unternehmen mit größerem Vertrauen in einem Markt zu bewerten, der lange Zeit ohne klare Benchmark auskommen musste“, erklärt Rod Diefendorf, Präsident und COO von PitchBook.
Methodik und Anwendungsbereiche
Das Modell basiert auf einer Kombination aus PitchBooks eigenen Marktdaten, öffentlichen Marktsignalen und unternehmensspezifischen Indikatoren wie dem Mitarbeiterwachstum oder dem Alter des Unternehmens. Im Gegensatz zu traditionellen Methoden, die oft auf verzögerten Finanzberichten basieren, ermöglicht dieser Ansatz ein „Mark-to-Market“-Signal.
Das Tool soll verschiedene Phasen des Investitionszyklus unterstützen:
- Deal-Sourcing und Preisfindung: Bessere Einschätzung bei M&A-Aktivitäten und Fundraising.
- Portfolio-Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von Risiken innerhalb eines Portfolios.
- Liquiditätsplanung: Präzisere Vorhersagen für mögliche Exits.
Ein neuer Standard für private Märkte
Durch die tägliche Aktualisierung sollen Verzerrungen minimiert werden, die entstehen, wenn nur wenige große Akteure den Marktdurchschnitt dominieren, während fast die Hälfte aller Unicorns seit drei Jahren nicht mehr neu bewertet wurde.
Nizar Tarhuni, EVP of Research and Market Intelligence bei PitchBook, betont die Relevanz der neuen Datenqualität: „Unser Ziel war es, einen Bewertungsstandard zu etablieren, der widerspiegelt, wie private Märkte heute tatsächlich funktionieren. [...] Das Ergebnis ist ein neuartiges Framework, das ein klareres Signal liefert, auf das sich Investoren verlassen können.“
PitchBook plant bereits den weiteren Ausbau des Tools. Zukünftige Versionen sollen zusätzliche Dateneingaben ermöglichen und prädiktive Erkenntnisse zur zeitlichen Planung von Exits liefern.
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