Investitionen in Private Markets haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit dem Wachstum der Anlageklasse steigt jedoch auch die Unübersichtlichkeit auf dem Markt. Aus Investorensicht ist die Auswahl des richtigen Managers einer der entscheidenden Hebel für den langfristigen Anlageerfolg. Die Performanceunterschiede können bei solchen Investments weitaus größer ausfallen als am klassischen Kapitalmarkt. Da das Kapital langfristig gebunden ist, kommt es umso mehr auf Expertise, Track Record, Deal-Netzwerk und operative Fähigkeiten des Managements an. Entsprechend hat sich die Manager Due Diligence in der Praxis deutlich weiterentwickelt und professionalisiert. Standardisierte Fragebögen reichen heute nicht mehr aus. Stattdessen werden Prüfprozesse stärker auf die jeweilige Strategie zugeschnitten und gehen deutlich tiefer in operative, rechtliche und risikoseitige Details. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt eine Reaktion auf Marktverwerfungen der vergangenen Jahre, insbesondere in einzelnen Segmenten des Immobilien- und Erneuerbaren Energienmarktes, die Schwachstellen in Strukturierung, Liquiditätsmanagement und Bewertung offengelegt haben. Auch in anderen Private-Market-Segmenten gilt: Die Anforderungen an Governance, Transparenz und Risikosteuerung sind spürbar gestiegen.
Was einen guten Manager auszeichnet
Im Zentrum jeder Due Diligence steht der Manager selbst. Er muss mit seinem Team die Strategie nicht nur überzeugend präsentieren, sondern sie über verschiedene Marktphasen hinweg diszipliniert umsetzen und bei Bedarf taktisch anpassen können. Ein belastbarer Track Record über mehrere Zyklen hinweg ist daher wertvoll und gibt erste Hinweise darauf, wie gut das Management unter Druck agiert. Manager, die ausschließlich in einem Umfeld steigender Bewertungen aktiv waren, bieten Investoren dagegen nur begrenzte Anhaltspunkte für ihre Krisenfestigkeit. Ein weiterer Prüfstein ist das organisatorische Setup. Gerade bei jüngeren Managern zeigt sich im Prüfprozess immer wieder, dass fachliche Expertise im Zielsegment allein nicht ausreicht. Ebenso wichtig ist das Verständnis für die Bedürfnisse regulierter institutioneller Anleger: regulatorische Vorgaben, Dokumentations- und Reportingpflichten und Nachhaltigkeitsanforderungen müssen operativ abgebildet werden können. Fehlt diese Infrastruktur, entstehen Risiken jenseits der reinen Investmententscheidung.
Inhaltlich rücken mehrere Risikodimensionen in den Fokus. Ein zentrales Prüffeld ist das Liquiditätsrisiko, das sich in Stressphasen häufig auch bei vermeintlich werthaltigen Sachwerten offenbart. Manager müssen Portfolios so strukturieren, dass Risiken sinnvoll gestreut sind und Liquiditätsannahmen realistisch bleiben. Ebenso zentral ist die Frage der Finanzierungsstruktur: Ob Senior, Whole Loan oder Mezzanine – welche Position in der Kapitalstruktur eingenommen wird, muss zur Risikotragfähigkeit der Strategie passen. Konservative Beleihungsausläufe und belastbare Covenants gewinnen an Bedeutung.
Besonderes Augenmerk gilt zudem den Sicherheiten. In guten Marktphasen wird die Durchsetzbarkeit häufig als selbstverständlich unterstellt. In der Praxis kann die Verwertung jedoch langwierig sein und mit erheblichen Wertabschlägen einhergehen. Investoren sollten daher genau prüfen, wie Sicherheiten strukturiert sind, welche Ansprüche und Rangfolgen bestehen und welche Mechanismen im Ernstfall greifen.
Transparenz und Reporting als Qualitätsmaßstab
Besonders im Reporting zeigt sich, ob ein Manager die Anforderungen institutioneller Investoren in der Praxis erfüllen kann. Aus Sicht institutioneller Investoren werden heute zeitnahe, konsistente Berichte bis auf Projekt-Ebene erwartet, die quantitative Kennzahlen durch eine fundierte qualitative Einordnung ergänzen. Gleiches gilt für das Nachhaltigkeitsreporting: Entscheidend ist weniger die Anzahl berichteter ESG-Kennzahlen als deren Relevanz für das jeweilige Asset und die Fähigkeit des Managers, diese über die Laufzeit konsistent zu steuern. Ein erster Realitätscheck besteht darin, zu prüfen, ob die gemachten Versprechen inhaltlich überhaupt zum jeweiligen Asset passen – und ob der Manager bereits Referenzen für entsprechende Messungen vorweisen kann.
Vor diesem Hintergrund lässt sich Manager Due Diligence nicht auf einzelne Punkte reduzieren. Sie ist ein mehrdimensionaler Prozess, der Strategie, Organisation, Risiko, Strukturierung und operative Umsetzung gleichermaßen umfasst. Gerade in einem anspruchsvoller werdenden Marktumfeld ist eine tiefgehende, praxisorientierte Manager Du Diligence entscheidend, um Risken frühzeitig zu identifizieren und langfristig belastbare Investmententscheidungen zu treffen.
Von Ralf Rosenbaum, Geschäftsführer BayernInvest Luxemburg
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