ELTIF.info-Gründer: „Maximal 45% liquide Mittel - der Rest muss in Privatmärkte“

Die Zeiten starrer Laufzeiten im ELTIF-Segment scheinen gezählt, da moderne Evergreen-Strukturen den Markt zunehmend dominieren. In seinem Beitrag während des Webinars „ELTIF 2.0 Forum: Struktur, Chancen, Risiken und Selektionskriterien“ von e-fundresearch.com räumte ELTIF.info-Gründer Marcus Müller mit gängigen Mythen rund um das Vehikel auf. Er verdeutlichte, warum für Selektoren angesichts des enormen Marktwachstums heute weniger die Hülle, sondern vielmehr die Belastbarkeit von Liquiditäts-Gates und Cash-Quoten im Fokus stehen muss.

Investoren

02.04.2026 11:33 Uhr
Marcus Müller, Gründer von ELTIF.info / © PrivateMarkets360 / ELTIF.info
Marcus Müller, Gründer von ELTIF.info / © PrivateMarkets360 / ELTIF.info

Der Markt für European Long-Term Investment Funds (ELTIF) vollzieht derzeit den Wandel vom Nischenprodukt zum Massenvehikel für Privatmärkte. Wie Marcus Müller, Gründer von ELTIF.info, im Rahmen des Webinars „ELTIF 2.0 Forum: Struktur, Chancen, Risiken und Selektionskriterien“ von e-fundresearch.com betonte, ist die Skalierung des Marktes beachtlich: Während bis 2023 jährlich lediglich meist nur 10 bis 20 Fonds registriert wurden, explodierte das Angebot auf 71 Neuzulassungen im Jahr 2024 und bereits 111 im Jahr 2025. Das Gesamtuniversum ist damit auf rund 280 Fonds angewachsen.

Die Evergreen-Falle: Liquidität im Stresstest

Ein zentraler Aspekt der Keynote war die „Entmystifizierung“ der vermeintlichen Liquidität bei ELTIF 2.0. Die neue Flexibilität ermöglicht Evergreen-Strukturen mit Laufzeiten von bis zu 99 Jahren, die den Spagat zwischen langfristigem Asset-Exposure und laufender Verfügbarkeit suchen. Im Fall vieler kurzfristiger Rückgabeanträge können auch Gates auftreten. „Genau diese ‚Gates‘ werden aktuell in den Medien viel diskutiert, insbesondere bei Private-Debt-Fonds in den USA,“ erläuterte Müller mit Blick auf die oft auf 5% des Fondsvolumens begrenzten Rücknahmequoten.

Um diese Rückgaben technisch bedienen zu können, müssen Manager ein exaktes Liquiditätsmanagement betreiben: Maximal 45% des Portfolios dürfen in liquiden Assets gehalten werden, während mindestens 55% permanent in Privatmärkten gebunden sein müssen, wobei der Anteil meist zwischen 80% und 90% beträgt. Für Investoren bedeutet dies, dass die Art der eingesetzten Instrumente und die Qualität des Cash-Managements zu entscheidenden Selektionskriterien werden.

Asset-Allokation und Umsetzungswege

Hinsichtlich der Strategien zeigt sich eine klare Dominanz im Bereich der Unternehmensfinanzierung und -beteiligung. Wie Müller im Webinar darlegte, entfallen je rund 100 Produkte auf Private Debt und Private Equity, gefolgt von rund 50 Infrastruktur-Fonds. Weniger stark besetzt sind bisher reine Immobilien-ELTIFs sowie breit diversifizierte Multi-Asset-Produkte.

Bei der Implementierung können Selektoren zwischen unterschiedlichen Investmentarten unterscheiden, welche sich hinsichtlich Liquidität und Diversifikation zum Teil deutlich unterscheiden können:

  • Direktinvestments: Der Manager übernimmt die volle Kontrolle über Projektselektion und Exits.
  • Co-Investments: Partizipation an der Seite professioneller Partner zur Risikostreuung.
  • Dachfonds-Strukturen: Fokus auf Diversifikation durch Investitionen in spezialisierte Zielfonds.

Trotz der regulatorischen Erleichterungen bleibe das zugrunde liegende Investment-Delta bestehen: Die Haltedauer der Assets beträgt weiterhin mehrere Jahre. Der ELTIF 2.0 bietet laut dem Experten zwar die Hülle für breiteren Zugang, entbindet institutionelle Selektoren jedoch nicht von der Prüfung, wie „long-term“ das Kapital im Ernstfall tatsächlich gebunden ist.

Hier können Sie das ELTIF 2.0 Forum von e-fundresearch.com nachsehen: Replay anfordern

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