Alpha-Quelle Lower Mid-Market: Warum kleinere Deals das Large-Cap-Segment schlagen

Renditen der vergangenen Dekade lassen sich im Large-Cap-Bereich kaum noch replizieren – der Fokus institutioneller Anleger verschiebt sich daher auf den Lower Mid-Market. Während 87% des Kapitals in Großtransaktionen fließen, locken hier attraktive Bewertungen und signifikante Ineffizienzen. Brooks Harrington, CIO Private Equity bei Federated Hermes, beleuchtet in einem Gastbeitrag für PrivateMarkets360, warum operative Wertschöpfung das klassische Financial Engineering heute schlägt.

Private Equity

29.04.2026 11:43 Uhr
Brooks Harrington, CIO Private Equity bei Federated Hermes Limited / © PrivateMarkets360 / Federated Hermes Limited
Brooks Harrington, CIO Private Equity bei Federated Hermes Limited / © PrivateMarkets360 / Federated Hermes Limited

Private Equity entwickelt sich als Anlageklasse weiter und hat 2025 die Marke von 5 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen überschritten. Gleichzeitig lassen sich die Renditen, welche Investoren noch vor einem Jahrzehnt erzielten, heute immer schwerer replizieren. Vor diesem Hintergrund bewegen sich mehr Anleger in weniger hoch kapitalisierte Marktsegmente, um bessere Erträge zu erzielen.

In diesem Umfeld wird der Begriff „Lower Mid-Market" breit verwendet, um ein großes, jedoch nicht klar definiertes Spektrum an Unternehmen am unteren Ende der Skala zu beschreiben. Hier finden sich viele der derzeit spannendsten Investmentchancen der Branche. Mangels eines einheitlichen Verständnisses nähern sich Investoren diesem Segment allerdings mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon an, was der Lower Mid-Market eigentlich ist. Je nach Gesprächspartner kann das Segment Unternehmen mit einem Unternehmenswert von bis zu 500 Millionen US-Dollar umfassen, es werden jedoch auch Unternehmen mit Bewertungen von bis zu 2 Milliarden US-Dollar so bezeichnet.

Warum der Lower Mid-Market – und warum jetzt?

Historisch flossen Private-Equity-Mittel überwiegend in das mittlere und obere Marktsegment, wo viele Limited Partners inzwischen voll investiert sind. Ein schwaches Exit-Umfeld sowie eine deutliche Verlangsamung des Vermögenswachstums haben jedoch dazu geführt, dass viele Investoren länger als üblich auf die Realisierung ihrer Erträge warten müssen.

Diese historische Konzentration auf größere Transaktionen hat ein Ungleichgewicht in der Branche geschaffen. Weniger Kapital konkurriert um hochattraktive Gelegenheiten im Lower Mid-Market. Wie Grafik 1 zeigt, flossen 87 Prozent des Kapitals an Unternehmen im größeren Marktsegment und bieten damit Zugang zu weniger als 10 Prozent der verfügbaren privaten Unternehmen. Dieser Kapitalmangel am kleineren Ende hat die Ineffizienz in diesem Bereich erhöht und den Wettbewerb um den Erwerb dieser wachstumsstarken Unternehmen verringert. Dies zeigt sich in einem durchschnittlichen Abschlag von 2,9x beim Kaufmultiple im Lower Mid-Market.

Grafik 1: Es fließt verhältnismäßig weniger Kapital in den Lower Mid-Market

Quelle: Federated Hermes

In den zehn Jahren, in denen sich unser Team auf diesen Bereich spezialisiert hat, konnten wir das beständige Outperformance-Potenzial von Lower-Mid-Market-Unternehmen beobachten. Auf Basis dieser Dynamiken sind Investoren unserer Überzeugung nach zunehmend bestrebt, die Lücke zwischen eingeworbenem Kapital und den Investmentaussichten zu nutzen.

Eine klare Definition dessen, was der Lower Mid-Market ist, bleibt essenziell, um die Kräfte hinter dieser Outperformance erfolgreich zu erschließen. Die wesentlichen Merkmale sind:

1. Ein breiteres, attraktiver bewertetes Anlageuniversum

Die kleineren Unternehmen, die wir suchen, bilden das Rückgrat der Weltwirtschaft und repräsentieren die große Mehrheit der privaten Unternehmen. Dieser Teil des Lower Mid-Market umfasst daher ein breites Anlageuniversum, das mehr Sektoren und Branchen abdeckt als größere Segmente. Er bietet Investoren potenziell ein breiteres, diversifizierteres Spektrum an Möglichkeiten zur Auswahl.

Das branchenweite durchschnittliche EBITDA-Multiple für Transaktionen unter 500 Millionen US-Dollar – dieser misst, wie viel Investoren relativ zum Unternehmensgewinn zahlen – lag bei etwa 11,6x, verglichen mit 14,5x für Transaktionen über 500 Millionen US-Dollar. Diese attraktiveren Einstiegsbewertungen resultieren aus Preisineffizienzen, geringerem Kapitalzufluss in dieses Marktsegment und weniger Intermediation. Dies ermöglicht Investoren, im Lower Mid-Market zu einem günstigeren Preisniveau einzusteigen.

2. Weniger Financial Engineering und Fremdkapital

Größere Transaktionen beinhalten typischerweise ein Maß an Financial Engineering und Verschuldung, das im Lower Mid-Market weniger üblich ist. Dies ergibt sich sowohl aus der Natur des Segments als auch aus der Spezifität unseres Auswahlprozesses und Ansatzes. Wir spezialisieren uns darauf, in bereits gesunde Unternehmen zu investieren, die durch operative Wertschöpfung und strategische Begleitung starke Renditen erzielen können. Dies ermöglicht uns letztlich den Aufbau eines Portfolios aus Unternehmen, die unserer Überzeugung nach für ein breites Spektrum an Käufern attraktiv sein werden.

3. Mehr Exit-Wege

Exit-Strategien im Lower Mid-Market sind weniger IPO-abhängig und für verschiedene Käufertypen attraktiv. Ein strategischer Käufer zählt zu den häufigsten Käufertypen von Lower-Mid-Market-Unternehmen. Dabei handelt es sich um Firmen, die andere Unternehmen mit spezifischen Eigenschaften oder Technologien erwerben wollen, die für ihr eigenes Wachstum vorteilhaft sein können. Ein Lower-Mid-Market-Unternehmen kann aber auch ein Ziel für Finanzkäufer sein. Über die fünf- bis siebenjährige Haltedauer ist ein Portfoliounternehmen wahrscheinlich gewachsen, in manchen Fällen über den Lower-Mid-Market-Bereich hinaus. Infolgedessen kann ein Finanzkäufer – also ein anderer Private-Equity-Investor – das Unternehmen als attraktive Ergänzung für einen größeren Fonds betrachten.

Angesichts des erheblichen Dry Powder im mittleren und oberen Marktsegment bieten große Fonds, die nach geeigneten Akquisitionszielen suchen, einen starken Exit-Pfad für Lower-Mid-Market-Investoren. Wie bereits Grafik 1 gezeigt hat, flossen 87 Prozent des Kapitals in Private Equity an Fonds mit einer Größe von 500 Millionen US-Dollar oder mehr.

4. Die Möglichkeit zur Partnerschaft mit Gründern

Bei der Fokussierung auf Unternehmen im Lower Mid-Market gehen Investoren mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Partnerschaft mit einem Unternehmensgründer ein. In einer ersten Finanzierungsrunde ist ein Eigentümer oder Gründer weniger preisgetrieben. Stattdessen konzentriert er sich stärker darauf, den richtigen Partner zu finden, der ihm hilft, das Unternehmen zu skalieren und zu professionalisieren – mit dem Ziel, eine positive Kapitalrendite zu erzielen. Wir sind überzeugt, dass diese Interessengleichrichtung und der gemeinsame Wunsch, Performance-Alpha zu generieren, bei Unternehmen mit einem Wert von 5 Milliarden US-Dollar, die beispielsweise ihre dritte oder vierte Finanzierungsrunde durchführen, weniger wahrscheinlich anzutreffen ist.

Fazit

Der Lower Mid-Market ist zwar reich an Investmentmöglichkeiten, bleibt aber einer der am schwierigsten zugänglichen Bereiche der Branche. Transaktionen finden oft in einem weniger formalisierten Rahmen statt als größere Deals, und viele Unternehmen nehmen erstmals institutionelles Kapital auf. Aufgrund ihrer Größe verfügen Zielunternehmen wahrscheinlich über weniger etablierte Due-Diligence-Prozesse, Berichterstattung und Governance-Strukturen. Das bedeutet, dass potenzielle Investoren selbst über die Zeit, die Ressourcen und das Spezialwissen verfügen müssen, um das Investment und die Fähigkeit des Unternehmens zur Realisierung seines Renditepotenzials zu bewerten.

Angesichts der weniger formellen Natur des Marktes kann der Aufbau eines Lower-Mid-Market-Portfolios herausfordernd sein und erfordert spezialisiertes Wissen sowie ein etabliertes Netzwerk.

Von Brooks Harrington, CIO Private Equity bei Federated Hermes Limited

Quellenangaben
Die in diesem Artikel genannten Daten und Statistiken stammen aus folgenden Quellen: Die Angabe zum verwalteten Vermögen der Private-Equity-Branche von über 5 Billionen US-Dollar im Jahr 2025 basiert auf dem Global Private Equity Report 2025 von Bain & Company. Die Daten zu EV/EBITDA-Multiples sowie zum Bewertungsabschlag im Lower Mid-Market entstammen PitchBook-Daten für Nordamerika und Europa aus dem Zeitraum 2019 bis 2024. Die Multiples wurden dabei nach Transaktionsanzahl pro Jahr gewichtet. Als Lower Mid-Market gelten Transaktionen mit einem Enterprise Value unter 500 Millionen US-Dollar, während Large und Mega Market Transaktionen mit einem Enterprise Value von 500 Millionen US-Dollar und darüber bezeichnet. Die Angaben zur Kapitalallokation und zu Fundraising-Volumina basieren auf den Annual 2025 European and US Private Equity Breakdown Reports von PitchBook mit Fundraising-Daten für die USA und Europa aus dem Zeitraum 2020 bis 2025. Alle Fundraising-Zahlen sind in US-Dollar angegeben.

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