Anlagen im Bereich der Energiewende zeichnen sich durch differenzierte Risikoprämien, eine geringe Korrelation mit traditionellen Anlageklassen und ein Engagement in einem strukturellen wirtschaftlichen Wandel aus, der sich voraussichtlich über Jahrzehnte hinweg vollziehen wird.
Die Marktentwicklungen des vergangenen Jahres – einschließlich der erhöhten Volatilität und Unsicherheit im weiteren Umfeld, wie sie beispielsweise durch den Konflikt im Iran verdeutlicht werden – untermauern nur noch stärker das Argument für eine stärkere Ausrichtung auf Infrastrukturinvestitionen.
Erneuerbare Energien haben bei Infrastrukturinvestitionen eine zentrale Rolle eingenommen. Laut Preqin-Daten entfielen seit 2020 jährlich zwischen 77% und 87% der Transaktionen im Bereich der energiebezogenen Infrastruktur auf erneuerbare Energien. Der Energiesektor im weiteren Sinne macht den Großteil des gesamten Transaktionsvolumens im Infrastrukturbereich aus. Vor diesem Hintergrund entfiel in diesem Zeitraum allein auf erneuerbare Energien durchweg mehr als die Hälfte des weltweiten Transaktionsvolumens im Infrastrukturbereich.
Diese Dominanz spiegelt die anhaltende Allokation von globalem Kapital in Richtung Dekarbonisierung wider. Sie zeigt zudem die vorrangige Bedeutung der Energiewende bei den staatlichen Infrastrukturausgaben in wichtigen OECD-Regionen, darunter Europa und Asien, und verdeutlicht einen enormen Investitionsbedarf, dessen Deckung die Beteiligung privaten Kapitals erfordert.
Die politische Dynamik schien im Jahr 2025 unausgewogener zu sein, insbesondere in den USA, wo Förderprogramme für erneuerbare Energien auslaufen. Die weithin geteilte Erwartung – auch in den USA – ist jedoch, dass der Ausbau der Energiewende notwendig ist und fortgesetzt wird. Letztendlich bleiben die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Treiber – eine Kombination aus sinkenden Kosten für erneuerbare Energien, Sorgen um die Energiesicherheit, die durch den Iran-Konflikt und dessen Auswirkungen auf die Ölversorgung unterstrichen wurden, Herausforderungen bei der Förderung traditioneller und nuklearer Energiequellen sowie die Dekarbonisierungsverpflichtungen der Unternehmen – auch dort intakt, wo die politischen Impulse schwanken.
Der Kapitaleinsatz verdeutlicht das Ausmaß dieses Wandels. Die weltweiten Investitionen in die Energiewende beliefen sich im Jahr 2024 auf rund 2 Billionen Euro. Der künftige Investitionsbedarf ist jedoch deutlich höher. Nach den derzeitigen staatlichen Rahmenbedingungen sind in den nächsten drei Jahrzehnten Investitionen in Höhe von rund 28 Billionen US-Dollar für den Ausbau der Infrastruktur zur Energiewende vorgesehen. Um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, wäre mehr als das Doppelte dieses Betrags erforderlich.
Insgesamt ist die Energiewende also keine eng gefasste thematische Allokation, sondern eine umfassende, kapitalintensive Umgestaltung des globalen Energiesystems. Für Investoren sollte die Frage nicht lauten, ob sie in dieses Thema investieren sollen oder nicht, sondern wo innerhalb dieser sich wandelnden Landschaft Kapital am effektivsten eingesetzt werden kann, um die besten Risiko-Rendite-Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit des Portfolios zu wahren.
Evolution statt Revolution
Die Energiewende lässt sich am besten als evolutionärer Prozess und nicht als einzelnes disruptives Ereignis verstehen. Ausgereifte Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien stehen heute neben neuen Technologien, Netzlösungen und damit verbundenen Dienstleistungen. Die Chancen erstrecken sich über das gesamte Risiko-Rendite-Spektrum – von etablierten Wind- und Solarportfolios bis hin zu wachstumsorientierten Plattformen, die neue Segmente des Energiesystems erschließen.
Es ist unwahrscheinlich, dass die Entwicklung geradlinig verläuft. Schwankungen bei den Strompreisen, regulatorische Veränderungen und technologische Entwicklungen werden die Marktbedingungen weiterhin prägen. Um dauerhaftes Wertpotenzial zu erkennen, sind daher Branchenexpertise und operative Kompetenz erforderlich und nicht nur ein bloßes thematisches Engagement.
Im Bereich der Infrastruktur für die Energiewende beobachten wir besonderes Potenzial in folgenden Segmenten:
- Projektentwickler und Plattformbetreiber im mittleren Marktsegment, die derzeit nur unzureichend mit Wachstumskapital versorgt werden
- Batteriespeichersysteme, die die Herausforderungen bei der Integration erneuerbarer Energien bewältigen
- Aufkommende Nachfragetreiber, darunter grüner Wasserstoff und digitale Infrastruktur
Jede dieser Chancen spiegelt eine eigenständige, aber komplementäre Dimension der nächsten Phase der Energiewende wider und bietet erhebliche Wachstumschancen, durch die Investoren potenziell überdurchschnittliche Renditen erzielen können.
Von Minal Patel, Global Head of Infrastructure bei Schroders Capital
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