Die Stimmung hat sich seit unserem letzten Ausblick verbessert. Das breitere Investmentumfeld und die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre unterstreichen jedoch die Bedeutung von Resilienz als leitendem Prinzip der Portfoliokonstruktion.
Es geht dabei nicht lediglich darum, Kapital in kurzen Stressphasen zu erhalten. Vielmehr geht es darum, Portfolios aufzubauen, die trotz anhaltender makroökonomischer und externer Herausforderungen über die Zeit attraktive Renditen erzielen können.
Diese Sichtweise spiegelt sich deutlich in der aktuellen Global Investor Insights Survey von Schroders wider, in der Diversifikation (84%) und Kapitalschutz (83%) als die wichtigsten Portfolioprioritäten angesehen wurden. Die Umfrage zeigt auch einen breiteren Wandel darin, wie Investoren die Portfoliokonstruktion angehen. Anstatt öffentliche und private Märkte als separate Allokationsentscheidungen zu betrachten, bewerten Investoren zunehmend Chancen über das gesamte Anlageuniversum hinweg, um ihre spezifischen Ziele zu erreichen.
Strukturelle und zyklische Rückenwinde
Viele Private-Market-Segmente profitieren weiterhin von einer zyklischen Entkopplung, die attraktive Einstiegspunkte im Vergleich zu börsennotierten Pendants schafft. Hinzu kommen strukturelle Merkmale wie längere Investitionshorizonte, geringere Sensitivität gegenüber kurzfristiger Marktstimmung und Zugang zu spezialisierten Investitionsmöglichkeiten.
Viele Bereiche der privaten Märkte befinden sich im fünften Jahr einer Verlangsamung beim Fundraising. Es gibt frühe Anzeichen einer Erholung bei Investitions- und Exit-Aktivitäten nach Wert, nicht aber nach Anzahl – was attraktive Einstiegspunkte schafft, selbst während Aktienmärkte nahe Rekordständen handeln.
Gleichzeitig sind private Märkte nicht immun gegenüber Herausforderungen. Die Liquidität bleibt in einigen Bereichen eingeschränkt, und jüngste Schlagzeilen über Rücknahmedruck bei ausgewählten semi-liquiden Vehikeln haben zu erhöhter Aufmerksamkeit geführt. Diese Probleme sollten jedoch nicht mit einer breiten Verschlechterung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten verwechselt werden. In vielen Fällen spiegeln sie strukturelle Liquiditätsinkongruenzen, konzentrierte Engagements oder jahrgangsspezifische Dynamiken wider – nicht systemische Schwäche.
Selektivität ist entscheidend
Diese Unterschiede sind wichtig, weil Resilienz innerhalb privater Märkte erheblich variiert. Einige Strategien haben eine größere Fähigkeit bewiesen, wirtschaftliche Unsicherheit, Inflationsdruck und Marktdisruptionen zu navigieren als andere:
- Im Private Equity haben sich kleine und mittelgroße Buyouts sowie Continuation Vehicles als widerstandsfähiger erwiesen als Large Buyouts und profitieren weiterhin von einem günstigen Verhältnis zwischen Kapitalangebot und -nachfrage.
- Im Venture-Bereich hat die Euphorie über Technologie-Börsengänge die Bewertungen über ihren Höchststand von 2021 getrieben – insbesondere bei späteren Finanzierungsrunden und KI-bezogenen Transaktionen, was mit Vorsicht zu behandeln ist.
- Im Private Debt steht die Skepsis gegenüber Direct Lending mit Fokus auf Software-bezogene Großunternehmen in den USA im Kontrast zur strukturellen Solidität des breiteren Universums an Private Debt und Credit Alternatives.
- Im Immobilienbereich war die Kluft zwischen erstklassigen und durchschnittlichen Anlagen noch nie so groß.
- Im Infrastrukturbereich gewinnen operative Anlagen mit vertraglich gesicherten Erträgen an Knappheitswert, während ein erneuerter Fokus auf Energiesicherheit Rückenwind für Energiewende-Assets bringen dürfte.
Selektivität bleibt daher entscheidend. Über Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien hinweg bevorzugen wir weiterhin Segmente, die durch disziplinierte Bewertungen, operative Wertschöpfung, diversifizierte Einkommensströme und strukturelle Nachfragetreiber gekennzeichnet sind. Das aktuelle Umfeld bestätigt diese Positionierung, anstatt sie zu verändern.
Private Equity: Von der Neuausrichtung zum Aufschwung
Private Equity zeigte Anfang 2026 weitere Anzeichen einer frühen Erholung. Die Investitions- und Exit-Aktivität verbesserte sich im ersten Quartal nach Wert, nicht aber nach Anzahl. Dies deutet darauf hin, dass der anhaltende Abschwung nach dem Post-Pandemie-Boom, der sich nun im fünften Jahr befindet, beginnt nachzulassen.
Dennoch schafft das aktuelle Umfeld weiterhin attraktive Chancen für disziplinierte Investoren. Historisch gesehen gingen Phasen eingeschränkten Fundraisings und langsamerer Kapitalallokation häufig attraktiven Investitionsjahrgängen voraus – insbesondere dort, wo Bewertungsdisziplin und operative Wertschöpfung die Renditen antreiben.
Von der Ineffizienz zur Chance
Unserer Einschätzung nach liegen die überzeugendsten Chancen weiterhin in kapitalineffizienten Segmenten – und dabei vor allem in kleinen und mittelgroßen Buyouts (Unternehmenswert unter einer Milliarde US-Dollar). Das Kapital konzentriert sich weiterhin auf die größten Fonds und Transaktionen, während die Einstiegsbewertungen im Small- und Mid-Market deutlich unter denen großer Buyouts und börsennotierter Vergleichsunternehmen liegen. Gleichzeitig ist die Finanzierung für hochwertige Anlagen weiterhin verfügbar, und operative Verbesserungspotenziale bleiben reichlich vorhanden.
Die Bewertungslücke bietet erheblichen Spielraum für Wertschöpfung zu einem Zeitpunkt, an dem Multiples-Expansion als Renditequelle immer weniger zuverlässig wird. Kleinere Unternehmen sind zudem tendenziell stärker inlandsorientiert und weniger anfällig für geopolitische Störungen und globale Handelsvolatilität. Sie setzen in der Regel auch geringere Verschuldungsgrade ein als größere Buyout-Transaktionen. In Kombination können diese Merkmale in Zeiten der Unsicherheit eine größere Widerstandsfähigkeit bieten.
Continuation: Dynamik setzt sich fort
Die Liquiditätsdynamik im Private Equity entwickelt sich weiter. Während die Exit-Aktivität durch einige große Transaktionen gestiegen ist, bleiben die Gesamtausschüttungen unter dem historischen Durchschnitt, und viele Investoren suchen weiterhin nach Liquiditätslösungen. Dies hat die Bedeutung des Sekundärmarkts unterstrichen, auf dem sowohl LP-geführte Portfolioverkäufe als auch Continuation Investments weiter wachsen – und 2026 ist auf dem Weg zu einem neuen Fundraising-Rekord.
Continuation Investments werden insbesondere zu einem zunehmend etablierten Merkmal des Private-Equity-Ökosystems. Obwohl sie weiterhin von zyklischen Liquiditätsbedürfnissen profitieren, zeigen unsere Analysen, dass ihr Wachstum überwiegend struktureller Natur ist. Es spiegelt die Fähigkeit wider, die Eigentümerschaft an hochwertigen Anlagen mit weiterem Wertsteigerungspotenzial zu behalten und bestehenden Investoren gleichzeitig optionale Liquidität bereitzustellen. Wir betrachten Single-Asset-Continuation-Vehikel insbesondere als attraktive Möglichkeit, um Zugang zu gereiften Anlagen mit hoher Transparenz über operative Performance und Wertschöpfung zu erhalten.
Abbildung 1: Sekundärmärkte bleiben ein wichtiger Liquiditätskanal für Private Equity
Quelle: Preqin Pro. Stand: 18. Mai 2026, „Evercore Secondary Market Review“, Schroders Capital, 2026.
Private Debt und Kreditalternativen: Selektive Chancen
Investoren werden nicht mehr für alle Formen von Kreditrisiko gleich entlohnt, was eine stärkere Betonung der Wertpapierauswahl und des Portfolioaufbaus erfordert.
Marktsegmente, die Leverage, Refinanzierungsbedarf und konzentrierten Sektorrisiken ausgesetzt sind, geraten stärker unter Beobachtung. Strategien, die auf harten Sicherheiten, vertraglichen Cashflows und diversifizierten Kreditnehmerpools basieren, bieten hingegen weiterhin attraktive Erträge. Die jüngste Marktvolatilität hat den Wert der Diversifikation gegenüber der Konzentration auf eine einzige Kreditstrategie unterstrichen.
Wir sind der Ansicht, dass Investoren diversifizierte Einkommensquellen anstreben sollten, die durch Vermögenswerte, Strukturen und Cashflow-Resilienz gestützt werden – anstatt sich ausschließlich auf Unternehmensfundamentaldaten zu konzentrieren. Asset-Backed Finance profitiert von Renditefaktoren, die sich von traditionellen Unternehmenskrediten unterscheiden. Die zugrunde liegende Performance wird häufig durch das Verhalten der Kreditnehmer, den Sicherheitenwert, vertragliche Rückzahlungspläne oder physische Vermögenswerte beeinflusst – und nicht allein durch Ertragswachstum, EBITDA oder Refinanzierungsbedingungen.
Versicherungsgebundene Wertpapiere: Ein echter Diversifikator
Versicherungsgebundene Wertpapiere (ILS) bleiben eine eigenständige und widerstandsfähige Renditequelle. Ihre Performance wird durch Ergebnisse versicherter Ereignisse und nicht durch Wirtschaftswachstum bestimmt und bietet damit eine wertvolle Entkopplung von Markt- und Kreditzyklen.
Infrastruktur-Eigenkapital: Strukturelle Rückenwinde, kurzfristige Komplexität
Infrastruktur-Eigenkapital profitiert weiterhin von starken strukturellen Rückenwinden, wobei die Energiewende ein zentraler Treiber langfristiger Investitionschancen bleibt.
Anhaltende geopolitische Ereignisse haben die Bedeutung der Energiesicherheit unterstrichen und sprechen für staatliche Investitionen in inländisch erzeugte, erneuerbare und flexible Energiequellen. Gleichzeitig bleiben die kurzfristigen Dynamiken komplex, da Politik, Finanzierungsbedingungen und Marktdesign den Zeitpunkt und die Verteilung der Renditen beeinflussen.
Wir erwarten, dass das aktuelle Umfeld den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien begünstigt – wenn auch mit einer Verzögerung aufgrund von Netzausbaubeschränkungen und den Auswirkungen höherer Bau- und Finanzierungskosten. Kurzfristig könnten operative Anlagen mit Merchant-Exposure von erhöhten Strompreisen profitieren.
In diesem Kontext sehen wir drei Bereiche als besonders attraktiv an:
- Operative Infrastruktur mit gemischten Erlösmodellen, die vertraglichen Abwärtsschutz mit selektivem Merchant-Upside verbinden.
- Selektiver Zugang zu Entwicklungsplattformen, wo eine Neubewertung Chancen für gut kapitalisierte Investoren geschaffen hat.
- Netzflexibilitäts- und Speicherlösungen, die von zunehmender Intermittenz, Volatilität und Nachfragewachstum profitieren.
Immobilien: Vor dem Wendepunkt
Der globale Immobilienmarkt scheint nach mehreren Jahren der Neubewertung und Anpassung vor einem Wendepunkt zu stehen. Die Transaktionsaktivität hat sich im Verlauf des Jahres 2025 und im ersten Quartal 2026 weiter verbessert, die Bewertungen haben sich weitgehend stabilisiert, und eingeschränkte Entwicklungspipelines schaffen weiterhin unterstützende Angebotsdynamiken in vielen Sektoren.
Die Erholung bleibt jedoch ungleichmäßig, und kurzfristige Gegenwinde bestehen fort. Wirtschaftliche Unsicherheit, erhöhte Finanzierungskosten und die anhaltenden Auswirkungen geopolitischer Störungen könnten das Erholungstempo verlangsamen. Dennoch zeigt unser internes Bewertungsmodell weiterhin einen wachsenden Anteil attraktiv bewerteter Chancen in verschiedenen Sektoren und Regionen. Wir sind daher weiterhin der Überzeugung, dass wir uns inmitten einer überzeugenden Abfolge von Investitionsjahrgängen für langfristige Investoren befinden.
Multi-Private-Market-Lösungen: Bewusste Diversifikation
Die Märkte haben sich erholt, aber Unsicherheit und Konzentrationsrisiken bleiben erhöht. In diesem Umfeld ist Diversifikation unverzichtbar – aber sie muss bewusst erfolgen. Die entscheidende Frage im Kontext privater Märkte ist, ob diese Anlageklassen tatsächlich eigenständige Renditefaktoren hinzufügen oder lediglich Engagements replizieren, die Investoren bereits anderswo halten – und damit im Wesentlichen das Tail-Risiko erhöhen.
Die Renditen an den börsennotierten Märkten wurden von einer schmalen Gruppe an Technologie- und KI-bezogenen Unternehmen getrieben, und ähnliche Konzentrationen können an privaten Märkten auftreten – durch Large-Cap-Buyouts, Late-Stage-Venture-Capital, Direct Lending oder bestimmte Real-Asset-Strategien, die denselben inhärenten Treibern ausgesetzt sind, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Diese Engagements können durchaus attraktiv sein, aber nur wenn sie bewusst gesetzt, angemessen bewertet und durch wirklich unterschiedliche Renditequellen ausgeglichen sind.
Die Hürde ist bei konzentrierten Engagements generell höher, erst recht im Multi-Private-Asset-Kontext, wo es weitaus mehr Investitionsstrategien zur Auswahl gibt. Da Investoren öffentliche und private Märkte zunehmend gemeinsam bewerten, bieten Anlageklassen- oder Strategiebezeichnungen möglicherweise keinen ausreichenden Schutz vor unbeabsichtigtem Konzentrationsrisiko.
Aktive Portfoliokonstruktion im Multi-Private-Asset-Kontext kann hier wirkungsvoll sein – mit einem hohen Maß an Selektivität bei Strategien und Unterstrategien sowie Kontrollen für Faktoren wie Sektor, Region, Gegenparteien, Einstandsbewertung und Leverage.
Für Investoren lautet die wesentliche Erkenntnis: Private Märkte können die Portfolio-Resilienz verbessern – aber nur dann, wenn die Allokationen selektiv, bewusst diversifiziert und komplementär zu bestehenden Beständen sind. Im heutigen Umfeld sollte das Ziel nicht sein, breiter zu allokieren, sondern bewusster zu allokieren.
Von Nils Rode, Chief Investment Officer Private Markets bei Schroders Capital
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