Andreas Pichler: Die verstärkte Berichterstattung hat tatsächlich in zahlreichen Investorengesprächen ihren Niederschlag gefunden: Investoren fordern heute völlig zu Recht absolute Transparenz und eine proaktive Kommunikation zu Chancen und Risiken von Private-Markets-Produkten. Die Zeit, als jedes Private-Markets-Produkt Kapital aufnehmen konnte, ist vorbei. Jetzt zählen Qualität und Managerselektion und erfahrene Partner. Positiv ist, dass Investoren heute deutlich bewusster über ihren tatsächlichen Liquiditätsbedarf nachdenken. Dadurch rückt die Frage in den Vordergrund, welches Produkt zum jeweiligen Portfolio passt - was unsere Rolle als Berater hervorhebt. Zum US Private-Credit-Markt sind wir in aktivem Austausch mit unseren Erste-Group-Kollegen in New York, die zwar Risiken sehen aber ganz klar kein systemisches Problem oder gar Ansteckungseffekte in Richtung Europa. Letzteres möchte ich ebenfalls klar bestätigen: aus meiner Sicht ist der Private-Credit-Markt in Europa und vor allem unserem Heimatmarkt CEE in einer anderen Entwicklungsphase als in den USA: Bewertungen sind konservativer, Leverage ist niedriger und der Markt ist fragmentierter. Deshalb sehen wir keine Anzeichen von systemischen Risiken in Europa.
Andreas Pichler: Als Erste Group und Erste Asset Management sind wir seit vielen Jahren aktiver Investor in Private Equity in Zentral- und Osteuropa: die Erste Group Bank investiert in ein wachsendes Portfolio von Private-Equity- und Wachstumskapitalfonds in unserer Heimatregion. Als Asset Manager machen wir dieses langjährige Knowhow und unser Netzwerk in CEE unseren Kunden zugänglich. Wir vergrößern derzeit unser Team und haben über die jüngste erfolgreiche Akquisition der Erste Group in Polen unser CEE-Netzwerk stark ausgebaut. Wir haben durch unser starkes Netzwerk Zugang zum relevanten Dealflow und zu allen Managern in der Region CEE. Im Asset Management sind wir derzeit im Fundraising der 2. Generation unseres CEE Private Equity Dachfonds Produkts EDPE II (Erste Diversified Private Equity), das sich an institutionelle und professionelle Kunden richtet. Über das First Closing im April sind wir sehr glücklich. Wir sind überzeugt davon, dass wir unseren Kunden damit Zugang zu unternehmerischem Risiko in der Wachstumsregion CEE in breit diversifizierter Form bieten können und glauben an die Attraktivität unserer Heimatregion.
Andreas Pichler: Im zweiten Halbjahr wird unser Fokus darauf liegen, unser Produktangebot und unsere Private-Markets-Plattform in allen Märkten der Erste Group weiter auszubauen. Für professionelle und institutionelle Investoren entwickeln wir dazu unser Dachfonds-Programm weiter. Für Private-Banking-Kunden in Österreich und unseren anderen Heimatmärkten haben wir mit dem Erste Private Markets Evergreen ELTIF kürzlich ein passendes Produkt lanciert: unsere globale Private-Markets-Basisallokation, die wir gemeinsam mit Partners Group umsetzen. Hier können unsere Private-Banking-Kunden mit einem einzigen Produkt Exposure aufbauen zu unterschiedlichen Private-Markets-Segmenten wie Private Equity Buyout, Infrastruktur, Royalties und künftig auch Private Debt in einer Evergreen Struktur, die laufende Einzahlungen und quartalsweise Rücknahmen in gewissem Ausmaß ermöglicht. Private-Markets-Produkte eignen sich sehr gut zur langfristigen Veranlagung über einen Zeitraum von 10 Jahren und mehr - die Illiquidität und Risikoprofil der zugrundeliegenden Unternehmensbeteiligungen und Assets ist dabei aber nicht außer Acht zu lassen, weshalb das Produkt auch in erster Linie von unseren erfahrenen Private-Banking-Beratern vertrieben wird.
Andreas Pichler: Die Weiterentwicklung des Marktes passiert auf vielen unterschiedlichen Ebenen: einerseits sehen wir eine weitere Professionalisierung der einzelnen Private-Markets-Manager, Fokussierung auf Investmentthemen wie zB. im Technologie-, Healthcare- oder Infrastrukturbereich. Andererseits bring die Öffnung des Sektors hin zu privaten Investoren wie zB. über Evergreen ELTIFS eine erhöhte Publizität und auch erhöhte Transparenzanforderungen mit sich. Die Kenntnis und das Verständnis zu Private-Markets-Produkten im Allgemeinen steigt und das ist eine sehr positive Entwicklung: Liquidität ist zuletzt das zentrale Thema in vielen Kundengesprächen und geht einher mit der Definition des eigenen kundenseitigen Liquiditätsbedarf, aber auch mit dem Verständnis für die Komplexität von illiquiden Assets wie den zugrundeliegenden Unternehmensbeteiligungen oder Infrastruktur-Assets. Professionelle Beratung gewinnt hier an Bedeutung und stärkt die Rolle eines erfahrenen Private-Banking- oder Wealth-Management-Beraters. Dieser differenzierte Dialog mit unseren Kunden stärkt das Vertrauen und ist sicher eine Stärke der Erste Bank und Sparkassengruppe.
Bleiben Sie gespannt - in den kommenden Wochen veröffentlichen wir weitere Marktanalysen und Einschätzungen führender Köpfe der deutschsprachigen Private-Markets-Branche.
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