Investment-Grade dominiert die Nachfrage
Die Allokationspläne institutioneller Investoren verschieben sich deutlich zugunsten der Privatmärkte, wie Marsh anlässlich der Veröffentlichung des „2026 Global Insurance Investments Survey“ erklärte. Demnach beabsichtigen 57% der befragten Versicherer, ihr Exposure in Private Credit in den nächsten 12 bis 24 Monaten ausbauen. Damit übertrifft die Assetklasse sogar liquide Investment-Grade-Anleihen (48%) als stärksten Wachstumsbereich. Zum Vergleich: In der Erhebung von 2024 lag die geplante Ausweitung für Private Credit noch bei 32%.
Das Interesse konzentriert sich primär auf das Investment-Grade-Segment. Jeweils rund 40% der Investoren fokussieren sich auf Investment-Grade Direct Lending, Private Placements sowie Asset-Based Finance, Structured Credit, NAV-Lending und Fund Finance. Da das Investment-Consulting innerhalb der Marsh-McLennan-Gruppe traditionell über die Schwestergesellschaften Mercer und Oliver Wyman abgewickelt wird, ordnen deren Experten die Umfragedaten ein. „Privatkredite bieten Versicherern attraktive Chancen, insbesondere im Bereich der durch Vermögenswerte besicherten Wertpapiere. Versicherer können so ihr Portfolio vom Unternehmensrisiko diversifizieren und gleichzeitig eine deutliche Renditesteigerung gegenüber öffentlich gehandelten Anleihen mit ähnlichem Rating und Investment-Grade-Status erzielen“, kommentiert David Morrow, Global Insurance Proposition Leader bei Mercer.
Regionale und strukturelle Divergenzen
Nordamerikanische Versicherer agieren als Treiber: In den USA planen 65%, in Kanada 74% eine Erhöhung der Allokation. In Europa (51%) und Großbritannien (46%) fällt die Bereitschaft moderater aus. Zudem korreliert der Risikoappetit stark mit der Bilanzsumme: Während 81% der Häuser mit Assets über 25 Milliarden US-Dollar aufstocken wollen, sind es bei Playern unterhalb dieser Schwelle nur 46%. Lebensversicherer (73%) zeigen sich dabei deutlich allokationsfreudiger als Property & Casualty-Anbieter (40%).
Renditekompression und Managerselektion
Trotz des strukturellen Wachstums wächst die Sensibilität für späte Zyklusrisiken. Zu den Hauptsorgen der Versicherer zählen eine sinkende Illiquiditätsprämie und engere Spreads (66%) sowie sich verschlechternde Underwriting-Standards oder Covenants (54%) und steigende Defaults beziehungsweise PIK-Strukturen (51%). „Um die Vorteile privater Kredite nutzen zu können, müssen Versicherer über ein strenges Verfahren zur Auswahl der Fondsmanager verfügen", betont Amit Popat, Global Head of Financial Institutions bei Mercer.
Dies trifft bei den Investoren auf eine eklatante Ressourcenlücke: Nur 30% der Versicherer geben an, über ausreichende Inhouse-Kapazitäten für Private-Markets-Investments zu verfügen. Wie Josh Zwick, Partner bei Oliver Wyman, erläutert, suchen selbst größte Versicherer vermehrt externe Private-Credit-Manager als strategische Partner, um Origination-Kapazitäten aufzubauen und komplexe Marktsegmente zu navigieren.
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