Strukturwandel im Credit-Markt: Warum High Yield gegenüber Leveraged Loans an Qualität gewinnt

Der globale High-Yield-Markt durchläuft eine strukturelle Qualitätsverbesserung. Wie der Asset Manager KKR in einer aktuellen Analyse aufzeigt, treiben ein Rekordhoch an BB-Ratings, eine historisch niedrige Duration und ein geringeres Exposure im krisenanfälligen Software-Sektor Sponsoren in die Anlageklasse. Für institutionelle Anleger ergeben sich daraus neue risikoadjustierte Opportunitäten gegenüber Leveraged Loans und Direct Lending.

Private Debt

06.08.2026 12:02 Uhr
Autoren der Analyse Christopher A. Sheldon, Eddie O'Neill & Jeremiah S. Lane / © PrivateMarkets360 / KKR
Autoren der Analyse Christopher A. Sheldon, Eddie O'Neill & Jeremiah S. Lane / © PrivateMarkets360 / KKR

Steigende Kreditqualität und sinkende Duration

Der High-Yield-Markt hat sich in den vergangenen Jahren strukturell gewandelt und nähert sich qualitativ dem Investment-Grade-Universum an. Wie KKR in einer aktuellen Marktanalyse berichtet, liegt der Anteil an BB-gerateten Anleihen in den USA mittlerweile bei einem Rekordwert von 57%, in Europa sogar bei 68%. Im Kontrast dazu besteht der Markt für Leveraged Loans zu rund 60% aus Single-B-Ratings.

Neben der reinen Rating-Qualität heben die Autoren der Studie zwei weitere Dimensionen hervor: Zum einen liegt die effektive Duration des Marktes mit rund drei Jahren auf einem 15-Jahres-Tief, was die aktuelle Spread-Bewertung in einem milderen Licht erscheinen lässt. Zum anderen hat die strukturelle Seniorität massiv zugenommen. First Lien Secured Bonds machen in den USA mittlerweile 33% des Marktes aus, was laut KKR ein Allzeithoch darstellt.

Geringeres Exposure im Software-Sektor schützt vor KI-Disruption

Ein wesentlicher relativer Vorteil von High Yield zeigte sich laut der Publikation während des jüngsten Repricings im Tech-Segment. Während der Software-Sektor bei U.S. Leveraged Loans rund 13% und im Direct Lending sogar über 20% ausmacht, liegt das Exposure im High-Yield-Segment (USA und Europa) bei lediglich 3%. Als Sorgen um KI-getriebene Disruptionen zu einer Neubewertung von Software-Krediten führten, erwies sich High Yield aufgrund der strukturell geringeren Sektorkonzentration als deutlich widerstandsfähiger.

Sponsoren diversifizieren ihre Finanzierungsquellen

Historisch betrachtet war High Yield nicht die erste Wahl für Finanzinvestoren, die zumeist flexiblere Floating-Rate-Strukturen im Loan- oder Direct-Lending-Markt bevorzugten. Laut den Experten von KKR verschiebt sich dieses Kalkül derzeit signifikant. Da CLOs zunehmend selektiver agieren und die Konditionen im Direct Lending restriktiver werden, rückt die Ausführungssicherheit des Bond-Marktes in den Fokus.

Ein High Yield Bond bietet Sponsoren fixe Kapitalkosten und schützt durch Call Protection vor Repricing-Risiken. Zudem stehen in den nächsten zwei Jahren Refinanzierungen von Leveraged Loans im Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar an. Jüngste Transaktionen belegen, dass der Loan-Markt diese Volumina teils nicht allein absorbieren kann, wodurch High Yield zu einem essenziellen Bestandteil großvolumiger Refinanzierungsstrukturen wird.

Risikoadjustierte Opportunität für Allokatoren

Für institutionelle Anleger resultiert aus diesen Entwicklungen laut KKR eine strukturelle Reallokations-These. Zwar bieten U.S. Leveraged Loans mit 8.1% aktuell eine höhere Rendite als der U.S. High-Yield-Index (ca. 7.3%), doch spiegele diese Prämie keine besseren Fundamentaldaten wider. Sie kompensiere vielmehr für das höhere Risiko, CLO-technische Faktoren und den erwähnten Software-Overhang. Der europäische High-Yield-Markt bietet aktuell rund 5.5% Rendite, wobei FX-gehedgte Investoren zusätzlichen Carry generieren können. In Kombination mit der eingebetteten Optionalität durch potenzielle vorzeitige Refinanzierungen, die über pari ablösen, stelle High Yield auf dem aktuellen Zinsniveau den attraktiveren risikoadjustierten Einstiegspunkt im Leveraged-Finance-Spektrum dar.

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