Nicole Grützmacher: Die genannten Aspekte waren regelmäßig Thema bei Investorengesprächen, führten bei institutionellen Investoren im deutschsprachigen Raum jedoch kaum zu größeren Bedenken. Viele Schlagzeilen betrafen Aspekte, die für diese Investorengruppe weniger relevant sind. Historisch liegt deren Fokus überwiegend auf geschlossenen Fondsstrukturen, sodass Diskussionen über Redemption Caps oder Gatings meist keine zentrale Rolle spielten. Auch bei den zugrunde liegenden Kreditportfolios war vereinzelt ein Anstieg von Watchlist- und Default-Raten zu beobachten, dieser blieb jedoch moderat und deutlich unter den Stressniveaus von 2020. Aus unserer Sicht zeigt sich die Qualität eines Direct-Lending-Managers vor allem in herausfordernden Marktphasen. Entsprechend legen wir besonderen Wert auf Teams mit Restrukturierungs- und Sanierungserfahrung sowie operativer Durchsetzungskraft. Das viel diskutierte KI- und Software-Risiko wird eher als Private-Equity-Thema wahrgenommen. Insgesamt sehen wir daher keinen Wendepunkt, sondern eine Fortsetzung der bereits selektiveren Manager- und Portfolioanalyse.
Nicole Grützmacher: Die letzten sechs Monate waren von einem anspruchsvollen Marktumfeld geprägt. Dazu gehörten unter anderem die strategische Einordnung einzelner Investmentthemen, die potenzielle Disruption durch Künstliche Intelligenz, geopolitische Spannungen sowie die Diskussion über die Attraktivität von Investitionen in Nordamerika. Gleichzeitig richten viele Investoren den Blick wieder stärker auf langfristige Fundamentaldaten und prüfen neue Opportunitäten selektiver.
Eine Ausnahme bleibt der Real-Estate-Sektor. Hier sind nach wie vor Bewertungsanpassungen, Refinanzierungsthemen und teilweise angespannte Marktsituationen zu beobachten, die weiterhin hohe Aufmerksamkeit bei Investoren und Managern erfordern.
Darüber hinaus haben wir uns intensiv mit der Weiterentwicklung unserer eigenen Transparenz- und Analysesysteme auseinandergesetzt. Unser Ziel ist es, unseren Kunden einen noch tieferen Einblick in ihre Private-Markets-Portfolios zu ermöglichen und die Detailtiefe unserer Analysen kontinuierlich auszubauen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmend komplexer Portfolios und eines immer breiter werdenden Anlageuniversums wird es immer wichtiger, relevante Informationen strukturiert und verständlich aufzubereiten.
Nicole Grützmacher: Eine breite Diversifikation bleibt entscheidend. Wir suchen gezielt nach Neuinvestments, die neue Risiko- und Renditetreiber erschließen und Portfolios widerstandsfähiger machen.
Attraktive Chancen sehen wir vor allem bei Themen wie Souveränität, Resilienz und strategischer Unabhängigkeit. Daraus ergeben sich insbesondere Opportunitäten in Infrastruktur und Private Equity; an der Schnittstelle beider Segmente trifft strukturelles Wachstum häufig auf stabile Cashflows.
Im Private-Equity-Bereich bleiben Turnaround- und Special-Situations-Strategien interessant, da gute Manager Unternehmen teils zu attraktiven Einstiegsmultiples erwerben können.
Auch opportunistische Private-Credit-Secondaries in den USA erscheinen attraktiv. Hier lassen sich mitunter Beteiligungen mit Abschlägen auf den Nettoinventarwert erwerben. Der Sekundärmarkt entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen Anlageklasse, wird von deutschen Investoren aber noch vergleichsweise wenig genutzt.
In Europa bleibt Lower-Mid-Market Direct Lending relevant: Höhere Ziel-Spreads und niedrigere Verschuldungsgrade bieten ein überzeugendes Risiko-Rendite-Profil.
Bei den Vehikelstrukturen bleiben geschlossene Fonds für etablierte Investoren meist die erste Wahl. Semi-liquide Strukturen können vor allem Neueinsteigern den Zugang erleichtern und zusätzliche Flexibilität schaffen.
Nicole Grützmacher: Gerade in Private Markets sind Transparenz, verständliche Einordnung und verlässliches Reporting entscheidend, um Vertrauen bei Investoren aufzubauen und langfristig zu stärken. Nachdem viele professionelle Investoren in der Niedrigzinsphase signifikante Allokationen aufgebaut haben, gewinnen Steuerung, Überwachung und Analyse dieser Portfolios zunehmend an Bedeutung.
Wir beobachten, dass insbesondere größere Manager erhebliche Ressourcen in Investor Relations, Reporting-Plattformen und Transparenzlösungen investieren. Auch Künstliche Intelligenz kann helfen, Informationen effizienter aufzubereiten und Investoren einen besseren Zugang zu relevanten Daten zu ermöglichen.
Gleichzeitig wird das Anlageuniversum der Private Markets breiter und vielfältiger. Um Investoren die Einordnung neuer Strategien und Segmente zu erleichtern, braucht es ausreichend Informationen sowie ein fundiertes Verständnis für die jeweiligen Anlagethemen und deren Chancen-Risiko-Profile.
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