Moonfare zu Private Markets im 2. Halbjahr: Warum DPI und Liquidität den bloßen Marktzugang schlagen

Die Private Markets senden zur Jahresmitte 2026 gemischte Signale. Wie Philip Meschke von Moonfare in einem exklusiven Gastbeitrag analysiert, rücken Liquidität und DPI zunehmend in den Fokus institutioneller Allokatoren. Während Europa bei Exits relative Stärke zeigt, erfordert die Performance-Schere von über 1.400 Basispunkten zwischen Managern eine deutlich selektivere Anlageentscheidung für das zweite Halbjahr.

Private Equity

17.08.2026 11:24 Uhr
Philip Meschke, Head of Private Equity bei Moonfare / © PrivateMarkets360 / Moonfare
Philip Meschke, Head of Private Equity bei Moonfare / © PrivateMarkets360 / Moonfare

Die Private Markets senden im ersten Halbjahr 2026 gemischte Signale: Das globale Investitionsvolumen sank, während die Zahl der Transaktionen stieg1, allerdings bei geringerer Risikobereitschaft und konservativeren Bewertungen. Besonders der Technologiesektor geriet unter Druck. Europa zeigte sich bei Exits und Dealaktivität vergleichsweise robust2. Wer diese gemischten Signale als Schwäche deutet, zieht jedoch die falsche Schlussfolgerung. Der Markt wird selektiver und fordert von Privatinvestoren einen fundamentalen Strategiewechsel: Es gewinnt, wer echte Qualität, Liquidität und Managerleistung von bloßem Zugang unterscheiden kann.

Liquidität und DPI als neue Leitwährungen

Seit vier Jahren liegen die Ausschüttungen an Limited Partners unter 15 Prozent des Net Asset Value (NAV), ein historischer Negativrekord3. Dadurch bleibt institutionelles Kapital in unrealisierten Fondspositionen gebunden. Mehr als die Hälfte der institutionellen LPs sieht unabgerufene Commitments als Begrenzung für neue Allokationen4.

DPI (Distributed to Paid-In Capital) wird damit mindestens so wichtig wie der buchhalterische MOIC (Multiple on Invested Capital.)5 Das verfügbare Kapital konzentriert sich auf etablierte Manager mit nachweisbaren Rückflüssen: Rund 70 Prozent der LP-Commitments 2024 und 2025 gingen an bestehende GP-Beziehungen.6 Auch Secondaries gewinnen an Bedeutung. Eine spürbare Erholung der Ausschüttungen dürfte frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2027 einsetzen. Wer bis dahin abwartet, reiht sich bei Top-Managern hinter bereits investierten Investor:innen ein. 

Das Exit-Umfeld: Europa als relativer Lichtblick

Globale Exit-Zahlen sind zuletzt zwei Quartale in Folge gesunken.7 Geopolitische Unsicherheiten, Handelskonflikte und KI-bedingte Bewertungsfragen halten die Lücke zwischen Käufer- und Verkäufererwartungen offen.8 GPs dürften Qualitätsassets daher eher über Continuation Vehicles nahe am Buchwert weiterführen, als deutliche Preisabschläge bei klassischen Exits hinzunehmen. Größer dürfte der Preisdruck bei kleineren und mittelgroßen Managern sein, die stärker auf neues Fundraising angewiesen sind.

Europa ist ein relativer Lichtblick: Das Exit-Volumen stieg im ersten Halbjahr um 59 Prozent. Allerdings entfielen im zweiten Quartal rund zwei Drittel des Volumens auf nur 22 Mega-Exits.9

Transaktionen wie die überwiegend aktienbasierte Einbringung von TK Elevator in Kone mit einem Unternehmenswert von €29,4 Mrd. zeigen, dass operative Verbesserungen strategische Käufer anziehen, auch wenn echte Liquidität hier erst 2027 fließt.10

Für das zweite Halbjahr spricht das für eine selektive Erholung. Entscheidend bleibt der Zinspfad der US-Notenbank. Angesichts hartnäckiger Inflation und geopolitischer Risiken ist eine schnelle Lockerung unwahrscheinlich11. Der Exit-Stau für viele Unternehmen der Jahrgänge 2021 und 2022 könnte sich somit bis 2027 verlängern12.

Die 1.400-Basispunkte-Schere: Managerselektion als Kernentscheidung

Das globale Fundraising sendet ein trügerisches Signal der Stärke: Das Fundraising konzentriert sich extrem an der Spitze: Allein die Top 10 Manager zogen zuletzt ein Viertel des gesamten Kapitals an13

KKR beziffert die Performance-Spanne zwischen Top- und Bottom-Quartile-Managern im Private Equity auf über 1.400 Basispunkte. Zum Vergleich: In den Public Markets liegt diese Spanne bei lediglich rund 300 Basispunkten14. Managerselektion ist damit die wichtigste Einzelentscheidung. 

Private-Wealth-Investoren gewinnen für Manager als Kapitalquelle deutlich an Bedeutung: allein Blackstone zog im vierten Quartal 2025 über elf Milliarden Dollar von privaten Anlegern an15. Mit dem vereinfachten Zugang steigen jedoch die Anforderungen. Liquidität in Evergreens ist nicht garantiert, sondern hängt von Fondsbedingungen, Barmitteln und der zugrundeliegenden Exit-Aktivität ab.

KI und Venture Capital: Der Hype als Stresstest

Die Gefahr, Zugang mit Qualität zu verwechseln, ist nirgends größer als aktuell im Venture Capital. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 86 Prozent der US-VC-Investitionen auf KI, mehr als 40 Prozent davon flossen allein in OpenAI und Anthropic. Fällt hier eine Mega-Runde aus, kippt das Gesamtbild.

Der reine Zugang zu einem KI-Deal ist kein Erfolgsgarant mehr, insbesondere nicht bei den aktuellen Bewertungen. Erfolgreiche Manager konzentrieren sich auf die KI-Infrastruktur: Rechenzentren, Energieversorgung und Betriebstechnologien werden gebraucht, unabhängig davon, welches Foundation-Modell sich durchsetzt. Entscheidend bleibt der Zugang zu überzeichneten, aber eben nicht überbewerteten Chancen.

Implikationen für H2/2026: Handlungsempfehlungen

Für das zweite Halbjahr erwarten wir keine gleichmäßige Erholung. Die Spreu wird sich weiter vom Weizen trennen. Für Private-Wealth-Investoren und Family Offices ergeben sich daraus klare Handlungsmaximen:

  1. Fokus auf echte Exits: Unternehmen mit mehreren Exit-Optionen (strategischer Verkauf, Sponsor-to-Sponsor, IPO) schlagen Assets, die von einem einzigen Käufertyp abhängen.
  2. Echte Liquidität statt konstruierter Ausschüttungen: LPs sollten unterscheiden, ob DPI aus klassischen Exits stammt oder mithilfe von Continuation Vehicles und NAV Loans erzeugt wurde. Entscheidend ist, ob ein Manager nachhaltig Kapital zurückführt, nicht nur, ob kurzfristig Ausschüttungen ausgewiesen werden.
  3. Secondaries aktiv nutzen: LPs sollten den Sekundärmarkt als Instrument für Liquidität und Portfoliosteuerung einsetzen, statt ausschließlich auf die Wiederöffnung des klassischen Exit-Fensters zu warten.
  4. Kuration statt pauschaler Allokation: Fondsbedingungen und Liquiditätsmechanismen müssen rigoros geprüft werden. 

Der entscheidende Wettbewerbsvorteil der nächsten Marktphase liegt nicht im Marktzugang allein. Er liegt in der Fähigkeit, aus der Flut der verfügbaren Angebote die wahren Top-Quartile-Manager herauszufiltern. Wer heute Zugang mit Qualität verwechselt, wird morgen den Preis dafür zahlen.

Von Philip Meschke, Head of Private Equity bei Moonfare

1 Pitchbook, Q2 2026 Global PE First Look, zitiert im Moonfare 2026 Mid-Year Report
2 Pitchbook Q2 2026 European PE Breakdown, zitiert im Moonfare Mid-Year Report
3 Bain & Company 2026, zitiert in Moonfare Fundraising + Mid-Year Report
4 Private Equity International, 2026
5 McKinsey Global PM Survey 2026, zitiert im Moonfare Fundraising Artikel
6 Preqin / Pipelineroad, zitiert im Moonfare Fundraising Artikel
7 Pitchbook Q2 2026 Global PE First Look
8 S&P Global Market Intelligence, zitiert im Moonfare Mid-Year Report

9 Pitchbook Q2 2026 European PE Breakdown, zitiert im Moonfare Mid-Year Report
10 Pitchbook / Financial Times, zitiert im Moonfare Mid-Year Report
11 BBC 'No magic wand' to tackle high prices, Fed boss says as US interest rates held
12 Moonfare-Artikel Can mega-IPOs accelerate distributions in private markets?
13 Private Equity International: PEI 300, Juni 2026
14 KKR, A Clearer View of Private Equity, Juli 2026
15 Yahoo Finance / Blackstone Earnings

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