Das CFA Institute Research and Policy Center sieht mit der zunehmenden Öffnung von Private Credit für Wealth-Management- und Retail-Investoren steigenden regulatorischen Handlungsbedarf. In dem Report „Private Credit Funds and the Retail Shift: Structural Vulnerabilities and Policy Responses“ untersucht das Institut, wie sich bestehende Risiken der Assetklasse durch neue Vertriebs- und Fondsstrukturen verändern.
Private Credit war traditionell vor allem institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherern vorbehalten. Inzwischen wächst der Zugang über semiliquide Fonds, nicht börsennotierte Business Development Companies, Feeder-Strukturen, digitale Plattformen und regulierte Long-Term-Investment-Vehikel.
Liquiditätsversprechen treffen auf illiquide Assets
Nach Einschätzung des CFA Institute beseitigt diese Entwicklung die strukturellen Risiken von Private Credit nicht, sondern verändert deren Übertragung. Private Loans sind typischerweise illiquide, schwer zu bewerten und durch individuell ausgehandelte Kreditverträge geprägt. Retail-orientierte Vehikel verbinden diese Eigenschaften teilweise mit periodischen Rückgabemöglichkeiten und häufigeren Bewertungen.
Daraus kann ein Liquidity Mismatch entstehen: Während Investoren Rücknahmen erwarten, lassen sich die zugrunde liegenden Kredite insbesondere in Stressphasen nicht ohne Weiteres veräußern. Als mögliche Folgen nennt der Report unter anderem Gates, Rücknahmebeschränkungen und erzwungene Asset-Verkäufe.
Auch bei der Bewertung sieht das CFA Institute Risiken. Private Loans werden häufig modellbasiert statt anhand laufender Markttransaktionen bewertet. Dadurch könne eine Verschlechterung der Kreditqualität verzögert sichtbar werden und zugleich der Eindruck geglätteter Renditen entstehen.
Leverage und Interconnectedness im Fokus
Weitere Risiken sieht der Report bei Konzentration, Leverage und den zunehmenden Verflechtungen zwischen Private-Credit-Fonds, Private-Equity-Sponsoren, Kreditnehmern und Banken. Layered Leverage könne die Übertragung von Stress innerhalb des Finanzsystems verstärken.
Zudem verweist das CFA Institute auf schwächere Gläubigerschutzmechanismen durch Covenant-lite-Strukturen und permissivere Kreditdokumentationen. Diese erhöhten zwar die Flexibilität für Kreditnehmer und Sponsoren, könnten aber die Möglichkeiten der Kreditgeber einschränken, frühzeitig auf eine Verschlechterung der finanziellen Situation zu reagieren.
Vier regulatorische Prioritäten
Das CFA Institute leitet daraus vier zentrale Handlungsfelder ab. Erstens sollen Investor Safeguards durch Suitability-Standards, klarere Offenlegung und Investor Education gestärkt werden. Zweitens fordert der Report mehr Transparenz bei Bewertung und Gebühren.
Drittens sollen Liquiditätsrisikomanagement, Datenaustausch und die grenzüberschreitende regulatorische Zusammenarbeit verbessert werden. Viertens empfiehlt das Institut eine stärkere Überwachung neuer Risiken im Zusammenhang mit Leverage, Securitization, NAV-based Lending und potenziellen Interessenkonflikten von Sponsoren.
Ziel sei dabei nicht, Innovation oder den breiteren Zugang zu Private Credit einzuschränken. Vielmehr müssten Produktausgestaltung, Governance und Regulierung mit der wachsenden Investorenbasis Schritt halten. Das CFA Institute sieht insbesondere dann zusätzliche systemische Risiken, wenn Liquiditäts-, Bewertungs- und Offenlegungsstandards nicht mit den Eigenschaften der zugrunde liegenden Assets übereinstimmen.
Weitere beliebte Meldungen: