Wenn es um die Wirtschaftslage in den USA geht, können die Wahrnehmungen unter den US-Verbrauchern durchaus unterschiedlich sein. Wohlhabendere Haushalte profitieren weiterhin von steigenden Vermögenspreisen und einem soliden Einkommenswachstum. Einkommensschwächere Familien hingegen haben mit den Folgen von jahrelang höheren Preisen sowie mit verschärften Kreditvergabestandards zu kämpfen.
Für verbrauchernahe Kreditsegmente und andere Anlagen, die an Haushalte geknüpft sind, hat dieses wirtschaftlich ungleiche Bild und seine weitere Entwicklung Tragweite. Das gilt insbesondere für „Asset-based Finance“ (ABF), einen Teilbereich der privaten Kreditvergabe, bei dem Investments durch bestimmte Sicherheiten unterlegt sind. Hier macht es nun Sinn, auf ausgewählte und qualitativ hochwertige Investments zu setzen, die durch solide Verbraucherbilanzen besichert sind. Bei Subprime-Anlagen und anderen potenziellen Schwachstellen ist Vorsicht geboten.
ABF ist allerdings nicht auf verbrauchernahe Sektoren beschränkt. Mit anderen ABF-Bereichen können Anleger ihr Portfolio diversifizieren und spezifische Risiken im Verbraucherkreditgeschäft reduzieren.
Bekannte Schere, neuer Schnitt
In der wirtschaftlichen Entwicklung seit der Pandemie war das Konzept der „K-förmigen“ Wirtschaft tonangebend. Die auseinanderlaufenden Teile des Buchstaben K beschreiben eine zweigeteilte Wirtschaft, in der einkommensstärkere Haushalte voranpreschen, während einkommensschwächere kaum hinterherkommen. Aktuellen Daten zufolge muss dieses Narrativ nun differenzierter betrachtet werden.
Bei einkommensstärkeren Haushalten bleibt zunächst vieles beim Alten. Ihnen kommen auch weiterhin die Faktoren zugute, die schon während des gesamten Konjunkturzyklus auf ihre Widerstandsfähigkeit eingezahlt haben: starke Aktienmärkte, aufgebautes Vermögen, steigende Immobilienpreise und solide Bilanzen. Gemessen am verfügbaren persönlichen Einkommen liegt das Nettovermögen der privaten Haushalte beinahe auf Rekordniveau (siehe Abbildung 1). Wohlhabendere Haushalte tragen weiterhin überproportional zum Konsumwachstum bei und bleiben damit eine wichtige Säule der gesamtwirtschaftlichen Stärke.
Abbildung 1: Das Nettovermögen der privaten Haushalte ist gemessen am verfügbaren persönlichen Einkommen gestiegen
Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System, Stand: 31. Dezember 2025
Auch die untere Hälfte der Einkommensverteilung bleibt der K-Form treu, steht also weiterhin unter Druck. Allerdings verschlechtert sich ihre Lage nicht mehr einheitlich. Aktuelle Beschäftigungszahlen im privaten Sektor und Daten zu Kontoguthaben deuten darauf hin, dass die Löhne bei Geringverdienern im vergangenen Jahr etwas schneller gestiegen sind. Damit hat sich der zuvor größer gewordene Abstand zu den Besserverdienenden wieder etwas verringert. Gleichzeitig hat die Beschäftigung in ausgewählten Niedriglohnbranchen zugenommen, darunter sind auch Sektoren, die vom Investitions-Boom in KI-Infrastruktur profitieren.
Das Ergebnis der Differenzierung: Gespalten ist die Wirtschaft nach wie vor, aber die Trennlinie hat wohl an Schärfe verloren. Der Arbeitsmarkt scheint nicht mehr einfach zwischen starken und schwachen Verbrauchern zu unterscheiden, sondern zwischen einzelnen Bereichen, die sich jeweils besser oder schlechter entwickeln. So kommen die Arbeitskräfte in bestimmten Branchen weiterhin in den Genuss von soliden Lohnzuwächsen und guten Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch wenn die Neueinstellungen über den gesamten Arbeitsmarkt hinweg nach historischen Maßstäben eher verhalten bleiben.
Daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Dynamik. Einkommensschwächere Haushalte profitieren zwar von einer gewissen Verbesserung ihrer Arbeitseinkommen, haben aber oftmals weiterhin am angesammelten Paket aus jahrelang hohen Preisen, aufgebrauchten Ersparnissen und verschärften Kreditbedingungen zu knabbern. Einkommensstärkere Haushalte genießen dagegen weiterhin finanzielle Sicherheit, könnten aber einem neuen Risiko stärker ausgesetzt sein: einer durch KI ausgelösten Verdrängung von Arbeitsplätzen im gehobenen Dienstleistungsbereich.
Stellt sich die Frage, ob KI diese Unterschiede letztlich verringern oder verstärken wird. Bislang konzentrieren sich die Verwerfungen am Arbeitsmarkt vor allem auf Einstiegspositionen in akademischen und technologieorientierten Berufen, während die Beschäftigung im spezialisierten Bau- und Handwerksgewerbe deutlich zugenommen hat.
Risiken und Szenarien
Aus Anlegersicht ist das deutlichste Signal für zunehmenden finanziellen Stress weiterhin im Subprime-Verbraucherkreditgeschäft zu verorten. So sind beispielsweise die 90-Tage-Zahlungsverzugsquoten bei Subprime-Autokrediten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während die Quote bei Prime-Autokrediten relativ stabil geblieben ist (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Die Zahlungsverzugsquoten bei Subprime-Autokrediten sind im Vergleich zu Prime-Autokrediten deutlich gestiegen
Quelle: Intex, Stand: 2. Juni 2026
Wie sich an Asset-Backed Securities (ABS) auf Basis von Subprime-Autokrediten zeigt, lässt sich ein wesentlicher Teil des Anstiegs der Subprime-Verzugsquoten der vergangenen Jahre auf die Qualität der Kreditvergabe bei bestimmten Kreditjahrgängen aus den Jahren 2022 bis 2024 zurückführen. Diese Kredite wurden zu einer Zeit vergeben, als der Wettbewerb um Kreditvolumen besonders intensiv war. Deshalb liegt die Ursache für den Anstieg weniger in einer generellen Verschlechterung der Kreditnehmer-Bonitäten. Inzwischen wurden die Kreditvergabestandards verschärft, und außerhalb des Subprime-Segments ist die Entwicklung vergleichsweise stabil.
Eine Frage muss allerdings gestellt werden: Kann die aktuelle Schwäche im Subprime-Segment allein ein Vorbote von umfangreicheren Verwerfungen sein, oder bräuchte es dafür einen externen Brandbeschleuniger? Ein wirklicher Schock am Arbeitsmarkt oder ein abruptes Ende des KI-Investitionszyklus beispielsweise?
Wir glauben nicht, dass die derzeitige Schwäche bei Subprime-Krediten ein vergleichbares Risiko für die Gesamtwirtschaft darstellt wie die Subprime-Hypothekenkrise im Jahr 2008. Wir erwarten somit auch keine Wiederholung dieser Episode, zumal damals die Schwäche der Bilanzen selbst die Krise ausgelöst hat. Die heutigen Belastungen erscheinen kontrollierbarer und im idiosynkratischen Sinne stärker auf einzelne Marktsegmente konzentriert.
Nichtsdestotrotz muss diese Einschätzung Überprüfungen standhalten. Größerer Anlass zur Sorge wäre gegeben, wenn sich die Arbeitsmarktschwäche über Einstiegspositionen und KI-anfällige Jobs hinaus ausweiten würde. Wenn die Beschäftigung in breiteren Einkommensspannen dauerhaft sänke. Oder wenn die einkommensstärkeren Haushalte – also diejenigen, die derzeit die Schwäche des unteren Teils des „K“ ausgleichen – unter Druck gerieten.
Die Investmentchance
Unter dem Deckmantel der insgesamt robusten Wirtschaftsentwicklung verstecken sich größer werdende Diskrepanzen und für Anleger wichtige Nuancen. Das spricht dafür, bei Investments in Verbraucherkrediten und ABF selektiver vorzugehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil einige Investoren dem Markt aufgrund der derzeit engen Spreads eine gewisse Selbstgefälligkeit unterstellen.
Die gute Nachricht: Die strukturellen Merkmale der aktuellen Deals sind robust und können Abwärtsrisiken begrenzen. Selbst bei den derzeit engen Spreads bräuchte es einen deutlich stärkeren Konjunktureinbruch als von uns erwartet, um Senior-Tranchen wirklich zu gefährden.
Wir bei PIMCO nehmen den oberen Teil der K-förmigen Wirtschaft ins Visier, anstatt das Verbraucherkreditsegment in seiner Gesamtheit abzudecken. Wir bevorzugen spezielle, qualitativ hochwertige Bereiche, in denen der Zugang zu differenzierter Kreditanalyse und umfangreichen Verbraucherdaten für Anleger den Unterschied machen kann.
Prime- und Super-Prime-Kreditnehmer entwickeln sich weiterhin gut, die Kreditqualität zeigt sich insgesamt stabil bis positiv. Nach den regionalen Bankenpleiten im Jahr 2023 haben viele Banken ihre Kreditvergabe an Verbraucher selektiver gestaltet. Dadurch sind Finanzierungslücken entstanden – teilweise auch bei Kreditnehmern mit hoher Bonität. Die Spreads in diesem Segment liegen weiterhin über dem Niveau, das die fundamentalen Daten aus historischer Sicht eigentlich nahelegen würden. Ein wesentlicher Grund dafür ist der geringere Anteil der Banken an der Kreditvergabe.
Da sich die Belastungen auf einkommensschwächere und besonders zahlungssensible Verbrauchergruppen konzentrieren, vermeiden wir Subprime-Verbraucherkredite.
Allerdings bietet ABF auch Chancen jenseits der Verbraucherkreditvergabe. Beispiele sind Flugzeugfinanzierungen, Prozessfinanzierungen und Musiktantieme. In diesen Bereichen sorgen Sachwerte sowie im Voraus festgelegte, vertraglich vereinbarte Zahlungsströme dafür, dass die Renditen weniger stark an den Konjunkturzyklus gebunden sind als bei Unternehmensanleihen oder Krediten an bonitätsschwächere Verbraucher. Mit einer Diversifizierung über diese Bereiche hinweg können Anleger eine zu starke Abhängigkeit vom Verbraucherkreditgeschäft oder von einem einzelnen Sicherheiten-Typus vermeiden.
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