Hamburg statt München, Empire Riverside statt Englischer Garten – und eine ELTIF-Debatte, die bereits einen Schritt weiter ist. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Juni ging das ELTIF Symposium am 9. September in die zweite Runde. PrivateMarkets360-CEO Simon Weiler war vor Ort und begleitete die Vorträge und Diskussionen.
Dabei wurde schnell deutlich: Die Frage ist längst nicht mehr nur, wie Private Markets über ELTIF-Strukturen einem breiteren Anlegerkreis zugänglich gemacht werden können. Mit dem wachsenden Angebot verschiebt sich der Fokus zunehmend darauf, welcher Manager Zugang zu den attraktiven Investments hat, wie Liquidität in semi-liquiden Strukturen gesteuert wird und welche Rolle Private Equity, Private Debt und Infrastruktur im Portfolio tatsächlich übernehmen können.
Scope: ELTIF-Wachstum trifft auf neue Selektionsfragen
Den Anfang machte Sonja Knorr, Head of Alternative Investments bei Scope Fund Analysis. Ihre Bestandsaufnahme zeigte zunächst die Dynamik des Marktes. Für 2025 verwies Knorr auf ein Platzierungsvolumen von 10,5 Mrd. Euro, nach 5,4 Mrd. Euro im Vorjahr. Auch 2026 setzt sich die Produktexpansion fort: Bis zum Zeitpunkt der Veranstaltung hatte Scope 49 neue Produkte registriert, davon 26 als Evergreen-Strukturen.
Mit dem Wachstum steigen allerdings auch die Anforderungen an die Selektion. Entscheidend seien neben der Erfahrung des Managers insbesondere der Marktzugang, die Kompetenz über den gesamten Investmentzyklus sowie ein belastbares Liquiditätsmanagement. Gerade bei Evergreen-Strukturen müsse sich zeigen, wie Rückgaben auch in schwierigeren Marktphasen gesteuert werden können.
Gleichzeitig identifizierte Knorr den tatsächlichen Zugang zum Produkt als eines der zentralen Nadelöhre des deutschen ELTIF-Marktes. Technische Abwicklung, eine teilweise noch eingeschränkte Produktauswahl bei Banken und Plattformen sowie die Komplexität der zugrunde liegenden Assetklassen bremsen die Verbreitung weiterhin.

Private Equity: Deal-Zugang und Allokation im Fokus
Clemens Feil, Principal im Private Equity Investment Team von Neuberger, richtete den Blick auf Private Equity Open Access. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die grundsätzliche Attraktivität der Assetklasse als vielmehr die Frage, wie ein Evergreen-Portfolio effizient aufgebaut werden kann.
Neuberger setzt innerhalb der vorgestellten Strategie auf direkte Beteiligungen beziehungsweise Co-Investments anstelle einer klassischen Fund-of-Funds-Struktur. Feil verwies dabei auf zwei zentrale Aspekte: Zum einen lasse sich durch Direktinvestments eine zusätzliche Gebührenebene vermeiden, zum anderen könne investiertes Kapital unmittelbar in Transaktionen eingebracht werden.
Besondere Bedeutung maß Feil zudem der Deal-Allokation bei. Anleger eines Evergreen-Produkts sollten aus seiner Sicht nicht lediglich Zugang zu nachgelagerten Investmentmöglichkeiten erhalten. Neuberger verfolgt daher nach eigenen Angaben eine Pro-Rata-Allokation, bei der die entsprechenden Deals über die unterschiedlichen Investorengruppen verteilt werden.
Der Vortrag machte gleichzeitig deutlich, dass die Umsetzung entsprechender Strukturen hohe Anforderungen an Plattformgröße, Dealflow und Portfoliomanagement stellt. Die Illiquidität der zugrunde liegenden Beteiligungen bleibt dabei ein wesentlicher Bestandteil des Risikoprofils.
Private Debt: Besicherung, Leverage und Kreditselektion
Kirsten Bode, Co-head of Pan-European Private Debt bei Muzinich & Co., beleuchtete anschließend die Rolle von Private Debt im europäischen Mittelstand. Im Zentrum stand die Position des Kreditgebers innerhalb der Kapitalstruktur: Private Debt stellt Fremdkapital bereit und steht damit vor dem Eigenkapital, ohne dessen Wertsteigerungspotenzial vollständig zu übernehmen.
Für die Risikosteuerung sind nach Darstellung von Bode insbesondere Besicherung, Leverage und Covenants entscheidend. Muzinich konzentriert sich in der vorgestellten Strategie auf erstrangig besicherte Kredite im unteren europäischen Mittelstand. Die Kredite sind typischerweise variabel verzinst, wodurch das klassische Durationsrisiko begrenzt werden kann.
Bode hob zudem hervor, dass die Kreditselektion nicht allein beim Einstieg endet. Quartalsweise überprüfte Kennzahlen und entsprechende Durchgriffsrechte sollen ermöglichen, bei einer Verschlechterung der finanziellen Situation eines Kreditnehmers frühzeitig einzugreifen. Damit wird auch die Restrukturierungskompetenz des Managers zu einem wesentlichen Faktor.
Ein weiterer Punkt betraf die Liquidität von Evergreen-Strukturen. Rückgabemöglichkeiten sollten nicht mit täglicher Liquidität verwechselt werden. Tilgungen und Endfälligkeiten innerhalb des Kreditportfolios können zur Liquiditätssteuerung beitragen, ändern aber nichts am grundsätzlich langfristigen Charakter der zugrunde liegenden Investments.

Infrastruktur: Mehr als erneuerbare Energien
Michael Höfel, Vertriebsdirektor bei PATRIZIA GrundInvest, weitete anschließend den Blick auf die Assetklasse Infrastruktur. Dabei machte er deutlich, dass sich das Investitionsuniversum längst nicht auf Wind- und Solarparks beschränkt.
PATRIZIA ordnet Infrastrukturinvestments unter anderem den strukturellen Entwicklungen Digitalisierung, Urbanisierung, Energiewende und Veränderungen des modernen Lebens zu. Entsprechend reicht das mögliche Spektrum von Energie- und Ladeinfrastruktur über digitale Netze bis hin zu sozialer Infrastruktur.
Für die Portfolioallokation stellte Höfel insbesondere das Zusammenspiel von Infrastructure Equity und Infrastructure Debt heraus. Während Equity stärker auf Wertsteigerung und Renditepotenzial ausgerichtet ist, können Debt-Investments über laufende Rückzahlungen und eine geringere Bewertungssensitivität zur Stabilisierung und Liquiditätssteuerung beitragen. Gerade für semi-liquide Strukturen kann die Kombination beider Segmente damit unterschiedliche Funktionen innerhalb eines Portfolios übernehmen.
Multi Private Asset: Diversifikation – aber Volatilität richtig einordnen
Michael Jäger, Head of Private Assets CEE bei Natixis Investment Managers, setzte die einzelnen Assetklassen anschließend in einen übergeordneten Portfoliozusammenhang. Sein zentrales Argument für Private Markets war die Diversifikation: Private Equity, Private Debt und Infrastruktur weisen unterschiedliche Renditetreiber auf und können dadurch liquide Aktien- und Fixed-Income-Portfolios ergänzen.
Gleichzeitig warnte Jäger davor, die häufig niedrigere ausgewiesene Volatilität von Private Markets vorschnell als geringeres ökonomisches Risiko zu interpretieren. Private Assets werden typischerweise nicht täglich über Transaktionen bewertet. Modellbasierte und häufig quartalsweise Bewertungen reagieren entsprechend träger auf Marktbewegungen.
Auch bei Private Equity richtete Jäger den Blick auf ein verändertes Marktumfeld. Historische Renditen seien unter anderem durch günstige Finanzierung und Multiple Expansion unterstützt worden. Bei höheren Finanzierungskosten dürfte deshalb die operative Wertschöpfung innerhalb der Portfoliounternehmen wieder stärker zum entscheidenden Renditetreiber werden.
Ein Multi Private Asset-Ansatz kann diese unterschiedlichen Renditequellen in einer Struktur zusammenführen und damit insbesondere für Anleger relevant sein, die ihre Private-Markets-Allokation nicht über mehrere Einzelprodukte aufbauen möchten.

Dericon: Offene Architektur für die Vermögensverwaltung
Den Abschluss der Fachvorträge bildete Frank Herrmann, Leiter Private Banking bei Dericon. Sein Fokus lag weniger auf einer einzelnen Assetklasse als auf der Frage, wie Investmentlösungen überhaupt zum Kunden gelangen.
Herrmann bezeichnete die klassische Vermögensverwaltung als weitgehend geschlossenes System: Banken greifen häufig auf eine begrenzte Zahl eigener oder verbundener Angebote zurück, während Kosten und Performance verschiedener Vermögensverwalter nur eingeschränkt vergleichbar sind.
Mit dem von Dericon entwickelten VVMarktplatz soll dieses Modell in Richtung einer offenen Angebotsarchitektur erweitert werden. Banken und Sparkassen sollen dadurch auf unterschiedliche Vermögensverwalter und Strategiegeber zugreifen können. Im Mittelpunkt stehen damit drei Themen, die auch über den ELTIF-Markt hinaus relevant sind: Zugang, Transparenz und Vergleichbarkeit.
Das anschließende gemeinsame Abendessen bot den Teilnehmern Raum, die Diskussionen aus den Vorträgen im direkten Austausch mit den Referenten zu vertiefen.
Deep Dives folgen auf PrivateMarkets360
Der Hamburger Symposiumstag zeigte damit eine nächste Entwicklungsstufe der ELTIF-Debatte: Der regulatorische Zugang zu Private Markets ist geschaffen, das Produktangebot wächst – nun rücken stärker die Qualität der Underlyings, Managerselektion, Liquiditätssteuerung und die Einbindung in bestehende Vertriebs- und Portfoliostrukturen in den Vordergrund.
PrivateMarkets360 wird die einzelnen Themen in den kommenden Wochen weiter vertiefen. Geplant sind separate Deep Dives zu den Vorträgen und den jeweiligen Fragestellungen rund um ELTIFs, Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, Multi Private Asset und Plattformbanking.
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