Die Haltedauer von Portfoliounternehmen im deutschen Private-Equity-Sektor ist im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. Laut der gemeinsamen Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management und FTI-Andersch sehen sich 70% der befragten PE-Gesellschaften dazu gezwungen, ihre Exits vorerst zu verschieben. Grund dafür ist das aktuelle Marktumfeld, das die Unternehmensbewertungen drückt und viele Transaktionen unter den gewünschten Bedingungen unmöglich macht.
Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Leiter des Centers for Corporate Transactions and Private Equity an der HHL, ordnet die Situation ein: „Niedrige Zinsen, erfolgreiches Fundraising und der daraus resultierende Anlagenotstand vor rund fünf Jahren haben dazu geführt, dass höhere Risiken bei einigen Investments eingegangen wurden. Die zwischenzeitlich geänderten Bedingungen in der Realwirtschaft und den Finanzmärkten haben diese Risiken schlagend werden lassen.“
Sinkende Bewertungen und operative Gegenmaßnahmen
Rund 65% der Fonds berichten von einem negativen Einfluss der Marktlage auf die Portfoliowerte. Als Hauptursachen werden die gestiegenen Zinsen (50%) sowie eine verschlechterte Liquidität in den Unternehmen (35%) genannt. Um auf die verlängerten Haltefristen zu reagieren, setzen die Gesellschaften verstärkt auf operative Optimierungen (35%) und Kostensenkungen (20%).
Angespannte Liquidität und restriktive Banken
Besonders kritisch zeigt sich die finanzielle Situation: Jede vierte PE-Gesellschaft meldet eine Verschlechterung der Liquidität in ihrem Portfolio, primär bedingt durch sinkende Umsätze (55%). Ein Fünftel der Befragten gab an, zuletzt gegen Finanzierungsauflagen (Covenants) verstoßen zu haben.
Die Suche nach frischem Kapital gestaltet sich derweil schwierig. 80% der Befragten beobachten eine deutlich restriktivere Kreditvergabe der Banken, insbesondere in Branchen wie Automotive, Maschinenbau oder Retail. Dr. Martin Schneider, Experte bei FTI-Andersch, betont die Notwendigkeit konsequenter Entscheidungen: „Es ist jetzt genau zu prüfen, welche Unternehmen sinnvoll saniert werden können – und bei welchen eine relevante Bewertung mittel- bis langfristig nicht erreichbar ist. Dann ist ein Ende mit Schrecken vielleicht besser als ein Schrecken ohne Ende.“
Rückgang der Ausschüttungsfähigkeit
Die geschwächte Cashflow-Situation hat direkte Folgen für die Investoren der Fonds. 55% der Gesellschaften können Dividenden aus ihren Portfoliounternehmen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausschütten. Während 40% der Befragten hierbei von einer temporären Einschränkung ausgehen, rechnet jedes vierte Unternehmen auch mittelfristig mit einem deutlich schlechteren Umfeld für Ausschüttungen.
Angesichts der strukturellen Herausforderungen am Standort Deutschland mahnt Martin Schneider zu Realismus: „Vorsichtige Einschätzungen sind deshalb aktuell sinnvoller als überbetonter Optimismus.“ Die wichtigsten Hebel zur Stabilisierung bleiben laut Studie die Optimierung des Working Capitals sowie eine konsequente Kostendisziplin.
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