Stabilisierung statt weiterer Korrektur
Im Vorfeld der MIPIM 2026 in Cannes ordnet Christopher Mertlitz, Managing Director und Head of European Investments bei W. P. Carey, die Marktlage als stabiler ein. Nach Einschätzung des Unternehmens haben sich die Preisvorstellungen zwischen Käufern und Verkäufern angenähert, während die Transparenz im Transaktionsmarkt zugenommen habe. Die Marktdiskussion verschiebe sich damit von der reinen „Korrektur“ hin zur Positionierung für das Jahr 2026.
W. P. Carey verweist zudem auf eine nach eigener Darstellung gut gefüllte Pipeline. Für 2025 nennt das Unternehmen ein Investitionsvolumen von 2,1 Mrd. US-Dollar; seit Jahresbeginn beziffert W. P. Carey die getätigten Investitionen auf 312,4 Mio. US-Dollar.
Makro: Uneinheitliches Wachstum, mehr Investitionsdruck
Das makroökonomische Bild in Europa bleibt aus Sicht von W. P. Carey heterogen: Das Wachstum sei in Teilen schleppend, zeige jedoch Anzeichen einer graduellen Belebung. Mittel- bis langfristig könnten staatliche Infrastruktur- und Verteidigungsausgabenpakete zusätzliche Impulse liefern – insbesondere für Produktions- und Logistiksegmente.
Gleichzeitig sieht das Unternehmen viele Corporates mit einer Gemengelage aus politischer Unsicherheit, Handelsvolatilität, Wettbewerbsdruck und fortbestehendem Investitionsbedarf konfrontiert. In einem Umfeld, in dem klassische Fremdfinanzierung nicht für alle Unternehmen gleichermaßen verfügbar ist, bewertet W. P. Carey Sale-Leasebacks als Instrument zur Kapitalflexibilität.
Preisbildung hängt am langen Ende der Zinskurve
Für die Preisbildung und die Umsetzbarkeit von Transaktionen seien nach Darstellung von W. P. Carey weniger kurzfristige Leitzinsbewegungen als vielmehr langfristige Finanzierungskosten und Risikoprämien maßgeblich. Insbesondere Immobilienfinanzierungen reagierten stärker auf das „lange Ende“ der Zinskurve. Vor diesem Hintergrund rechnet das Unternehmen damit, dass Investoren ihre Erwartungen an das Tempo möglicher Zinssenkungen anpassen.
Sale-Leaseback 2026: Refinanzierungswelle und selektive Kreditvergabe
Für 2026 erwartet W. P. Carey eine zunehmende Aktivität im europäischen Sale-Leaseback-Markt, getrieben durch strukturellen Finanzierungsbedarf. Als wesentlichen Faktor nennt das Unternehmen eine refinanzierungsintensive Phase 2026/27: Finanzierungen, die 2021 aufgenommen wurden, würden in einem Umfeld höherer Zinsen fällig und könnten Finanzierungslücken auf Unternehmensebene vergrößern.
Zudem dürfte sich der Zugang zu Kapital nach Einschätzung des Unternehmens weiter selektiv entwickeln – sowohl durch vorsichtigere Bankkreditvergabe als auch durch einen teilweisen Rückzug einzelner Private-Debt-Anbieter. Zusätzlich erweitert sich laut W. P. Carey der Anwendungsfall: Sale-Leasebacks würden nicht nur zur Liquiditätsbeschaffung und für Reinvestitionen genutzt, sondern vermehrt auch zur Finanzierung von Transaktionen und zur Schaffung finanzieller Flexibilität in M&A-Situationen, insbesondere bei Private-Equity-finanzierten Unternehmen.
Regionen: Deutschland im Fokus, Momentum in Südeuropa und Polen
Deutschland hebt W. P. Carey als Markt hervor, in dem sich der Zyklus zu drehen beginne. Nach Jahren hoher Preisniveaus und einer ausgeprägten Käufer-Verkäufer-Differenz könnten struktureller Druck in energieintensiven sowie exportorientierten Industrien und restriktivere Kreditstandards die Nachfrage nach alternativen Finanzierungslösungen erhöhen. Das Unternehmen sieht dadurch zugleich attraktivere Einstiegsniveaus für langfristig orientierte Investoren.
In Südeuropa beobachtet W. P. Carey eine konstruktive Dynamik, da Eigennutzer weiterhin bilanzielle Flexibilität suchten. In Mittel- und Osteuropa verweist das Unternehmen auf ausgewählte Märkte – insbesondere Polen – mit aktiver Transaktionsentwicklung, gestützt durch Industrienachfrage und steigende Reinvestitionsbedarfe.
Assetklassen: Betriebsnotwendige Immobilien und langfristige Cashflows
Strategisch betont W. P. Carey den Fokus auf betriebsnotwendige Immobilien mit resilienten, langfristig abgesicherten Cashflows. Chancen sieht das Unternehmen im produktionsnahen Industriesegment, wo Transformation und restriktivere Bankfinanzierung die Nachfrage nach langfristigen alternativen Finanzierungsformen erhöhen könnten.
Logistik bleibt laut W. P. Carey ein Schwerpunkt, getragen von der Neuordnung von Lieferketten und struktureller E-Commerce-Nachfrage. Im Retail setzt das Unternehmen auf versorgungsorientierte Formate wie Lebensmittelmärkte und Nahversorgung. Rechenzentren bewertet W. P. Carey dagegen als Segment, das angesichts technologischer Dynamik und Bewertungsniveaus eine besonders disziplinierte Prüfung erfordere.
Unternehmensprofil
W. P. Carey ist ein Net-Lease-REIT mit einem Unternehmenswert von rund 22 Mrd. US-Dollar. Das Portfolio umfasste zum 30. Juni 2025 nach Unternehmensangaben rund 1.600 Net-Lease-Objekte mit etwa 16,5 Mio. Quadratmetern Fläche, überwiegend in den USA sowie in Nord- und Westeuropa.
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