Semi-liquide Strukturen: Auel warnt vor prozyklischen Risiken bei Marktschocks

Angesichts jüngster Rücknahmebeschränkungen bei Private-Debt-Fonds rückt die Liquiditätssteuerung semi-liquider Produkte verstärkt in den Fokus. Nico Auel, Vorstand von Munich Private Equity, erläutert gegenüber PrivateMarkets360, warum illiquide Konzepte trotz vermeintlicher Nachteile die strukturell überlegene Lösung für den langfristigen Vermögensaufbau darstellen und welche Gefahren prozyklisches Anlegerverhalten für die Performance und Fondsstabilität birgt.

Private Equity

22.04.2026 11:15 Uhr
Nico Auel, Vorstand von Munich Private Equity / © PrivateMarkets360 / Munich Private Equity
Nico Auel, Vorstand von Munich Private Equity / © PrivateMarkets360 / Munich Private Equity

Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Marktgegebenheiten

Die zunehmende Verbreitung semi-liquider Vehikel soll illiquide Assetklassen für breitere Anlegerkreise zugänglich machen, doch diese Flexibilität birgt systemische Risiken. Wie Nico Auel, Vorstand von Munich Private Equity, in einer Stellungnahme präzisierte, wecken Rückgabemöglichkeiten Erwartungen, die in Stressphasen oft enttäuscht werden müssen. Da Privatanleger auf exogene Schocks häufig wellenartig und prozyklisch reagieren, besteht die Gefahr, dass Rückgabeoptionen genau dann eingeschränkt werden, wenn der Liquiditätsbedarf am höchsten ist. „Die Gefahr von Enttäuschungen über eine im Ernstfall nicht verfügbare, aber erwartete Liquidität sollte daher nicht unterschätzt werden“, warnt Auel.

Prozyklisches Verhalten als Performance-Risiko

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die psychologische Komponente bei der Produktauswahl: „Vielen Anlegern fällt der Griff zu vermeintlich flexibleren Produkten leichter“, so Auel weiter. Diese Flexibilität erhöhe jedoch das Risiko prozyklischen Handelns. Investoren neigen dazu, in positiven Marktphasen zu hohen Bewertungen einzusteigen, während in Krisen die Notwendigkeit nach Rückgaben steige. Dies könne Fonds dazu zwingen, Portfolio-Assets zu ungünstigen Konditionen zu veräußern, um Liquidität zu generieren. Dabei böten gerade diese Phasen nach einer Bewertungstaxierung oft die besten Einstiegsmöglichkeiten für ein langfristiges Engagement.

Illiquidität als ökonomische Notwendigkeit

Für Nico Auel ist die strukturelle Illiquidität kein Makel, sondern eine zwingende Voraussetzung für die Wertschöpfungslogik innerhalb der Private Markets. Die Anlageklasse lebe davon, dass Kapital über viele Jahre gebunden bleibt und Unternehmen langfristig entwickelt werden können. Geschlossene Strukturen böten hierbei die notwendige Planungssicherheit für Manager und Portfoliounternehmen gleichermaßen. Auel bezeichnet illiquide Konzepte daher als die „ehrlichere Lösung“, da sie die strukturelle Illiquidität der zugrunde liegenden Assets konsequent widerspiegeln und einen stabilen Rahmen für den Vermögensaufbau schaffen, ohne leere Liquiditätsversprechen zu geben.

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