Da das Ziel, die globale Erwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen, zunehmend außer Reichweite gerät, erweitern Investoren ihren Fokus über die reine Dekarbonisierung hinaus und verfolgen einen umfassenderen, auf Anpassung ausgerichteten Ansatz. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich Systeme widerstandsfähig gegenüber steigenden Temperaturen, zunehmender Klimavolatilität und der wachsenden Nachfrage nach Elektrifizierung gestalten lassen. Dies erfordert eine gezielte Kapitalallokation in die grundlegenden Bereiche der Wirtschaft – etwa in die Energieinfrastruktur, Wasserversorgungssysteme, datengestützte Effizienzlösungen sowie Dienstleistungen, die die Resilienz und Ressourceneffizienz dieser kritischen Infrastrukturen stärken.
Warum gerade jetzt „Ressourcenresilienz“?
Die weltweiten Investitionen im Energiesektor erreichen für das Jahr 2025 voraussichtlich 3,3 Billionen US-Dollar. Hierin spiegeln sich die Bemühungen der Regierungen wider, die Energiesicherheit angesichts geopolitischer Spannungen zu gewährleisten und die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern.
Ein entscheidender Treiber dieses Wandels ist das angebrochene „Zeitalter der Elektrizität“. Die Nachfrage aus Industrie, Kühltechnik, Verkehr, Rechenzentren und künstlicher Intelligenz steigt massiv an. Allein die Ausgaben im Stromsektor belaufen sich für 2025 voraussichtlich auf 1,5 Billionen US-Dollar – damit übersteigen sie bereits die Summe der weltweiten Investitionen in Öl, Gas und Kohle.
Zusätzlich verstärken Trends in der Klimatechnologie diese Entwicklung. Im Jahr 2025 stiegen die Klimainvestitionen auf 40,5 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 8 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Zuwachs ist vor allem auf die Nachfrage nach energieintensiver KI-Infrastruktur und Lösungen zur Netzflexibilität zurückzuführen, während reine Dekarbonisierungsmaßnahmen eine geringere Rolle spielen.
Netzinfrastruktur als kritischer Engpass beim Ausbau erneuerbarer Energien
Während erneuerbare Energien weiterhin rasch an Bedeutung gewinnen, stellt die Infrastruktur nach wie vor ein entscheidendes Hindernis dar. Die jährlichen Investitionen in das Stromnetz belaufen sich auf rund 400 Milliarden US-Dollar. Sie bleiben damit deutlich hinter den Ausgaben für neue Stromerzeugungskapazitäten zurück, in die jährlich eine Billion US-Dollar fließen. Infolgedessen warteten im Jahr 2024 mehr als 1.650 GW an Wind- und Solarenergie auf ihren Netzanschluss.
Schätzungen zufolge muss die Netzkapazität bis 2050 um über 50 % wachsen, um die Netto-Null-Ziele zu erreichen. Wartelisten für Netzanschlüsse, Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung sowie Engpässe bei Transformatoren und Kabeln gehören mittlerweile zu den größten Hemmnissen für die Energiewende. Dieses Ungleichgewicht steigert den strategischen Wert von Unternehmen, die die Modernisierung, den Ausbau und die Instandhaltung von Stromnetzen unterstützen. Darüber hinaus bieten sich Chancen im Bereich der Netzdigitalisierung, die eine bessere Überwachung und eine höhere Effizienz ermöglicht.
„Ressourcenresilienz“ durch Private Equity
Private Equity ist hierbei einzigartig positioniert, um die fundamentalen Ebenen dieses Wandels zu skalieren. Dies gilt insbesondere für das Lower-Mid-Market-Segment. Hier besteht Zugang zu kleineren, dynamischen Unternehmen, die eine effektivere Unternehmensführung und stärkere Kontrollmöglichkeiten als viele börsennotierte Konzerne bieten. Der Fokus liegt auf etablierten, wachstumsstarken Unternehmen in attraktiven Marktnischen. Diese zeichnen sich typischerweise durch „Asset-Light“-Modelle, einen klaren Return on Investment (ROI) für den Kunden sowie einen direkten Bezug zu Treibern wie Dekarbonisierung, Effizienz, Compliance oder Risikominderung aus.
Dieser Ansatz priorisiert Buyout- und Growth-Buyout-Opportunitäten, bei denen transformatives Kapital die Kommerzialisierung, Skalierung und operative Optimierungen unterstützt. Gleichzeitig werden Risiken aus wissenschaftlichen Frühstadien, volatilen Verbrauchertrends und von vermeintlichen „Hypes“ begründeten „grünen“ Bewertungsaufschlägen vermieden. Das Lower-Mid-Market-Segment bietet somit eine überzeugende Balance aus gezielter thematischer Ausrichtung und finanzieller Disziplin, gestützt durch strenge Due-Diligence-Prüfungen, Diversifikation und eine sorgfältige Partnerauswahl.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Bereichen Elektrifizierung, Übertragung und Verteilung sowie der Dekarbonisierung der bebauten Umwelt, gepaart mit Ressourcenschonung und Effizienz. Diese Segmente eignen sich in hohem Maße für Unternehmen, die im Lower-Mid-Market tätig sind.
Fazit
Der Klimawandel bleibt ein zentraler Megatrend innerhalb des Anlageansatzes von Federated Hermes. Unser Fokus auf Resilienz baut auf dieser Basis auf und richtet die Strategie auf die nächste Phase des Marktes aus: Anpassung, Zuverlässigkeit, Effizienz und die Gesamtleistung von Systemen.
Durch die gezielte Kapitalallokation in Bereiche mit hohem risikobereinigtem Wirkungspotenzial streben wir an, wirtschaftliche Opportunitäten zu nutzen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Realwirtschaft zu unterstützen.
Von Christian Mankiewicz, Head of Portfolio Strategy & Solutions bei Federated Hermes
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