Zuflusspotenzial durch Reform ab 2027
Das ab 2027 greifende Altersvorsorgedepot schafft eine Schnittstelle zwischen geförderten Vorsorgegeldern und Private-Market-Anlagen. Während das Standarddepot ausschließlich OGAW-Strukturen vorbehalten bleibt, sind ELTIFs im frei gestaltbaren, erweiterten Altersvorsorgedepot zugelassen.
Wie Scope Fund Analysis im Rahmen einer aktuellen Marktuntersuchung darlegt, bewegen sich die erwarteten jährlichen Gesamtzuflüsse in das neue System mittelfristig zwischen 30 und 50 Mrd. Euro. Bei einer angenommenen Private-Market-Quote von 5% bis 10% ergibt sich für ELTIFs ein jährliches Neugeschäftspotenzial von 1,5 bis 5 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Ende 2025 lag das gesamte ELTIF-Vermögen deutscher Anleger bei 4,4 Mrd. Euro. Ein einmaliger Zusatzeffekt könnte zudem aus der Umschichtung des rund 220 Mrd. Euro schweren Riester-Kapitalstocks resultieren. Sollten 20% hiervon in die neuen Depots übertragen werden, ergäbe sich bei identischer Allokation ein weiteres Potenzial von 2,2 bis 4,4 Mrd. Euro.
Risikoklassen kein primäres Nadelöhr
Für die Zulassung im erweiterten Depot gilt die Anforderung, dass Produkte die Risikoklassen (Summary Risk Indicator, SRI) 1 bis 5 im Basisinformationsblatt nicht überschreiten dürfen. Eine Auswertung von 53 in Deutschland vertriebsfähigen Evergreen-ELTIFs durch die Berliner Analysten zeigt, dass 46 Fonds (87%) diese Vorgabe derzeit erfüllen:
- Infrastructure: 15 von 16 Produkten mit SRI ≤ 5
- Private Debt: 12 von 14 Produkten mit SRI ≤ 5
- Private Equity: 10 von 11 Produkten mit SRI ≤ 5
- Multi-Asset: 7 von 10 Produkten mit SRI ≤ 5
- Real Estate: 2 von 2 Produkten mit SRI ≤ 5
Dennoch birgt die Risikoeinstufung operative Herausforderungen: Ein dynamischer Anstieg des SRI über die Schwelle von 5 während der Haltedauer könnte bei illiquiden Assetklassen zu Zielkonflikten zwischen Veräußerungspflichten und tatsächlicher Handelbarkeit führen. Zudem steht die volatilitätsbasierte PRIIPs-Methodik wegen Glättungseffekten (Smoothing) bei NAV-Bewertungen auf europäischer Ebene und vor dem EuGH in der Kritik.
Kostendruck als zentrale Vertriebshürde
Als wesentlicher Engpass erweist sich das Gebührenniveau. Zwar existiert für das erweiterte Depot im Gegensatz zum Standarddepot (Effektivkostendeckel von 1,0%) keine gesetzliche Kostenobergrenze, jedoch wirkt die Transparenzpflicht als indirekter Vergleichsmaßstab.
Die untersuchten 45 Evergreen-ELTIFs weisen je nach Tranche durchschnittliche Verwaltungsgebühren zwischen 1,7% (günstigste Anteilsklasse) und 2,5% (teuerste Anteilsklasse) auf. Die Bandbreite reicht über alle Assetklassen hinweg von 0,5% bis 4,7%, wobei Private-Equity-Strategien am oberen Ende rangieren. Asset Manager dürften daher gezwungen sein, speziell auf den Vorsorgemarkt zugeschnittene Produktvarianten und Gebührenstrukturen zu lancieren. Die breite Markteinführung entsprechender ELTIF-Angebote im erweiterten Depot wird überwiegend im zweiten Halbjahr 2027 erwartet.
Hier können Sie die vollständige Analyse herunterladen.
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